Ferrero-Aktion zur Fußball-WM :
Werberat lässt Beschwerde gegen Nutella abblitzen

Auch wenn man 35 Gläser Nutella naschen muss, um einen Fußball zu bekommen - der Werberat will Ferrero wegen der WM-Werbung keine Rüge erteilen.

Text: Anja Janotta

Die Werbung richtete sich offenbar nicht allein an Kinder.
Die Werbung richtete sich offenbar nicht allein an Kinder.

Renate Künast und Harald Ebner von den Grünen sind mit ihrer Beschwerde gegen Nutella vor dem Deutschen Werberat gescheitert. Die beiden Politiker hatten gegen die WM-Werbung der Süßwarenmarke protestiert.

"Rote Karte für Nutella von Ferrero", forderte die Bundestagsabgeordnete Renate Künast auf Twitter. Ihr hatte die Sammelaktion von Ferrero missfallen, mit der man beim Kauf mehrerer Nutella-Produkte Prämien ergattern konnte. Wieder einmal sei die Fußball-WM von der Lebensmittelindustrie genutzt worden, um Süßigkeiten an Kinder zu vermarkten, kritisierten die Politker und reichten Beschwerde ein.

In dem Brief ans Selbstkontrollgremium der Werbeindustrie, über den diverse Nachrichtenagenturen berichteten, begründeten die Abgeordneten, warum die Werbung des Süßigkeitenherstellers Ferrero ihrer Meinung nach gegen den Kodex für Werbung von Lebensmitteln und vor Kindern verstößt. Bei einer Sammelpunkte-Aktion sei für einen Fußball der Kauf von 35 Gläsern Nutella nötig gewesen. Das entspreche "15,75 Kilogramm Nuss-Nougat-Creme, neun Kilogramm Zucker, fünf Kilogramm Fett, 85.000 Kilokalorien und 97,65 Euro".

Die Nähe der Nationalspieler zu Nutella, das wegen des hohen Zuckergehalts kritisiert wird, war den Beschwerdeführern ebenfalls ein Dorn im Auge. Sie waren nicht die einzigen kritischen Stimmen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte schon im Mai Ferreros Werbung gerügt.

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Der Werberat allerdings wollte nach der Beschwerde nicht aktiv werden. Vor allem, weil man über einen langen Zeitraum Prämien sammeln konnte. "Die lange Laufzeit der Möglichkeit zum Sammeln lässt keinerlei Anzeichen für eine Anregung zu einem übertriebenen Konsum erkennen," heißt es in der Stellungnahme. Die Lebensmittel seien weit über den Aktionszeitraum hinaus haltbar.

"Auch Lebensmittel mit einem verhältnismäßig hohen Zuckeranteil sind mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung vereinbar, wenn die Menge stimmt." Daneben würde die "Lovebrands"-Kampagne keine Szenen zeigen, "die einem aktiven Lebensstil und einer ausgewogenen Ernährung entgegenwirken könnten".

Der Werberat geht außerdem ganz besonders auf das Argument der Zielgruppe Kinder ein: "Es ist ein häufiges Missverständnis, mehr oder weniger selbstverständlich davon auszugehen, dass Werbung, die Kinder wahrnehmen können oder in der Kinder eingesetzt werden, quasi automatisch an Kinder gerichtet ist."

In Übereinstimmung mit dem Goldbären-Urteil es Bundesgerichtshofs beurteile man Werbemaßnahmen, die sich nicht gezielt an Kinder richten, sondern an die Allgemeinheit, nicht anhand des strengen Prüfungsmaßstabs der speziell für die Zielgruppe Kinder geltenden Regeln. Die adressierte Zielgruppe dieser speziellen Nutella-Kampagne sei sei eher erwachsen, weil keine kindertypische Sprache oder Symbole verwendet würden.

Ferrero hatte dem Werberat mit internen Erhebungen dargelegt, dass bei ähnlichen Aktionen eher in Gemeinschaften gesammelt werde. So hätten zur Fußball-Europameisterschaft 2016 über 89 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zumindest zu zweit, 75 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogar mit drei oder mehr Personen an der Sammelaktion von Ferrero teilgenommen.

Beanstandete Aktion Von Nutella.

Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.