BAT-Stiftung für Zukunftsfragen :
Ziele 2016: Deutsche wünschen sich mehr Zeit

Chronische Zeitnot und Zukunftssorgen nehmen Einfluss auf die Wünsche für das kommende Jahr. Die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich ein Ende der täglichen Stressralley und mehr Zeit für individuelle und soziale Bedürfnisse.

Text: Frauke Schobelt

04. Jan. 2016 - 2 Kommentare

Die Deutschen wünschen sich im Jahr 2016 ein Ende der täglichen Stressralley und mehr Zeit für sich selbst, für Freunde und für die Familie. "Weniger statt mehr" lautet für viele das Jahresziel 2016. Viele nehmen sich vor, die berufliche Karriere weiter nach hinten zu verschieben oder eine Pause einzulegen. Auch wollen sie dem Erlebnisdruck in der Freizeit entsagen, um sich stattdessen öfter mit Freunden oder der Familie treffen zu können.

Auch Zukunftssorgen nehmen Einfluss auf die Wünsche für das kommende Jahr. Hier werden die Bundesbürger ihrem Ruf als Sparer und Vorausplaner gerecht. Trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zeigen sie sich zurückhaltend beim Geldausgeben und wollen lieber auf mögliche Eventualitäten vorbereitet sein. Deutlich seltener werden hingegen Ziele genannt, die zur Selbstverwirklichung und zum Entdecken neuer Möglichkeiten dienen.

Dies geht aus einer aktuellen Repräsentativbefragung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hervor, in der über 2.000 Personen ab 14 Jahren in persönlichen Interviews nach ihren persönlichen Zielen für das kommende Jahr gefragt wurden.

"In einer immer schnelllebigeren Welt, die wenig Beständigkeit und Zeit zum Durchatmen bietet, wird Zeit zum kostbarsten Gut. Durch die zunehmenden Anforderungen im und an den Beruf, die ständig steigenden Möglichkeiten in der Freizeit und die fortwährenden Aufgaben des Alltags haben viele Bürger zunehmend das Gefühl, dass die Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu kurz kommt. In der Konsequenz wünschen sie sich mehr Zeit für sich, ihre Familie und Freunde", sagt der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung, Ulrich Reinhardt.

Innerhalb der Berufsgruppen nennen Selbstständige und Freiberufler am häufigsten das Bedürfnis, öfter die Familie zu sehen und mehr Zeit für individuelle Interessen zu haben. Gleichzeitig stellen sie von allen Berufsgruppen die Freunde am weitesten hinten an. Zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen zeigen sich weitere Unterschiede: Ostdeutsche legen mehr Wert auf Familienzeit als Westdeutsche, Männer wünschen sich mehr Zeit für Freunde und Frauen bevorzugen dagegen mehr Zeit für sich selbst.

Innerhalb der Altersgruppe 24 bis 49 Jahre entscheidet der Familienstand über die Prioritäten: So beabsichtigen besonders häufig kinderlose Paare, sich in 2016 mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Eltern wollen dagegen das Familienleben intensiver erleben und Singles öfter Freunde treffen.

Auch mehr finanzielle Sicherheit ist für die Deutschen ein wichtiges Ziel: Die Mehrheit der Bevölkerung plant, 2016 finanzielle Rücklagen zu bilden und damit dem eigenen Wunsch nach Sicherheit nachzukommen. Dagegen plant nicht einmal jeder Dritte, sich in Zukunft einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Reinhardt: "Die Diskussionen über geringe Rentenansprüche, sinkendes Rentenniveau oder Altersarmut haben Spuren hinterlassen. Trotz niedriger Zinsen und schwankender Aktienindexe planen breite Bevölkerungsschichten, zukünftig mehr Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen. Die Erfüllung eines Traum wird dagegen weiter verschoben."

So planen besonders die mittleren Altersgruppen, mehr Geld beiseitezulegen. Aber auch die jüngeren Bundesbürger wollen zukünftig mehrheitlich finanzielle Rücklagen bilden. Bei der Erfüllung eines Traumes äußern sich alle Altersgruppen zurückhaltend, selbst bei den unter 35-Jährigen will nur jeder Dritte 2016 diesen auch in die Realität umsetzen.

Anderseits wollen sich mehr Geringverdiener in Zukunft einen Traum erfüllen als Besserverdiener. Insgesamt wollen bei den einkommensschwachen Haushalten sogar mehr ihr Leben im Hier und Jetzt genießen, als Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen. Ganz anders sehen dies die Besserverdienenden: Unter ihnen ist der Anteil der "Risikominimierer" doppelt so hoch wie der Anteil der "Traumerfüller".


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



2 Kommentare

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Anonymous User 4. Januar 2016

Vielleicht denken da einige auch an 37,5 Stundenwoche oder keine Überstunden mehr.

Freitags eher gehen ist z.B. auch schon ein enormer Schritt in Richtung mehr Zeit. Halbtags wäre für mich jetzt eher kein Ziel. Hatte früher mal nen Job, bei dem ich um 16 Uhr zu Hause war statt 19 Uhr und damit deutlich vor meiner Frau. War ich auch nicht glücklicher, sondern hatte noch den größten Teil der Hausarbeit und Kochen am Hals.

Bei richtig Halbtags müsste ich dann wohl endgültig alles machen und meine Frau kommt dann nach Hause, lungert auf dem Sofa rum und ruft: "Hunger!"

Anonymous User 4. Januar 2016

Laut einer aktuellen Arbeitsmarktstatistik sind in Städten wie München 80% aller offenen Stellen Vollzeitstellen. (Quelle: http://www.backinjob.de/stellenmarkt-M%C3%BCnchen) Fast alle Jobsuchenden möchten auch ein Arbeitsverhältnis in Vollzeit aufnehmen. Und dann der große Wunsch fürs neue Jahr: Mehr Zeit! Das widerspricht sich doch. Und so wird es immer ein Wunsch bleiben. Dann wäre es doch besser, entweder eine Teilzeitstelle aufzunehmen, oder die Sehnsucht nach mehr Freizeit ad acta zu legen und sich andere Ziele zu setzen. Denn "Mehr Zeit" ist kein Ziel, dass sich so einfach erreichen lässt.

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