"Meine Marke" :
Wie man ein deutsches Marketingbuch in China verkauft

Marketingberater Hermann Wala hat in China über 25.000 Exemplare des Titels "Meine Marke" verkauft. Der Trick: große Namen. 

Text: Leif Pellikan

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In China profitiert das Buch vom Coca-Cola-Schriftzug
In China profitiert das Buch vom Coca-Cola-Schriftzug

Wie verkauft man als Autor in China ein Buch zum Thema Marken? "Mit großen deutschen Namen", sagt Marketingberater Hermann Wala. Mit seinem Co-Autor Roland Jeannet hat er inzwischen über 25.000 Exemplare des Titels "Meine Marke" verkauft. Und es ist die erste Auflage. Zum Vergleich: Mit der 8. Auflage haben die beiden in Deutschland in Summe 26.000 Bücher abgesetzt. Aber China ist groß und Marketinginteressierte sind ganz offensichtlich heiß auf international bekannte und vor allem deutsche Namen.

Unter anderem verraten der ehemalige Adidas-CEO Herbert Hainer, Franz Beckenbauer und ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling ihre Markenstrategien. Hubert Burda liefert ein Vorwort. Daneben geht es auch um internationale Brands wie Amazon, Google und Coca-Cola. Wala selbst berät Unternehmen wie Gore & Associates, Kabel Deutschland und ProSiebenSat1.

Großteil wird über Amazon verkauft

Die These des Buchs sieht die Gewinner der derzeitigen Entwicklung in jenen Unternehmen, "die ein Wir-Gefühl zwischen Mensch, Marke und Medium schaffen, eine besondere emotionale Verbundenheit." Diese Wir-Marken müssten im gesamten Unternehmen gelebt und von der Unternehmensführung glaubwürdig verkörpert werden. Etwas, das offenbar den chinesischen Marketingnerv trifft.

Wala nennt als Grund für den Erfolg in China auch die dortigen Lesungen und Universitätsvorträge seines Co-Autoren Jeannet. Der ehemalige Top-Manager von P&G pflegt seit über 20 Jahren Kontakte in Zukunftsmärkte wie China. Was das dortige Sichuan People Publishing House, Lizenznehmer des deutschen Redline Verlags, allerdings sonst so alles macht, kann Wala nicht sagen. Er weiß nur, dass ein Großteil über Amazon verkauft wird. "Unsere Partner lassen sich nicht wirklich in die Karten sehen und erzählen auch nicht, was sie tun". Das mag zum Teil schlicht an der Sprachbarriere liegen. Selbst die Aussprache des chinesischen Verlags fällt Wala nicht einfach, es klingt wie "Dong Fong Schong". Auch Abrechnungen dauern ewig. Nur das ist für Wala alles nicht entscheidend, ihm mache das Projekt trotz der kulturellen Widrigkeiten große Freude. Und offenbar funktioniert auch die Strategie der chinesischen Partner.

Nachfolgewerk für China bereits geplant 

Grund genug ein Nachfolgewerk zu veröffentlichen. "Schöne meine Welt" ist bereits in Deutschland erhältlich. Wala und Coautor Uwe Lebok heben hervor, wie Wir-Marken auch in der Arbeits- und Markenwelten von Morgen wichtiger denn je sind. Wala beschreibt, wie die erlebte Digitalisierung unsere Arbeits- und Berufswelten "mit neuen Facetten, neuem Denken, aber auch neuen Ansprüchen bereichert". Und das dürfte auch die Chinesen interessieren. Eine Ausgabe für das Reich der Mitte ist bereits in Planung.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



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