Man ist sich für kein konstruiertes Argument zu schade. Tatsachen werden so verdreht, dass sie zur Panikmache passen. Zum tradierten Aktionskatalog der Agitatorengruppe gehören auch immer wieder Forderungen nach Einschränkungen oder Verboten von Werbung. Thilo Bode, Gründer und Geschäftsführer von Foodwatch, hat für sein Geschäft mit der Angst erkannt, dass bei komplexen und sehr differenziert zu betrachtenden Themen die platten Behauptungen, auch wenn sie nicht der Realität entsprechen, die erfolgreichsten sind. Allein die lautstarke Kampagne bringt Aufmerksamkeit in den Medien und das Geld.

Passend zur Europameisterschaft nutzt die Aktivistengruppe den DFB als Hebel, um Unternehmen wie Coca-Cola, Ferrero und McDonald´s zu diskriminieren. Mit ihren Produkten sollen sie Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes Typ II fördern. Diese Behauptung wird kein seriöser Wissenschaftler mangels entsprechender evidenzbasierter Studien bestätigen. Aber das soll die Aktion der Verbraucher-Verunsicherer nicht stören.

Es ist eine schlichte Lüge, wenn Foodwatch behauptet, Zucker sei verantwortlich für eine "Adipositas-Epidemie" bis hin zu Diabetes mellitus. Bei sachlicher Betrachtung entpuppt sich der Angriff auf den DFB als Angriff auf den für die Gesundheit relevanten Breitensport.

Es ist eine Frechheit der Bode-Truppe, beim DFB im Hinblick auf die Gesundheit der Menschen Verantwortung anmahnen zu wollen. Dieser große Sportverband übernimmt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Er fördert das Fußballspiel. Rund 165.000 Mannschaften in 25.000 Vereinen engagieren sich für eine bewegungsaktive Freizeit. Diese Organisation und die durch die EM aktuell besonders große Attraktivität des Sports für gerade Kinder und Jugendliche unterstützen die Unternehmen mit ihrer Werbung. Verantwortungsvolle Eltern sollten ihren Kindern eine Schokolade mit dem Konterfei eines Nationalspielers geben, wenn sie ihnen dafür versprechen, eine Stunde Fußball zu spielen statt vor dem Computerspiel zu sitzen. Dann wäre viel erreicht.

Es ist ein Hohn, wenn Foodwatch für seine aktuellen Ausfälle gesellschaftliche Verantwortung reklamiert. Man könnte auch sagen: Der DFB tut für die Gesundheit der Menschen an einem Tag mehr als Foodwatch seit der Gründung dieser angeblichen Verbraucher-Organisation.

*Über den Autor: Detlef Brendel ist studierter Kommunikationsforscher. Er arbeitet heute als Wirtschaftspublizist und leitet eine Presseagentur. In seinem Buch "Die Zucker-Lüge" beschäftigt er sich kritisch mit Ernährungsaufklärung und prangert eine Bevormundung der Verbraucher an. 



Autor: W&V Leserautor

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