OMR17 :
Was von den OMR in Erinnerung bleibt

Auch im Rückblick fällt das Urteil über die Online Marketing Rockstars gespalten aus. Eine super Veranstaltung zum Networken und Feiern, mehr aber auch nicht, meint Christa Catharina Müller.

Auftritt Oli P. bei den Online Marketing Rockstars
Auftritt Oli P. bei den Online Marketing Rockstars

Heute Morgen auf dem Weg zum Münchner Hauptbahnhof holen mich die Online Marketing Rockstars noch mal ein. Vor mir läuft eine Frau. Sie trägt einen schwarzen, mit OMR-Logo gebrandeten Turnbeutel auf dem Rücken, das Giveaway von Audi. Auch im Nachklapp an die Veranstaltung will man zeigen, dass man dazugehört. Das ist das gute an den OMR und ihr Problem.

Wer mich fragt, wie ich die Rockstars fand, dem muss ich antworten: Ich bin gespalten.

Gelebte Nostalgie: Flugzeuge im Bauch

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Sternfalafel (sehr empfehlenswert), bin ich auf der Veranstaltung gleich in mehrere alte Bekannte gelaufen. Ein guter Auftakt. Und auch die Party am Donnerstagabend, mein erster Programmpunkt, war durchaus amüsant. Oliver Petszokat, früher mal Soap-Darsteller in der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und später als Oli P. erfolgreich in den Charts ("Flugzeuge im Bauch"), hat aufgelegt. Und er hat seinen einzigen echten Hit live performt, für viele das Highlight des Abends. Ganz egal, ob man seine Musik damals mochte oder nicht.

Um es kurz zu machen: Der Auftritt war nostalgisch-peinlich-gut. Oli P. hat sich bewegt wie ein DJ, im Grunde aber nur die Play-Taste gedrückt. Beruflich erfolgreiche, erwachsene Männer und Frauen in ihren 30ern dabei zu beobachten, wie sie bei "Coco Jambo" oder "If you wanna be my lover" mitgrölen, hat etwas sehr Amüsantes. Und in dieser Menge kann man sich auch mal fallen lassen.

Super zum Networken und Feiern

Die OMR sind super zum Networken und Feiern. Das kann ich unterschreiben. Ein Überraschungsauftritt am Freitagnachmittag von den Fantastischen Vier und die After-Show-Party mit den Absoluten Beginnern sprechen Bände. Wer früher weg musste, konnte sich vor Groupies auf dem Weg zur U-Bahn-Station Sternschanze vor Angeboten für sein elektronisches Bändchen kaum retten.

Der eigentliche Anlass der OMR, die Konferenz am Freitag, ging dabei fast unter. Ja, sie war zuweilen sehr unterhaltsam. Viel Applaus gab es, als Andrew "Boz" Bosworth, ehemaliger Dozent von Mark Zuckerberg und jetzt Vice President Advertising bei Facebook, "Fire" schrie oder Gary Vaynerchuk fluchte ("Start fuckin' executing"). Überhaupt haben die Amerikaner auf der Bühne viel geflucht. Das Publikum hat sie dafür gefeiert.

Aber: Inhaltlich haben die OMR wenig Neues geboten. Dass man beispielsweise innovativ sein muss, wenn man nicht verschwinden will? Gekauft. Dass man seiner Leidenschaft folgen soll, damit man vollen Einsatz zu bringen bereit ist? Klar. Am spannendsten war der Vortrag von Cambridge Analytica-CEO Alexander Nix, der mit Big-Data-Analysen die Trump-Kampagne zum Erfolg gemacht hat. Zu keinem Zeitpunkt war die Halle besser gefüllt. Doch auch die Reaktion der Experten auf der Bühne auf seinen durchaus brillianten Vortrag sagt viel über den Spirit bei den OMR aus: "Are you happy that an idiot is now president of the United States?" Sachlich diskutieren wollte an diesem Freitag niemand.

Mein Fazit: Die OMR sind wie gemacht für diese selbstverliebte Branche, gerade weil man sich dort perfekt inszenieren kann. Was will man mehr?


Autor:

Christa Catharina Müller
Christa Catharina Müller

ist seit Februar 2014 Redakteurin im Ressort Marketing, wo sie über Mode und digitales Marketing schreibt. Bevor sie zu W&V kam, hat sie ein Onlinevolontariat bei Condé Nast absolviert und war anschließend drei Jahre als freie Autorin tätig, unter anderem als Bloggerin für Yahoo.



2 Kommentare

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Anonymous User 6. März 2017

An den Masterclasses habe ich nicht teilgenommen, daher kann ich dazu keine fundierte Meinung abgeben. Was ich von Teilnehmern in Gesprächen erfahren habe, klang aber gut.

Anonymous User 6. März 2017

Ich würde sagen, nicht WENIGER als hervorragend networken und darüber tolle Impulse bekommen.
Im Übrigen waren die Masterclasses klasse und haben gerade Neulingen starken Input gegeben. Dies über 2 Tage für gerade mal 30 €. Plus Fanta4 und die Beginners. Top Preis-/Leistungsverhältnis.

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