Warum schweigen die Banken?

Kommunikationsstrategie: Das Ansehen der Banken befindet sich im freien Fall. Dennoch hört man von den großen Geldinstituten wenig bis gar nichts. Warum eigentlich? W&V Online hat bei den Banken nachgefragt.

Text: Markus Weber

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"Borniert, blind, Banker" schrieb die Süddeutsche Zeitung am Wochenende über das aktuelle Verhalten der Finanzmanager. Und legte gleich an diesem Montag nach: "Jetzt gilt es, die Demokratie gegen die Gier der Märkte zu verteidigen. Eine Welt, die die Taliban bekämpfen kann, muss sich vor den Brokern nicht fürchten."

Die zigtausenden Demonstranten, die in den Metropolen des Westens gegen die Macht der Banken protestierten, werden nicht nur von der Tages- und Wirtschaftspresse, sondern auch von Politikern und durch Interviewäußerungen etlicher Industrievertreter buchstäblich angefeuert. Im Exklusiv-Interview mit W&V Online meinte der Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart : "Viele Unternehmen reagieren nur noch verständnislos darauf, wie die Finanzindustrie sich gerade verhält." Politiker jedweder Couleur fordern mittlerweile sogar die Zerschlagung der Geldhäuser.

Das Image der Bankenwelt ist nicht nur im Sinkflug, nein - es ist im freien Fall. Und was hört man von den Banken dazu? - So gut wie nichts. Zwar kommt vom Bundesverband Deutscher Banken hie und da auch ein wenig Selbstkritik ("Unbeliebt sind wir, weil wir Fehler gemacht haben"), aber meist wird dann doch der Politik die Hauptverantwortung für die gegenwärtige Eurokrise zugeschoben.

Wie wappnen sich die deutschen Geldhäuser gegen den gigantischen Gewittersturm, der sich da über ihnen zusammenbraut? Von Seiten der Commerzbank heißt es auf W&V-Anfrage: "Bislang dreht sich die Diskussion um Forderungen und Spekulationen, aber nicht um konkrete Vorgaben. Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht." Bei der Deutschen Bank verspricht man immerhin: "Die Deutsche Bank beteiligt sich aktiv am gesellschaftspolitischen Diskurs zu diesen Themen." Die Unicredit Group dagegen ließ unsere Frage nach ihrer Kommunikationsstrategie bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Dass man als Bank in dieser Situation durchaus auch mutiger kommunizieren kann, zeigt das Beispiel von Citigroup-CEO Vikram Pandit in den USA. Der ließ im Interview mit Fortune wissen: "Ich verstehe die Gefühle der 'Occupy Wall Street'-Demonstranten sehr gut. Das Vertrauen der US-Bürger in die Finanzinstitutionen ist zerstört worden und es ist jetzt die Aufgabe der Wall Street, dieses Vertrauen wiederherzustellen." Und weiter: "Wir müssen sicherstellen, dass wir mit unseren Kunden transparent und fair umgehen." Ebenso müsse sichergestellt werden, dass "wir stets im Interesse der Kunden und des Systems handeln und nicht nur Geld hin und her schieben, sondern wirtschaftliche Werte schaffen und das Wachstum fördern."


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.



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