Studie über Keyword Advertising :
Wie Unternehmen vom Boom um Amazon Adwords profitieren

Amazon wird das neue Google. Der Berater Factor A empfiehlt Werbekunden, möglichst schnell in das Geschäft mit Suchwörtern beim Online-Handelsriesen einzusteigen.

Text: Thomas Nötting

Marc Aufzug, Geschäftsführer der Beratung Factor A.
Marc Aufzug, Geschäftsführer der Beratung Factor A.

Der Online-Händler Amazon schickt sich an, das digitale Werbegeschäft zu verändern. Der US-Konzern ist mit seiner geballten Datenmacht bereits heute der wohl größte Herausforderer des Giganten Google. Doch für viele Werbekunden ist der Marktplatz Amazon noch relativ unbekanntes Terrain. Erst im Sommer 2015 führte der Internet-Händler in Deutschland sein Konkurrenz-Produkt zu Google Adwords ein: das so genanntes "Amazon Marketing Services System" (AMS). Ein Thema, mit dem sich Unternehmen dringend beschäftigen sollten, sagt Marc Aufzug.

Aufzug ist Geschäftsführer von Factor A – einer Beratungsagentur, die sich auf die Werbeangebote des Handelsriesen spezialisiert hat. Seine Empfehlung: Unternehmen sollten schnell handeln, bevor der Boom so richtig losgeht. "Die Amazon Marketing Services sind das, was Viertel wie Kreuzberg und Neukölln vor der Jahrtausendwende für Investoren waren", meint der Amazon-Experte. Wie im Immobilienmarkt komme es darauf an, den richtigen Moment nicht zu verpassen. Aufzug erwartet in den kommenden Monaten "eine signifikante Verschiebung von Marketing-Budgets weg von Google hin zu Amazon". Für ein und dasselbe Key-Wort zahle man derzeit dort noch „deutlich weniger als bei Google“.

"Deutlicher" Preisanstieg erwartet

Factor A hat eine Studie über Amazons neues Adword-System veröffentlicht mit zahlreichen Tipps, wie Unternehmen die Chancen nutzen können. Die wichtigste Ratschlag: jetzt handeln. Denn Ende des Jahres wird Amazon seinen AMS-Marktplatz auch für so genannte Seller öffnen – also Händlern, welche ihre Waren über den Amazon-Marketplace verkaufen. Bislang stand das System lediglich für so genannte Vendoren offen. Das sind Unternehmen und Markenartikler, die ihre Produkte direkt über den Online-Händler verkaufen. Die Öffnung werde das Wettbieten um die begehrtesten Keywords massiv anheizen, erwartet Aufzug. „Im nächsten Jahr wird es deshalb einen deutlichen Preisanstieg geben“. Mit einer klugen Keyword-Strategie könne man Umsätze gezielt ankurbeln. Dies wirke sich auch positiv auf die organischen Suchergebnisse aus - und das wiederum auf die Umsätze. "Eine Art Perpetuum Mobile", so Umzug, für die man jetzt die Grundlagen schaffen könne.

Dass Suchwort-Werbung bei Amazon in den kommenden Monaten stark zunehmen wird, steht für Aufzug fest. Der Online-Händler läuft Google auch als Suchmaschine immer mehr den Rang ab. Laut einer Untersuchung des Marktforschers Bloomreach starten weltweit 55 Prozent aller Online-User ihre Produktsuche bei Amazon und nur noch 28 Prozent bei Suchmaschinen wie Google. Damit wird der Internet-Marktplatz immer mehr zum Einfallstor in den Kaufprozess. Die Amazon-Nutzer sind für Werbetreibende noch interessanter als die bei Google, denn sie starten ihre Suche in der Regel bereits mit einer festen Kaufabsicht.

Chance für kleinere und mittlere Unternehmen

Aufzug sieht Chancen gerade für kleinere und mittlere Unternehmen. Denn im Amazon-Spiel werden die Karten völlig neu gemischt. Wer rechtzeitig und richtig handle, könne sich im Ranking auch vor große und etablierte Konkurrenten setzen. Wie etwa der Ladegeräte-Händler Anker. Wer auf Amazon nach „externer Akku“ sucht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem Angebot des Online-Unternehmens und nicht bei Sony oder Samsung. „Kleine und mittlere Marken, die jetzt ihre Hausaufgaben machen, können einen hohen Grad von Sichtbarkeit erreichen“, sagt Aufzug.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.