Großbritannien :
Werbespendings steigen auf Rekord-Niveau

Profitieren konnten davon nicht alle. Bei den klassischen Medien ging es sogar weiter abwärts. Die Gewinner: Google und Facebook.

Text: Franz Scheele

Die Werbespendings sind im vergangenen Jahr in Großbritannien um 4,6 Prozent auf 22,2 Milliarden Pfund (25,2 Mrd. Euro) gestiegen – ein neuer Rekordwert und das achte Wachstumsjahr in Folge. Dies geht aus dem aktuellen "Expenditure Report" der britischen Advertising Association hervor.

Der positive Trend hatte sich im vierten Quartal 2017 mit einem Plus von 6,2 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2016 nochmals verstärkt. Erstmals überhaupt wurde dabei mit 6,1 Milliarden Pfund (6,9 Mrd. Euro) die Marke von 6 Milliarden Pfund in einem einzelnen Quartal übersprungen. Die Prognose für 2018 wurde nun ebenfalls angehoben – um 1,4 Prozentpunkte auf ein zu erwartendes Jahresplus von 4,2 Prozent. Für 2019 wird ein weiteres Wachstum in Höhe von 3,8 Prozent erwartet.

Stark profitiert von den steigenden Spendings hat vor allem der Digitalbereich, der mit einem Plus von 14,3 Prozent gegenüber 2016 auf knapp 11,6 Milliarden Pfund (13,2 Mrd. Euro) zulegte, davon allein 8,4 Milliarden Pfund (9,5 Mrd. Euro) für Suchmaschinenwerbung. Dagegen mussten die klassischen Medien erneut rückläufige Werbeerlöse hinnehmen. Die kommerziellen TV-Sender verzeichneten ein Minus von 3,2 Prozent auf 5,1 Milliarden Pfund (5,8 Mrd. Euro).

Bei den überregionalen Zeitungen lag das Minus bei 5,6 Prozent auf jetzt knapp über 1 Milliarde Pfund (1,14 Mrd. Euro). Zwar stiegen die Werbeerlöse aus dem Digitalbereich um 19,3 Prozent, doch sind die Einnahmen aus diesem Bereich mit 275 Millionen Pfund (312 Mio. Euro) nur ein Bruchteil der Digitalspendings insgesamt. Die Lokal- und Regionalzeitungen mussten sogar ein Minus von 13,1 Prozent auf nur noch 887 Millionen Pfund (1 Mio. Euro) hinnehmen, obwohl ihre Digitalerlöse um 9,9 Prozent auf 212 Millionen Pfund (241 Mio. Euro) anstiegen.

Heftig traf es auch den Zeitschriftenbereich: Hier gingen die Gesamtspendings im Vergleich zu 2016 um 11,5 Prozent auf 776 Millionen Pfund (881 Mio. Euro) zurück, wobei sogar die Digitalerlöse mit einem Minus von 4 Prozent auf 271 Millionen Pfund (308 Mio. Euro) rückläufig waren.

Die eigentlichen Gewinner heißen Google und Facebook. So dürfte der Anteil von Google allein bei der Suchmaschinenwerbung in Großbritannien bei etwa 90 Prozent liegen. Auch Googles Anteil bei der Display-Werbung ist überproportional, vor allem durch die Video-Plattform Youtube und den stark genutzten Online-Marketing-Service Doubleclick. Größter Player bei der Display-Werbung ist allerdings das soziale Netzwerk Facebook, das in Großbritannien vergangenes Jahr geschätzt mehr als 1 Milliarde Pfund an Werbeerlösen eingestrichen hat.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.