Interview mit Simon Gosling :
Wie das Smart Home für Ruhe und Gemütlichkeit sorgt

Licht an, Pflanzen rein und Chill Out: Zukunftsforscher Simon Gosling hat mit dem Unruly Future Home seine Vision des Smart Home gebaut. 

Text: Irmela Schwab

Simon Gosling spricht am 5. Juli auf der W&V Marketing Convention in München.
Simon Gosling spricht am 5. Juli auf der W&V Marketing Convention in München.

Werbung im Smart Home? Warum nicht? "The Changing Face of Advertising in the Connected Home" heißt der Vortrag von Simon Gosling auf der W&V Marketing Convention am 5. Juli. Irmela Schwab hat vorab mit dem Zukunftsforscher gesprochen. 

Simon, ohne deinem Vortrag vorgreifen zu wollen: Aber welche Rolle spielt Werbung künftig im Smart Home?

Früher war Werbung einseitiges Geschichtenerzählen, das von den Konsumenten passiv aufgenommen wurde. Mit den Tech-Trends wie Smart Home, Voice, AR, Computer Vision und Künstliche Intelligenz wird es zu einer Interaktion auf beiden Seiten. Anstatt eines einzelnen Spots basieren die Geschichten auf Mikro-Momenten über ein neues miteinander verbundenes Ökosystem von Bildschirmen, Maschinen und Geräten in der Ambient Ära des Connected Home.

Wie sieht die Zukunft im Wohnzimmer von morgen eigentlich aus: Was passiert dort, und wie verändert es unseren Alltag?

Bevor ich 2016 angefangen habe das Unruly Future Home zu bauen, habe ich führende Städteplaner, die naturnahe Großstädte planen, Innenarchitekten und Journalisten befragt. Sie teilten mit mir ihre Vision eines Future Homes. Dabei lief es auf eine Mischung aus alten und neuen Möbeln hinaus, weiche Kissen und Teppiche, Pflanzen die von draußen nach drinnen wandern, Holzwände und Badezimmer, die einer Wasserbewegung nachempfunden sind. Kein Krimskrams – sondern nur Dinge mit einer gewissen Bedeutung, die dem Haus eine Seele geben. Der Trend nennt sich Hygge und steht für ein gemütliches, komfortables und zufriedenes Gefühl. Die Dänen, die diesen Stil adaptiert haben, sind nicht umsonst das glücklichste Volk der Welt. Unsere Zufriedenheit geht damit einher, wie wir unser Zuhause ausstatten.

Wenn es um das vernetzte Zuhause geht, wird oft der sprechende Kühlschrank angeführt. Was ist vielleicht sogar noch interessanter?

Für mich ist interessant wie Gerätehersteller und Anbieter von Voice getriebenen Assistentinnen wie von Google oder Amazon beim Smart Home zusammenarbeiten. Fernseher, Lichter, Luftreiniger – das alles wird künftig von der Stimme aus gesteuert. Ganz natürlich und simpel. Solche Smart Home-Funktionen werden sich bald nicht nur auf Technikaffine beschränken, die es sich leisten können oder wollen, sondern sie werden für jedermann erschwinglich sein. Ein Produkt, dass den vernetzten Lebensstil demokratisiert, ist die Fridge Cam von Smarter. Das ist die erste Kühlschrank-Kamera auf Basis von WLAN. Sie passt in jeden Kühlschrank und lässt den Nutzer über die smarte App von unterwegs aus den Inhalt angucken. Außerdem kontrolliert die Kamera Haltbarkeitsdaten, schlägt Rezepte auf Basis der vorhandenen Produkte vor und füllt den Kühlschrank auch selbsttätig wieder auf.

Welche Funktionen benötigt es eigentlich, um die eigenen vier Wände smart nennen zu können?

Mit Produkten rund um das Internet oft Things könnte man heute schon viele Häuser und Wohnungen als smart bezeichnen. Und sie werden immer smarter. Zu den Kernbereichen des Smart Home zählen der vernetzte Fernseher, die Heiz- und Sicherheitssysteme sowie alles rund ums Kochen. Je mehr intelligente Geräte der Bewohner bei sich installiert desto intelligenter wird sein Zuhause. Das ist ein Schritt für Schritt-Prozess und passiert in den meisten Fällen nicht über Nacht. Die meisten fangen mit Alexa Dot an oder einem Google Home Mini. Damit steuern sie zunächst ihre Musik und stellen Fragen. Später verwenden sie die Assistentinnen auch um Licht oder den Teekocher ein- und auszuschalten, oder um Heizung und Herd zu bedienen.

Das klingt nett – aber ist das wirklich ein konkreter Mehrwert?

Zurzeit hat Technologie einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Weil die Menschen immer mehr mit verschiedenen Bildschirmen agieren, und das Stress auslöst, erwarte ich ein großes Bedürfnis von smarten Funktionen im Bereich Gesundheit, Fitness und Schlafhygiene. Wie Studien belegen leiden viele Menschen aufgrund ihrer sitzenden Tätigkeiten vor dem Bildschirm an Schlaflosigkeit. Meine Vision eines perfekten Smart Home ist daher ein Zuhause, das uns die Technik vom Leib hält und uns dafür mehr Zeit mit unseren Freunden und Familie schenkt sowie für Dinge, die wir am liebsten tun. Wenn wir dann mehr Zeit draußen verbringen, schlafen wir auch besser.

#MyMarketingRobot – Artificial Intelligence vs. Human Emotion ist das Thema der diesjährigen W&V Marketing Convention. Hier finden Sie weitere Infos und Buchungsmöglichkeiten.
 

Autor:

Irmela Schwab
Irmela Schwab

ist Autorin bei W&V und LEAD digital. Die studierte Germanistin interessiert sich besonders dafür, wie digitale Technologien Marketing und Medien verändern. Dazu reist sie regelmäßig in die USA und ist auf Events wie South by Southwest oder der CES anzutreffen. Zur Entspannung macht sie Yoga und geht an der Isar und in den Bergen spazieren.