Mit mir 90 Prozent :
Warum unsere Schüler Demokratie wichtig finden

Auch die Kleinsten bewegt Demokratie. Die Werberinitiative "Mit mir 90 Prozent" hat eine Schulkasse besucht und im Film die Klassensprecherwahl begleitet. Alles Rebellen, aber wenn es um was geht: Kämpfen sie mit einer Stimme.

Text: Conrad Breyer

Alle haben gerne mitdiskutiert: Die Schulklasse 9d vom Hamburger Gymnasium Klosterschule
Alle haben gerne mitdiskutiert: Die Schulklasse 9d vom Hamburger Gymnasium Klosterschule

Wenn das die Zukunft ist, wird sie gut. Was die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9d vom Hamburger Gymnasium Klosterschule über unsere Demokratie denken, hätten die Macher der Initiative "Mit mir 90 Prozent" so wohl nicht erwartet. Jedenfalls nicht so deutlich, so klar und überzeugend. Vor wenigen Tagen haben sie die Klassensprecherwahl der 9d filmisch begleitet. Das Ergebnis macht was her.

"Mit mir 90 Prozent", Anfang des Jahres von Benedikt Holtappels, Johannes Erler und Michael Trautmann ins Leben gerufen, alles Werber aus Hamburg, will die Deutschen in Scharen an die Wahlurnen treiben, möglichst viele eben. Die Initiative ist eine Erfolgsstory. Inzwischen machen neben vielen Medien und Agenturen auch Künstler mit und Prominente wie Linda Zervakis. In seltener Eintracht halten vor allem Deutschlands Werber zusammen, wenn es um die Zukunft des Landes geht. Sie alle rufen unter dem Hashtag #machdeinkreuz zur Wahl auf, zum Beispiel Mirko Kaminski, Chef der Agentur Achtung

Demokratie beginnt bei der Wahl zum/r Klassensprecher/in

Warum aber nun ausgerechnet eine Schulklasse? "Wir haben uns gefragt, wann man das erste Mal mit Demokratie in Berührung kommt", sagt Christian Gummig von Gummig Kommunikation, der die Idee zur Aktion hatte. "Und da war mir schnell klar: Bei der Klassensprecherwahl." Gummig war das selbst mal auf dem Gymnasium, auch sein Sohn. Die Idee lag nahe.

Hier der Film:

Allerdings wurde da früher oft nur per Handzeichen durchgewunken, wer sich nicht groß gegen den Posten wehrte. So richtig beliebt war das Amt nicht. Anders heute in Hamburg auf der Klosterschule, die Schülerinnen und Schüler aller Couleur besuchen. Sie pflegt eine künstlerische Ausrichtung; Stern-Herausgeber Andreas Petzold hat sie vermittelt. Die 9d hat die Wahl richtig ernst genommen und das schon bevor das Kamerateam um die Filmregisseurin Viviane Blumenschein (Produktion: Virus) aufkreuzte. Von 28 Schülern haben sich zehn freiwillig aufgestellt, und dann haben sie - die Initiative "Mit mir 90 Prozent" hat das Material gestellt - in geheimer, freier und direkter Wahl ihr Kreuzchen gemacht.

Bitte, kein Vollhorst!

Denn: "Es betrifft ja wirklich Dein Leben und wenn Du das nicht ausnutzt, dann macht es jemand anderes für Dich", sagte ein Schüler. Eine andere Schülerin meint: "Wenn jetzt zum Beispiel ein großer Vollhorst Klassensprecher wird, dann würde ich zum Beispiel im Nachhinein denken: Ich hätte wählen können, ich hätte was machen können." Andernfalls aber: Pech gehabt!

Die Schülerinnen und Schüler haben ganz dezidiert über ihre Sprecherwahl sinniert, das Interviewteam hat sehr genau darauf geachtet, dass es nicht um die Bundestagwahl am 24. September und auch nicht konkret um Parteien ging. Und trotzdem: "Was die gesagt haben, kann man eins zu eins auf die Bundestagswahlen übertragen", so Gummig. Und das macht ihn stolz. "Das sind Teenager, echte Rabauken, aber bei den Dreharbeiten waren sie alle ganz ruhig und haben uns ihre Meinung gesagt, recht feierlich." Die Kids hätten sich eben ernst genommen gefühlt.

Die Wahl gewonnen hat am Ende eine Shanja. Sie hat das schonmal gemacht, wohl ganz gut, wie ihre Mitschülerinnen und -schüler finden. Und sie übernimmt gerne Verantwortung für andere. Die fühlen sich von ihr vertreten. Das ist gelebte Demokratie!


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.