Flüchtlingsinitiative der deutschen Wirtschaft :
"Wir zusammen": So engagieren sich Agenturen und Unternehmen für Integration

36 namhafte deutsche Unternehmen haben sich zu einer bemerkenswerten Initiative zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie die Integration von Zuwanderern vorantreiben und dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Die Plattform "Wir zusammen" stellt erste Projekte vor. 

Text: Frauke Schobelt

15. Feb. 2016 - 2 Kommentare

36 namhafte deutsche Unternehmen haben sich zu einer bemerkenswerten Initiative zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie die Integration von Zuwanderern vorantreiben und dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Die Initiative "Wir zusammen" setzt damit ein Zeichen gegen Teile der deutschen Gesellschaft, die die Integration von Flüchtlingen ablehnen und Probleme durch Abschottung und geschlossene Grenzen lösen wollen. Die Firmen sehen dagegen in der Zuwanderung Potenzial für Deutschland und glauben, dass sich Probleme eher mit schneller Integration lösen lassen. 

Die Initiative "Wir zusammen" wurde von Ralph Dommermuth, Gründer und Vorstandsvorsitzenden der United Internet AG initiiert (siehe auch aktuelle Werben & Verkaufen Nr. 6)."Die aktuelle Flüchtlingssituation betrifft und bewegt uns alle. Integration vieler tausend Menschen, die vor Krieg und Zerstörung fliehen mussten, ist eine Aufgabe für unsere gesamte Gesellschaft", erklärt Frank Krause, Vorstand Finanzen und Personal der United Internet AG. "Wir können zwar nicht die Ursachen der aktuellen Situation beheben, aber wir können die Integration in die deutsche Gesellschaft unterstützen."

Mit dabei sind unter anderem Unternehmen wie Telekom, Deutsche Post, Telefonica, Tui, Adidas, Deutsche Bank, Lufthansa, Volkswagen, Airbus, Henkel, Evonik, Opel, Bosch, Siemens und Sixt, außerdem Plan.Net, ProSiebenSat.1 Media, Gruner+Jahr sowie Rocket Internet. Sie haben, häufig auf Initiative ihrer Mitarbeiter, in den vergangenen Monaten erste Integrationsprojekte ins Leben gerufen. Auf der Plattform "Wir zusammen" werden diese Projekte vorgestellt, als Motivation und Inspiration für weitere Unternehmen und Belegschaften, die sich ebenfalls engagieren wollen. 

Operativ wird die Initiative unter anderem von Partnern wie Jung von Matt, Syzygy, OMD, Roland Berger oder Performance Media unterstützt. Auf ganzseitigen Anzeigenseiten, unter anderem im "Handelsblatt", bekannte die Wirtschaftsinitiative am Freitag Farbe und beschrieb ihre Ziele und Motivation. Eine Online- und TV-Kampagne startet am 28. Februar. 

Wir zusammen wollen Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten, eine neue Perspektive schaffen.

Wir zusammen helfen diesen Menschen für die Zeit, in der sie bei uns bleiben, an unserem Leben teilzunehmen.

Wir zusammen stehen für Toleranz und Offenheit in unserer Gesellschaft.

Wir zusammen treten für einen chancengleichen Zugang zu Ausbildung und Arbeit ein, weil nur so Integration möglich wird.

Wir zusammen erkennen die enormen Herausforderungen für uns alle, aber auch die langfristigen Chancen für unser Land.

Wir zusammen wissen, dass unsere Ziele nur mit gemeinsamer sozialer Verantwortung erreichbar sind.

Wir zusammen – Unternehmen in Deutschland und ihre Mitarbeiter.

Die Website stellt die vielfältigen Projekte der beteiligten Unternehmen und Mitarbeiter vor, die zur Nachahmung anregen sollen. Etwa ein Mentorenprogramm von Opel, Integrationspaten der Deutschen Bank, die Ehrenamtsdatenbank von Volkswagen, kostenloser Internetzugang von Telekom und United Internet für Erstaufnahmeeinrichtungen sowie viele Sprachkurse, Praktika oder spezielle Projekte für minderjährige Flüchtlinge. Plan.net bietet mit WhatsGerman einen Deutschkurs über WhatsApp an. Auch die Deutsche Post und Thyssen engagieren sich sehr, stellen viele Ausbildungs- und Praktikaplätze zur Verfügung, tausende Mitarbeiter helfen freiwillig mit. Und Sportartikelhersteller Adidas will jeden Mitarbeiter in Deutschland in diesem Jahr drei Tage für ehrenamtliche Tätigkeiten freistellen.

Initiator United Internet hat Patenschaften für Integrationsangebote und Asylunterkünfte an seinen großen deutschen Standorten Karlsruhe, Montabaur, München und Zweibrücken übernommen. Mitarbeiter engagieren sich freiwillig bei Sportkursen, gemeinsamem Musizieren, Ausflügen oder Kinderbetreuung. Bis zu zehn Prozent ihrer Arbeitszeit dürfen sie für diese ehrenamtliche Arbeit nutzen. Außerdem stellt das Unternehmen finanzielle Mittel für Anschaffungen in Asylunterkünften bereit. 

Im April startet United Internet ein Qualifizierungsprogramm, um Flüchtlinge fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu machen. Das Unternehmen wird außerdem Weiterbildungsmaßnahmen in Asylunterkünften unterstützen und bis zu 100 mobile Unterrichtsräume mit kostenlosen Internet-Zugängen ausstatten, um E-Learning-Programme zum Spracherwerb zu ermöglichen. 

"Die Integration der Flüchtlinge wird zum vorherrschenden Projekt unserer Gesellschaft", heißt es auf der Website. Diese Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag dazu und sollten Nachahmer finden.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



2 Kommentare

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Anonymous User 31. Mai 2016

Super, wofür aktuell überall Geld da ist... Na, schön den Werbespot durch meine Steuergelder subventionieren lassen?? Kann man aber ja auch bestimmt trotzdem noch absetzen. Wo Geld ist kommt auch Geld hin. Aber Hauptsache bereits über die Rente mit 73 diskutieren. Danke auch für die Entschlüsselung für die entscheidenden Unternehmen dahinter. Damit weiß ich ja nun, wessen Produkte ich nicht mehr kaufen werde. Besten Dank dafür.

Anonymous User 22. Mai 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Werbespot nervt total. Wo ist der Knopf zum abstellen?
Ist ja schon regelrechter Psychoterror, so oft wie der gesendet wird.
Diese ständige Belästigung führt eher zum Gegenteil.
Das Geld für diese dämliche Werbung hätte man besser einsetzen können.
Ist mal wieder typisch: Die Wirtschaft sucht Billigkräfte, die man nach Strich und Faden ausnutzen kann. Nee, Danke!

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