Vor diesem Hintergrund ist eher zu verstehen, warum vor dem Spiel an die Leipziger Fans Flyer mit Anleitungen für Sprechchöre verteilt wurden, inklusive Anleitung für die Handbewegungen. Zu lesen war dort: "Aiiiiijaijaijai, Raaasenbaaalsport Leipziiig. Wir singen und springen auf jedem Fußballplatz: Ein SCHUSS! Ein TOR für Leipziiiiig." Oder auch: "Wir lieben unsr'e Heimat: FUSSBALLSTADT L.E.! Oleeeé, Olé, Olé."

Der Zettel sorgt nun für reichlich Häme im Web. Vom "Leipziger Knabenchor" ist unter dem "Bild"-Artikel die Rede, einer schreibt: "So sieht die Industrie-Fankultur aus. Pflegeleicht wie Plastikblümchen". Auf Facebook ätzt einer: "Support kann man sich nicht kaufen". Auch der Sponsor bekommt viel Spott ab. Denn die Kommentatoren wundern - und amüsieren - sich besonders über eine sponsorkonforme Hymne der Leipziger. Und die geht so: "Red Bull mit Cola, Red Bull mit Wodka, Red Bull für uns und ganz Europa. Wir sind die ROTEN. Wir sind die WEISSEN. Wir sind diejenigen die RASENBALLSPORT heißen". So klingt das Ganze:

Die Vermutung, Red Bull lasse über seine Limonade singen, weist ein Klubsprecher gegenüber "Bild" entschieden zurück: "Das ist kein Marketing. Zu 100 Prozent - nein". Gedichtet und getextet wurde der Gesang von Leipziger Fans, die auch gerne Plakate in die Höhe halten, die ein rotes Schwein mit Red-Bull-Logo und Flügeln zeigen. Auch mit der Jubel-Anleitung habe Red Bull nichts zu tun. Die Flyer sponserte demnach ein privater Unternehmer. Es handele sich um eine Initiative von RB-Leipzig-Fans, "die nichts weiter anstrebt, als willigen RB-Neu-Supportern eine textliche Unterstützung zu bieten", heißt es auf deren Community-Seite. Dort beschweren sich die Fans über den "Bild"-Artikel, der ihre Idee "über die Grenzen Leipzigs hinaus lächerlich" mache. Den "Red Bull"-Gesang verteidigen sie als "individuell und selbstironisch". Und sie versichern, "dass die Liebe zu Leipzig eine größere Rolle einnimmt als die Präsentation von 'Red Bull' durch die Fans."



Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.