Stadtmarketing :
Wie sich New York City gegen Trump positioniert

Wegen Trump hat New York ein Problem: Dem beliebtesten US-Reiseziel der Deutschen drohen die Besucher fernzubleiben. Eine Kampagne soll helfen.

Text: Daniela Strasser

"Welcoming the World" lautet der Slogan der neuen NYC-Kampagne.
"Welcoming the World" lautet der Slogan der neuen NYC-Kampagne.

New York City hat ein Problem. Hochrechnungen zufolge wollen dieses Jahr aufgrund der veränderten politischen Situation im Land deutlich weniger Leute die Stadt besuchen, seien es Touristen oder Geschäftsreisende. Das betrifft vor allem ­Besucher aus Europa. Deutlich mehr als 600.000 Deutsche kamen 2016 nach New York, ein Rekordjahr aus Sicht der Stadt. Deutschland rangiert damit auf dem dritten Platz in Sachen Besucherstrom, hinter Großbritannien und knapp hinter Frankreich. New York City war bislang das beliebteste US-Reiseziel der Bundesbürger.

Fred Dixon würde es gern sehen, wenn das 2017 so weiterginge. Er leitet NYC & Company, die Stadtmarketinginitiative von New York City. Trump allerdings lässt die Attraktivität nicht nur bei den deutschen Reisenden deutlich sinken: Neuesten Hochrechnungen zufolge dürften es dieses Jahr gut 300 000 NYC-Besucher aus Europa weniger sein. In Summe würde das ein Minus von mehr als zwei Prozent bedeuten. Klingt erstmal wenig dramatisch, ist es aber, wenn man bedenkt, dass ein Besucherrückgan für die Stadt Einbußen in Höhe von bis hin zu 600 Mio. US-Dollar bedeuten könnte, Schätzungen von Dixons Einrichtung zufolge.

Fred Dixon vom Stadtmarketing New York.

Fred Dixon vom Stadtmarketing New York.

Deshalb will das Stadtmarketing jetzt eingreifen und wird im Juni parallel zu seinen ohnehin laufenden internationalen Marketingmaßnahmen eine Kampagne in Deutschland starten, die New York City als weltoffene, sichere und besucherfreundliche Stadt ins Gedächtnis rufen soll. Hauptsächlich mit Plakaten und via Social Media. Der Slogan: "Welcoming the World". "Die gesamten USA können Hilfe gebrauchen, sagt Dixon im W&V-Gespräch. Als Partner in Deutschland agiert das Touristikunternehmen FTI, außerdem gibt es ­Gespräche mit der Standortinitiative Be Berlin. Weitere Länder, in denen die Kampagne laufen wird, sind Großbritannien, Spanien – und Mexiko. Mit Mexico City hatte das New Yorker Tourismusbüro bis vor Kurzem eine Partnerschaft unterhalten, die Dixon ebenfalls wieder aufleben lassen will.

New York positioniert sich mit der Kampagne zwar nicht revolutionär, aber doch überraschend offen gegen Trump. Es gibt lediglich eine weitere US-Stadt, die das ähnlich handhabt: San Francisco.

Das Interview mit Fred Dixon und mehr zum NYC-Stadtmarketing und der neuen Kampagne lesen Sie in der aktuellen W&V-Ausgabe (Heft 13/2017).


Autor:

Daniela Strasser, W&V
Daniela Strasser

Redakteurin bei W&V. Interessiert sich für alles, was mit Marken, Agenturen, Kreation und deren Entwicklung zu tun hat. Außerdem schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung. Neuerdings sorgt sie auch für Audioformate: In ihrem W&V-Podcast "Markenmenschen" spricht sie mit Marketingchefs und Media-Verantwortlichen über deren Karrieren.