Lesetipp :
Warum die Content-Marketing-Blase bald platzen könnte

Dieses Jahr wird Content Marketing seine größten Fehlschläge erleben, die Blase ist bald geplatzt: zu diesem Schluss kommt der "Godfather" of Content Marketing Joe Pulizzi. Warum alles anders wird, erklärt der Gründer des Content Marketing Institute im Lesetipp. 

Text: W&V Redaktion

22. Jan. 2016 - 7 Kommentare

Content Marketing ist wohl eines der Zauberwörter der Branche. Bei seinem Klang bekommen Agenturchefs und Werbungtreibende leuchtende Augen. Der Grund für die Begeisterung liegt wohl auch in der Schwammigkeit des Begriffs: "Unter Content Marketing", so etwa die Definition von Facit Research, "ist die zielgruppenspezifische Ansprache via On- und Offline-Medien durch qualitativ hochwertige und kreative Inhalte zu verstehen". Hochwertige und kreative Inhalte? Das ist nichts Neues und oft nur pure Augenwischerei, wie "Mr. Media" Thomas Koch zu Recht feststellt. Doch in Zeiten von Adblockern ist die Unsicherheit groß: Methoden wie Native Advertising und Inbound Marketing sollen die Werbe-Inhalte doch noch irgendwie zum Nutzer lotsen.

Ausgerechnet Joe Pulizzi prophezeit jetzt, dass die Content-Marketing-Blase 2016 platzen könnte. Eine erstaunliche Prognose, da es sich bei Pulizzi um den Gründer des Content Marketing Institute (CMI) handelt, der einen der einflussreichsten Blogs zu dem Thema betreibt. Der US-Amerikaner ist allerdings von seiner Einschätzung überzeugt. Er erklärt sie an Hand der ersten drei Stufen von Gartners Hype Circle:

1. "Der technologische Impuls"

Auf einmal konnten Unternehmen jeder Größe ihre Inhalte ins Netz stellen. Das Ergebnis: Ein unkontrollierter Informationsfluss zwischen den Produzenten der Inhalte und den Verbrauchern.

2. "Der Höhepunkt der überzogenen Erwartungen"

Content Marketing ist plötzlich die neueste Antwort. Aufregend und verheißungsvoll wird es zum Allheilmittel schlechthin - laut Pulizzi dauert diese Phase bis heute an.

3. "Das Tal der Ernüchterung"

Nach dem Rausch folgt der Kater. In diesem Jahr, so Pulizzi, ist es soweit.

Gründe für das Platzen der Content-Marketing-Blase gibt es nach Pulizzi viele. Einige von ihnen: Statt auf langfristige Kampagnen konzentrieren sich Unternehmen lieber auf Kampagnen, die von ihnen produzierten Inhalte zielen auf die Marke ab und nicht auf das Publikum. Die Prognose des "Godfather of Content Marketing" lautet deshalb: Es wird seltsam - 2016 wird sowohl zum Jahr der größten Erfolge als auch der schlimmsten Niederlagen.

Ob Pulizzi Recht behält, muss sich zeigen, zu seinen Ausführungen zum aktuellen Content-Marketing-Rummel geht es hier. Sollte sich die Prognose des CMI-Gründers erfüllen, besteht jedoch noch Grund zur Hoffnung: Denn aus dem Tal der Ernüchterung folgt nach Gartners Hype Circle schlussendlich die "Hochebene der Produktivität". Den Weg dorthin könnte vielleicht eine Studie von BBC Storyworks in London weisen: Sie testet neue Wege, um die emotionalen Auswirkungen von Content geführten Marketinginitiativen zu verstehen. Mithilfe der Untersuchung der Gesichtsausdrücke von 5153 digitalen Verbrauchern aus Australien, Hongkong, Singapur, USA, Kanada und Deutschland kommt sie dabei zu folgendem Schluss:

  

  


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autoren. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.



7 Kommentare

Kommentieren

Anonymous User 26. Januar 2016

Die Clickbait-Überschrift von Pulizzi ist deshalb so witzig, weil er den eigenen Aufstieg durch den Niedergang aller anderen prophezeit.

Da haben aber manche, die moderne Kommunikation verstanden haben, etwas dagegen.

Bring it on, Mr. Pulizzi!! :)

Anonymous User 23. Januar 2016

Unterhaltende und informierende Inhalte gibt es seit dem ersten Wort. Insofern ist der einzige Hype der hoffentlich sehr bald vorbei sein wird, dass das Wort "Content Marketing" inflationär verwendet wird.

Nennt es Content Marketing. Nennt es Storytelling. Nennt es relevante Inhalte. Nennt es wie auch immer ihr mögt: Es ist eine Tatsache, dass die Digitalisierung, die veränderte Mediennutzung, die Reaktanz der Konsumenten und die sinkenden Einnahmen der Medien neue Wege sucht, damit der Markt noch funktionieren kann. Und Inhalte bieten sich dafür nun mal an.

Was neu ist: Content ist jetzt nicht nur noch eine Geschäftsmodell für Medien. Auch Konsumenten, Influencer, Agenturen und Marken können davon profitieren. Das Wort „Content Marketing“ hat die Spielregeln spürbar verändert, hat dem Thema "Inhalte" eine neue Gewichtung gegeben und es kommen neue Player mit spannenden Geschäftsfeldern aufs Spielfeld.

Also alles gut!

Anonymous User 23. Januar 2016

Wer Content-Börsen wie Textbroker oder Twago besucht und sich augenreibend die dort angebotenen "Honorare" für Content-Leistungen ansieht, muss Pulizzi beipflichten. Leider unterliegen immer noch viel zu viele Unternehmen dem Trugschluss "Lass' sie schreiben, was sie schreiben, Hauptsache, dass sie schreiben!"

Anonymous User 22. Januar 2016

Oh, wie überraschend. Ein Trend wird überbewertet und an vielen Stellen leichtsinning und falsch umgesetzt. Das sollten wir doch kennen. Das ist der Hype Cycle.

Hat irgendjemand ernsthaft geglaubt, dass all der Content super und erfolgreich ist.

Nein.

Anonymous User 22. Januar 2016

@ Matthias Faeber
Richtig. Pulizzi schreibt: "So, things may get a little weird for a while, but those that keep to the plan will emerge successful. I’m hoping that’s you."
Nichtsdestotrotz ist der aktuelle Hype, der momentan kursiert, seiner Meinung nach bald vorbei. Die Blase wird platzen. Von daher stimmt ja auch die Aussage des Lesetipps ;)

Anonymous User 22. Januar 2016

Da hat wohl jemand den Original-Artikel nicht zu Ende gelesen. Was Pulizzi sagt, ist Folgendes: Unternehmen, die Content Marketing falsch nutzen, werden scheitern. Unternehmen, die es richtig nutzen, werden grandiose Erfolge feiern. Und wer kann sagen, wie es richtig geht? Natürlich Pulizzi. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ;-)

Anonymous User 22. Januar 2016

Jah, Ja. Die Rächtsraibunk

Diskutieren Sie mit