Die Zielgruppe dieser Produkte seien in der Regel Flexitarier - also Menschen, die nicht ganz, sondern nur ab und zu auf Fleisch verzichteten, sagt ProVeg-Expertin Unger. Die könnten bei der Grillparty mit Freunden dann einfach ihre Veggie-Wurst auspacken. "Man fällt nicht so aus der Reihe." Dadurch gewinne der Fleischverzicht an Normalität und Akzeptanz. "Die Hersteller müssen etliches dafür tun, damit es schmeckt, riecht und aussieht wie Wurst, Frikadelle oder Schnitzel", sagt allerdings die Ernährungsexpertin Gertraud Huisinga von der Bremer Verbraucherzentrale. "Wir haben festgestellt, dass die meisten Produkte sehr salzig sind, und sie enthalten sehr viele ungesättigte Fettsäuren."

Doch viele Leute verbinden mit vegan automatisch gesünder. Deshalb greifen sie mit gutem Gewissen zu veganen Chips und Wein - und fühlen sich besser als mit dem Standard-Produkt. "Es ist eine einfache Art der Werbung", meint der Berliner Greenmarketing-Experte Marcus Bartelt. "Man klebt ein Siegel drauf und hebt sein Produkt dadurch aus der Masse hervor." Ähnlich sieht es der Markensoziologe Errichiello: "Das ist ein Mittel, einem total austauschbaren Produkt ein Image von Gesundheit und heiler Welt zu geben." Also alles nur ein reiner Werbegag?

Nein, sagt Verbraucherschützerin Huisinga. Die spezielle Kennzeichnung habe durchaus ihre Berechtigung. In Chips kommen zum Beispiel Emulgatoren zum Einsatz, die tierischen Ursprungs sind. Apfelsaft und Wein werden mit Tierproteinen geklärt. "Das muss nicht deklariert werden, weil es nur noch in Spuren enthalten ist", sagt Huisinga. Für Veganer ist das ein No-Go. Ein Siegel auf der Verpackung wie das V-Label der europäischen Vegetarierunion - ein grünes V in einem gelben Kreis - kann ihnen beim Einkauf helfen.

W&V Redaktion/dpa


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