Neue Kampagne :
Wie die Quirin Privatbank mit Ulrich Tukur eine Branche wachrüttelt

Ulrich Tukur kennen alle aus dem "Tatort". Jetzt wirbt er zum ersten Mal, noch dazu für eine Bank. Die Quirin hat ihn als Testimonial verpflichtet. Die neue Kampagne soll die Leute zum Nachdenken bringen

Text: Conrad Breyer

Beißt er an? Ulrich Tukur unter Wasser
Beißt er an? Ulrich Tukur unter Wasser

Die Bankbranche hat seit der großen Finanzkrise 2008/2009 keinen besonders guten Ruf mehr. "Weil die Finanzinstitute konsequent gegen die Interessen ihrer Kunden gehandelt haben", sagt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank AG. Die Quirin biete unabhängige Beratung. Ja, man müsse dafür bezahlen, dafür kassiert die Bank keine Provisionen für ihre Empfehlungen. Und am Ende springe mehr für den Kunden heraus.

Es ist dieses Modell, dass in Deutschland wenig bekannt ist. Und dass Ulrich Tukur bewogen hat, einmal in seinem Leben Werbung zu machen. Die Kampagne, die dieser Tage im Fernsehen und in den Netzen anläuft, verstehen Schmidt und sein Interim Marketing Director Matthias Meusel als Kampfansage gegen eine ganze Branche, Gattungsmarketing für die unabhängige Bankberatung. Und das hat Ulrich Tukur überzeugt. Er frage sich nämlich schon lange, was seine Bank so mit seinem Geld anstelle, lässt er wissen.

Polarisieren, um aufzurütteln

Drei Spots haben Regisseur Martin Schmid, die Produktion Jo! Schmid und die Quirin Privatbank inhouse entwickelt, die Ulrich Tukur in verschiedenen Settings inszenieren, im Auto, unter Wasser, im Restaurant. Sie lassen ihn einen inneren Dialog mit seinem Alter Ego führen und beleben so den alten Streit zwischen Gut und Böse, ganz faustisch, dem sich Tukur mit seinen Fragen aussetzt.

Die Szenen und Bilder sind schauspielerisch herausragend umgesetzt, manches überhöht, grotesk, sie verstören und irritieren. Die Quirin Privatbank will ganz dezidiert polarisieren und spielt deshalb auch auf das politische Zeitgeschehen an. Hier sind die Filme:

"Die Leute sollen anfangen, konventionelle Banken und Finanzberater kritisch zu hinterfragen, die ihren Kunden vor allem Anlageprodukte verkaufen, an denen sie selbst verdienen", sagt Meusel. So gesehen gehe es darum, ein neues Bewusstsein bei den Menschen zu schaffen. Die Marke Quirin tritt deshalb in den Hintergrund, sucht den Dialog.

Die Verantwortlichen haben die Filme der Kampagne fast ohne fremde Agenturhilfe umgesetzt. Als Meusel im Sommer von Grey Berlin zu Quirin kam, war das Engagement von Tukur vertraglich schon fix. Der Marketer hat dann die Kampagnenstrategie auf- und die Spots umgesetzt.

Bei Social Media und Digital half Brandpunkt, Berlin. Die Media verantwortet Catchyou. Catchyou schaltet die Spots übrigens u.a. programmatisch anhand festgelegter Personas, trotzdem kommt auch das Fernsehen zum Einsatz. "Denn wir wollen ja eine breite Debatte anregen", so Meusel. Neue Spots gehen dann im Herbst on air.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.