Sexismus und Werbung :
Wie eine Biermarke versucht, ihr Sex-Image loszuwerden

2013 schaffte es die beliebte Biermarke Skol auf die Buzzfeed-Liste "13 of the Most Sexist Beer Ads of All Time" - jetzt versucht die Brauerei ihr beschädigtes Image wieder aufzupolieren. 

Text: Julius Zimmer

- 4 Kommentare

Skol hat sechs Künstlerinnen beauftragt, alte Reklame-Poster umzugestalten und von ihrer sexistischen Botschaft zu befreien.
Skol hat sechs Künstlerinnen beauftragt, alte Reklame-Poster umzugestalten und von ihrer sexistischen Botschaft zu befreien.

Das Image ist das Herzstück einer jeden Marke. Kommt es zu einer negativen Konnotation durch die öffentliche Wahrnehmung, kann das einen erheblichen Schaden verursachen.

Das kann ein Betrugsskandal wie im Fall Volkswagen sein, Ungeziefer und Mäusekot-Funde bei Müller oder Berichte über unrechtmäßige Mitarbeiterüberwachung bei Lebensmittelkonzernen wie Lidl und Co.

Oft reicht auch schon eine fragwürdige Werbekampagne aus, um den Ruf einer Marke zu prägen. So auch bei der Brauerei Skol, die seit ihrer Gründung 1964 immer wieder mit sexistischen Werbespots für Aufmerksamkeit gesorgt haben.

2013 schaffte es die beliebte brasilianische Biermarke auf die Buzzfeed-Liste "13 of the Most Sexist Beer Ads of All Time" - und das gleich mit zwei Beispielen. 

Man muss nicht unbedingt portugiesisch sprechen, um die Botschaft hier zu verstehen: "Wenn der Erfinder Skol getrunken hätte, dann sähe es nicht so aus. Es sähe so aus."

Ja, das ist nicht gerade ohne. Kein Wunder, dass sich 65 Prozent der brasilianischen Frauen in Werbungen schlecht repräsentiert fühlen. Umso besser, dass Skol aktuell versucht, mit alten Vorurteilen aufzuräumen.

Dabei helfen soll die Aktion "Reposter". Das Unternehmen hat sechs Künstlerinnen beauftragt, alte Reklame-Poster umzugestalten und von ihrer sexistischen Botschaft zu befreien.

"Diese Bilder sind ein Teil unserer Vergangenheit… Aber die Welt hat sich verändert und das Gleiche gilt für Skol", erklärte das Unternehmen. Wie das aussehen kann, zeigt ein 90 sekündiges Youtube-Video.

Die Aktion wurde in den sozialen Medien überaus positiv aufgenommen und ist ein erfrischendes Beispiel dafür, wie man Stereotypen in der Werbung bewusst dekonstruieren kann. Es scheint, als sei das Unternehmen sich seiner Signalwirkung bewusst geworden.

Eine Twitter-Nutzerin schreibt:

Ob allerdings tatsächlich ein Umdenken in der Werbeabteilung von Skol stattgefunden hat, oder man nur eine aufmerksamkeitsfördernde Möglichkeit gesucht hat, um sein Image aufzubessern, ist nicht klar. Eine Werbekampagne allein reicht dafür nicht aus.

Die Zukunft wird zeigen, wie ernst es Skol mit dem Thema Emanzipation meint. An der Aktion "Reposter" könnten sich dennoch einige Werbe-Kollegen ein Beispiel nehmen. 


4 Kommentare

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Anonymous User 22. März 2017

Es ist meiner Meinung nach diskriminierend, dass nur Frauen eingeladen waren, an 'Reposter' teilzunehmen.
Aber stimmt, es sind ja ... ausnahmslos ... alle Männer Schweine und natürlich waren zweifelsfrei auch ganz ausschliesslich Männer die Urheber der ursprünglichen Plakate ...

Anonymous User 21. März 2017

Texxter: Da hast du definitiv recht mit. Ich war noch gar nicht beim Inhalt, so wirklich, weil mir das unlogische Geschreibsel drumrum so auf die Nerven ging. Als würden wir jetzt "Emanzipation" wollen als Message bei Bier. Als Frau möchte ich behaupten: The Beer IS the Message. Den Rest macht Kärcher.

Anonymous User 21. März 2017

Die Aktion "Reposter" ist leider Sexismus zweiter Teil. Künstlerinnen werden beauftragt, die Schandtaten der Vergangenheit weg zu retuschieren. Eben das was sexistischen Männerköpfen entsprang.

Ehrlicher wäre es gewesen, Frauen aufzufordern, auch mal ihren sexuellen Phantasien freien Lauf zu geben. Dass dabei so etwas geschmackloses wie ein unter einer Vorhaut raus spitzender Flaschenhals raus kommt, wage ich zu bezweifeln. Denn Frauen ticken nun mal anders.

Skol wird es nie begreifen, dass der Promise "Sex sells" aus dem Produkt heraus kommen muss und blanke Pobacken für den Arsch sind. Aber wahrscheinlich haben sie mit der billigen Masche bisher ja ganz gut verkauft.

Anonymous User 21. März 2017

Zitat:

Die Zukunft wird zeigen, wie ernst es Skol mit dem Thema Emanzipation meint. An der Aktion "Reposter" könnten sich dennoch einige Werbe-Kollegen ein Beispiel nehmen.

... nee, lieber Artikelschreiber: wird sie nicht, weil die Marke natürlich mit dem Thema Emanzipation nichts am Hut hat, haben will, haben muss. Die Zukunft wird zeigen, ob die Reue-Kampagne funktionieren wird. Was sie kann, weil schlicht ehrlich unnd verständlich (da haben wir uns verritten, sorry, Ladies.)

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