Der Lackmustest für viele Verbraucher ist, ob die Zutaten in ihren eigenen Küchenschränken auftauchen. Ist das der Fall, dann sind sie auch bereit, etwas mehr Zucker oder Fett zu sich zu nehmen.

Um Lebensmittel mit solch "cleanen" Etiketten kaufen zu können, wechseln einige Verbraucher sogar ihre Einkaufsstätten. Auch das ist ein Grund für die steigende Popularität von Bauernmärkten und Reformhäusern.

"Weniger Zutaten" als neues Verkaufsargument für Lebensmittel

Da "kurze Zutatenlisten" so attraktiv für die Menschen geworden sind, reagieren viele Marken auf diese Anforderung. Die Präsentation kurzer Zutatenlisten auf Lebensmittelverpackungen ist zu einem beliebten neuen Marketinginstrument geworden – anstatt die Zutatenlisten im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung zu vergraben, posaunen die Lebensmittelhersteller ihre einfacheren Zutatenformeln deutlich auf der Vorderseite des Etiketts heraus.

In der Champions League dieser "Weniger-ist-mehr-Marken" spielt RXBAR. Das 2013 gegründete Unternehmen ist mit seinen Proteinriegeln bekannt geworden, macht inzwischen aber auch Nut Butters und, ganz neu, auch Oats.

Für alle Produkte gilt, dass offensiv auf der Front steht, was drin ist - in der Regel Eiweiß, Datteln, Nüsse und Früchte - und was nicht (No Bad Stuff). Entgegen dem Ratschlag einiger "Food-Profis" (Logo nicht eindeutig, kein Appetite Appeal) haben die RX-Macher aber von Anfang an auf Transparenz und Reduktion beim Produkt und beim Design gesetzt. Damit haben sie auch gleich einen Trend für minimalistisches Packaging ausgelöst.

RX: Trend zur Minimal-Packung

RX: Trend zur Minimal-Packung

Um die Anzahl der Zutaten ihres klassischen Schokoladensirups zu reduzieren, haben die Produktentwickler bei Hershey Co. zum Bespiel anderthalb Jahre gearbeitet. Das neue Produkt heißt kurz und bündig "Simply 5" und hat nur noch fünf Zutaten anstatt elf.

 

Hersheys Simply 5

Hersheys Simply 5

Aber auch in Deutschland gibt es Beispiele: Die Gläserne Molkerei hat vergangenes Jahr den neuen "Joghurt pur" gelauncht, der sogar nur aus drei Zutaten hergestellt wird: Naturland Bio-Milch, erlesene Bio-Früchte und etwas Bio-Rohrohzucker für die optimale Geschmacksverstärkung. Bei der Herstellung des Joghurt pur wird vollständig auf Zusatzstoffe verzichtet.

Joghurt pur

Joghurt pur kommt sogar mit nur drei Zutaten aus.

Ritter Sport startete das Jahr mit der Einführung von drei neuen "Single-Origin-Sorten", die das Thema Herkunft und Kakao in den Fokus stellen. Der Kakao für die Tafeln stammt jeweils aus einem bestimmten Ursprungsland: aus Nicaragua, Ghana oder Peru. Mit nur drei Zutaten – Kakao, Zucker und in einem Fall Milch – sind die Rezepturen zusätzlich "auf das Wesentliche reduziert", sagt Firmenchef Andreas Ronken: "Mit unserer neuen Kakaoklasse wollen wir das Bewusstsein für diesen natürlichen Rohstoff und seine geschmackliche Vielfalt fördern."

 

Ritter Sport

Ritter Sport macht in Schokoladen-Exzellenz

Über den Autor:

Jochen Matzer, Geschäftsführer von Red Rabbit in Hamburg, hat sich nach über 20 Jahren Erfahrung mit Marken und Kommunikation mit seiner Agentur auf Neuprodukt- und Innovationsentwicklung für FMCG-Unternehmen spezialisiert. Seit 2015 ist er am Markt. Er ist überzeugt: Innovationen kann man heute in drei Monaten zum Erfolg führen. In seiner W&V-Kolumne schreibt er über Food-Trends. Nächste Woche geht es um die: "Low Alcohol Revolution".


Autor:

W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.