"Rassismus in einer neuen Dimension"

Es gibt Menschen, die sich die deutsche Gesellschaft weniger vielfältig wünschen, stattdessen Motive mit nicht näher definierten "Einheimischen" fordern, wie sich in Facebook-Kommentaren nachlesen lässt. Mit Fremdenfeindlichkeit wurde Awounou nach eigenen Aussagen schon oft konfrontiert, doch mit den Ereignissen rund um das Werbeplakat sei "Rassismus in einer neuen Dimension" in sein Leben getreten. Als "Mörder", Vergewaltiger", "Neger" wird er beschimpft, das Motiv als "Kanaken-Werbung" verunglimpft. "In Hunderten von Posts und Kommentaren echauffierten sich Menschen über mich, bezeichnen mich als 'Afro-Moslem-Flüchtling' und Regina als 'muslimische Hure'", schreibt Awounou auf Spiegel Online.  

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Eindrücklich schildert er in seinem Bericht, wie sehr ihn die Hetze trifft - und wie er damit umgeht. Denn Awounou nimmt die Hasskommentare nicht so einfach hin - er wehrt sich. Und in ihm reift der Wunsch, diesen massiven Hass zu verstehen. Awounou begibt sich auf Spurensuche, kontaktiert die Absender, bietet einen Dialog an, lernt, wie schnell sich Ängste und Hass schüren lassen. Ganz vorne mit dabei: Die AfD. Awounou konfrontiert den AfD-Kreisverband Nordwestmecklenburg, der die Hetze aktiv vorantreibt und rassistische Hasskommentare stehen lässt, während andere Meinungen gelöscht werden. Die Reaktion - oder besser Nicht-Reaktion - auf seine Anfragen ist bezeichnend. 

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Shitstorm löst Welle der Solidarität aus 

Was Awounou und seine Freundin bestärkt: Sie erleben nicht nur Hass, sondern erhalten viel Unterstützung und Solidaritätsbekundungen. Viele setzen sich in den sozialen Netzwerken für sie ein, auch die DAK-Krankenkasse zeigt klar Haltung - wählt das Motiv als Teaser für ihren Facebook-Auftritt und stellt sich der Diskussion.  

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"Fast einen Monat lang habe ich versucht, zu verstehen, warum ein Werbeplakat so viel Hass auslöst. Mitnehmen werde ich aus dieser Zeit vor allem Wünsche", lautet das Fazit von Awounou. Natürlich wünscht er sich, dass die Hasskommentar-Schreiber ihre Haltung wieder ändern mögen. Aber Awounou plädiert auch für das Recht auf Meinungsäußerung und appelliert an beide Seiten, Menschen nicht vorschnell zu stigmatisieren und auch unliebsame Standpunkte zuzulassen. Fremdenfeindlichkeit und Hasskommentare aber müssten klar bekämpft werden, Awounou fordert deshalb, "dass AfD-Vertreter solchem Rassismus entschieden entgegentreten, anstatt ihn zu protegieren."

Sein größter Wunsch: "Dass Menschen, die sich an der Hautfarbe einer Person stoßen - ganz gleich vor welchem Hintergrund - nie mehr sein werden als eine Minderheit, der vielfach und laut widersprochen wird. Zumindest was Letzteres betrifft, bin ich angesichts der Welle der Solidarität für Regina und mich überwältigt." 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.