Kommentar :
Warum mehr Konzernchefs dem Beispiel von Joe Kaeser folgen sollten

Mehr Unternehmen und Marken sollten sich offen gegen Fremdenhass und Nationalismus positionieren - findet Berlin-Korrespondentin Judith Pfannenmüller.

Text: Judith Pfannenmüller

W&V-Redakteurin Judith Pfannenmüller.
W&V-Redakteurin Judith Pfannenmüller.

Heraushalten geht nicht mehr, auch nicht für Unternehmen. Sehr wenige rechte Scharfmacher dominieren die Debatte, schüren Angst vor Fremden und wollen einem neuen Nationalismus den Boden bereiten.

Dabei reicht ein Blick auf die Mitarbeiterlisten der großen und kleinen deutschen Unternehmen, um zu sehen, wie gut Integration funktioniert - seit Jahren. Unternehmen sollten anfangen, laut und vernehmlich über Werte zu reden, die sie schon längst leben: Diversität und gelebter Teamgeist von Menschen mit unterschiedlicher Einstellung und Herkunft.

"Lieber Kopftuch-Mädel als Bund Deutscher Mädel" hatte Siemens-Chef Joe Kaeser getwittert und sich damit als einer der ersten Konzernlenker klar gegen den Rückfall in vormoderne Zeiten positioniert - bislang mit wenig Unterstützung von Kollegen in den Chefetagen anderer Dax-Konzerne, die zwar rund um den Globus agieren, aber um den Absatz ihrer Produkte fürchten, wenn sie Haltung zeigen. 

Dabei müssen sie umgekehrt um den Absatz ihrer Produkte fürchten, wenn sie Zweifel an ihren Werten lassen. Judith Borowski, Chefin des sächsischen Uhrenherstellers Nomos Glashütte wird von ihren Kunden längst nach der Haltung des Unternehmens gefragt und danach, ob sie befürchten müssen, dass ihre Uhr von Nazis gefertigt wurde. "Wir verkaufen unsere Uhren nicht vorrangig an Sachsen in Sachsen, sondern an Menschen in und aus aller Welt.

Im Wettbewerb um die benötigten - auch ausländischen - Fachkräfte haben nicht nur sächsische, sondern deutsche Unternehmen insgesamt viel zu verlieren. Deutschland ist schon unattraktiver für ausländische Fachräfte geworden, wie die jüngste Umfrage von Internations unter 18.100  Expats zeigt.

Mitarbeiter äußern sich auf ihren Social Media-Accounts und definieren damit die Kultur eines Unternehmens mit. "Daraus ergibt sich ein Handlungsdruck", sagt Mathias Richel, Mitgründer der Berliner Strategie-Agentur Richel Stauss. Wie die neue Berliner Agentur Unternehmen und Parteien helfen will, in politisch aufgeheizten Zeiten klare Ansagen zu machen, lesen Sie in der aktuellen W&V-Ausgabe 41/2018.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.