Diskriminierung beanstandet

Die meisten Proteste gab es wegen Herabwürdigung oder Diskriminierung von Personen, meist Frauen. Sie machten mit 150 Fällen rund 60 Prozent aus. "Verfestigt hat sich hierbei der Trend des vergangenen Jahres, wonach den Werberat zu diesem Thema besonders viele überzogene Beschwerden erreichen und die Beschwerdeführer nur ihre eigenen Maßstäbe gelten lassen wollen," betont allerdings das Aufsichtsgremium. In 67 Prozent dieser Fälle nämlich sei kein Verstoß gegen die Verhaltsregeln des Werberats vorgelegen. Ein Beispiel sei der Online-Spot eines Möbelhauses zum Thema Deko. Gezeigt wird eine Frau, die auf den bereits zum Essen gedeckten Tisch noch eine Karaffe mit Waser stellt. Der Mann – abgelenkt durch sein Handy – bemerkt nicht, dass die Karaffe als Vase für einen Blumenstrauß gedacht ist und schüttet sich gedankenverloren Wasser daraus in sein Glas. Mit einem nachsichtigen Lächeln stellt die Frau die Blumen in die Karaffe, der Mann guckt verdutzt.

Die Beschwerdeführer kritisierten die Werbung als geschlechterdiskriminierend: Frauen würde zugeschrieben, mit einem vermeintlichen Sinn für das Ästhetische unnütze Produkte in der Wohnung zu drapieren, während Männer ausschließlich deren praktischen Einsatz sehen würden. Der Werberat lehnte die Beschwerden ab: Der Spot spiegele reales Kundenverhalten und beinhalte erkennbar keine Diskriminierung oder Abwertung.

Beschwerden wegen Diskriminierung

Beschwerden wegen Diskriminierung

Verstöße gegen ethische Mindestanforderungen wurden in 24 Fällen, Diskriminierung von Personengruppen in 22 Fällen. In zehn Fällen sorgten sich die Beschwerdeführer um die Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern und Jugendlichen. Die übrigen Inhalte der Werbekritik blieben im einstelligen Bereich.

Beschwerden nach Branchen

Leicht abgenommen hat im ersten Halbjahr der Anteil an Beschwerden über Werbung, die nicht in den Zuständigkeitsbereich des Werberats fällt, so etwa Verstöße gegen rechtliche Bestimmungen (zum Beispiel irreführende Werbung) oder weil sich die Kritik nicht gegen Wirtschaftswerbung richtet. Darunter fallen auch Beschwerden gegen die Werbung von NGOs, Behörden oder auch Parteien. Der Werberat geht allerdings davon aus, dass die Anzahl der Beschwerden wegen des Bundestagswahlkampfes im zweiten Halbjahr noch einmal ansteigt.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.