Calmund: Natürlich nicht! Vorab: Wir sagen ein Vielfaches mehr an Anfragen ab als zu! Das heißt, wir sind in der Lage unsere Partner sehr gezielt auszuwählen. Alle Engagements haben eins gemeinsam, und zwar dass ich mich mit dem Produkt und dem Unternehmen voll identifiziere. Ich war schon immer Vieltelefonierer, ich bin als Schleckermäulchen und Genießer bekannt und, seitdem ich 30 Kilo abgenommen habe, macht es auch wieder Spaß, sich etwas modischer zu kleiden, auch in XXL-Elefanten-Größen.

W&V: Bei Prominenten, die für viele Produkte werben, besteht die Gefahr, dass sich der Konsument am Ende an den Star, aber nicht an die Marke erinnern kann. Auch bei Ihnen?

Calmund: Es sind ja nun wirklich nicht so „viele“ Produkte, dass man als Zuschauer durcheinander kommen könnte. Müller Milch und Katjes setzen schon länger auf Testimonials, behielten aber ihre einprägsamen Slogans bei. Jeder kennt „Alles Müller, oder was?“ und natürlich auch „Katjes, -jes, -jes, -jes!“ Dies gepaart mit meinem oft imitierten rheinischen Dialekt wie bei „Natürlisch leischt dank Buttermilsch – rischtisch!“ oder „Garantiert ohne Fett...Dat is aber schade!“ und einer einprägsamen Story mit dem gewissen Schuss an Selbstironie, macht die beiden Spots zum Erfolg. Dass die Leute mir auf der Straße meine Sprüche aus der Werbung entgegen rufen, zeigt ja, dass sie sich sehr wohl erinnern. An mich, vor allen Dingen aber an die Marke!

W&V: Ihre Unternehmenspartner beschreiben Sie vor allem als authentisch und humorvoll. Wie sehen Sie sich selbst? Wofür steht die Marke Calli?

Calmund: Mein Lebensmotto heißt „Mit Kompetenz und Leidenschaft zum Erfolg“. Ohne entsprechende Fachkompetenz, Bildung, Ausbildung, Berufserfahrung und Know how geht es nicht. Aber ohne Leidenschaft, also volle Identifikation mit dem Projekt, dem Produkt, dem Unternehmen und unbändigen Leistungswillen, bringt dir die ganze Kompetenz nichts. Wenn ich mich für etwas entscheide, wenn ich ein Ziel verfolge, dann setze ich mich mit Power und meinem ganzen Gewicht dafür ein, sei es im Business oder im sozialen Bereich. Wenn das Ding im Kasten und das Produkt auf dem Markt ist, hört es für mich nicht auf. Ich rufe da jede Woche an und frage, wie es läuft. Ich bin nur mit den Kommunikationszielen zufrieden, wenn auch die Vertriebsziele stimmen.

Meine Einstellung heißt auch „Nicht quatschen – machen!“. Dabei bin ich immer ich selbst, also authentisch und mit der sehr ausgeprägten Fähigkeit, mich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen. Ich bereite mich auf die Kocharena genauso intensiv vor, wie auf einen Auftritt als Interviewgast in einer Fußballsendung oder einer historischen Dokumentation zum Mauerfall, und wenn ich dann mal loslege, bin ich meist nicht mehr zu stoppen. An der Felswand im Katjes-Spot hing ich stundenlang, obwohl ich trotz der Sicherungsseile die Hosen gestrichen voll hatte und mir die Sonne die Glatze und die Bindehaut meiner Augen verbrannte.

W&V: Sie sind Stammgast in vielen TV-Sendungen und jetzt auch in vielen Werbeblöcken. Keine Angst, dass die Zuschauer Sie irgendwann satt haben?

Calmund: Die positive Resonanz zeigt mir, dass mich die Zuschauer nicht satt haben. Wie gesagt, die Nachfrage von Sendern und Produktionen ist weit höher als die von mir tatsächlich wahrgenommenen Auftritte in TV-Shows. Es kommt aber auf das Auge des Betrachters an und oft habe ich das Gefühl, dass sich die Leute aufgrund meines hohen Wiedererkennungswertes besser an einen Auftritt von mir erinnern. Da ich aufgrund meiner vielseitigen Interessen verschiedene Bereiche abdecke, erreiche ich pro Sendung auch meist eine unterschiedliche Zielgruppe. Beim Thema Fußball vorwiegend Männer, beim Kochen eher die Frauen, Abnehmen und Sport treiben interessiert die Übergewichtigen oder die, die es glauben zu sein, aber auch sportliche Männer und Frauen. Nicht jeder aber sieht alle Sendungen, ich achte darauf, dass es insgesamt wohl dosiert ist.

W&V: Sie hatten eine Second-Life-Präsenz, sie machen IPTV, Sie twittern und sind bei Facebook. Wie wichtig sind für Sie die neuen Medien?

Calmund: Die neuen Medien sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Man muss natürlich nicht jeden Hype mitmachen, aber ich probiere gerne etwas aus, bevor ich mir eine Meinung bilde. Second Life war für mich der Einstieg in die Welt des Web 2.0, dort wurde ich zuerst von der riesigen Internet-Gemeinschaft wahrgenommen. Mit der Gründung von Calli.tv, meinem wöchentlichen Fußball-Videoblog, bei dem es aber auch andere, meist spontane, Beiträge aus aller Welt zu sehen gibt, wurde die Marke Calmund im Web fest etabliert. Darauf folgte ironcalli.de, die Website zu meinem Abnehmprojekt mit Joey Kelly, die regelmäßig mit Trainingskalender und Ernährungsplänen, Videos und Blogeinträgen bestückt wurde, um die Fans und Mitleidenden immer auf dem aktuellsten Stand zu halten. Mithilfe von Twitter gelang es uns, Neuigkeiten noch schneller zu kommunizieren und, was noch wichtiger ist, sofort Feedback von den Usern zu erhalten. Inzwischen nutzen wir Facebook, Myspace, Twitter und Youtube als umfassenden Kommunikationskanal. Auftrittsankündigungen, Kolumnenbeiträge, neue Video-Clips, aber auch mal ein witziges Foto von unterwegs werden dort mit einem Klick an sämtliche Follower, Friends und Fans gesendet und diskutiert. Auch die Medien lesen mit.

Solange mir das Spaß macht, bleibe ich dabei, auch wenn, oder gerade weil ich mit 61 schon als „alter Sack“ gelte. Die Entwicklung geht ja in die Richtung, in der Telefon, Internet und Fernsehen zusammen wachsen.

W&V: Welche neuen Projekte stehen in diesem Jahr für Sie noch an?

Calmund: In den nächsten Wochen läuft Callis kleines Fußballmärchen beim ZDF, im Rahmen der WM bin ich als Fußball-Experte für RTL im Einsatz, ansonsten alles, was ich die letzten Monate auch gemacht habe: Kocharena, Vorträge, Beratung, Express-Kolumne, Calli.tv. Und ein klein wenig Privatleben gehört auch dazu...

Mehr über die Werbeengagements von Reiner Calmund lesen Sie in der aktuellen Werben & Verkaufen (EVT: 1. April 2010)


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