Zuckerlobby bläst zum Angriff

Wenn sich Foodwatch schon über 3,8 Prozent Zucker in Hipp-Kindertees aufregt, wie werden die Verbraucherschützer dann wohl auf die anstehende millionenschwere Kampagne der deutschen Zuckerlobby reagieren.

Text: Markus Weber

21. Jun. 2012

Wenn sich die Organisation Foodwatch schon über 3,8 Prozent Zucker im Hipp-Kindertee aufregt (für die Instant-Tees ab dem 12. Monat gab es jüngst den Negativpreis "Goldener Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge des Jahres), wie werden die Verbraucherschützer dann wohl auf die anstehende millionenschwere Imagekampagne der deutschen Zuckerlobby reagieren?

Das ist eine interessante Frage. Fest steht: Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker hat die Trio Group damit beauftragt, eine drei Millionen Euro schwere Kampagne zu entwickeln, die das angekratzte Image des Zuckers - der zum einen als Nahrungsmittel zum anderen als Genussmittel angesehen wird - aufpolieren soll (das meldet der "Kontakter" in seiner aktuellen Ausgabe).

"Das ist gut, weil es nicht so süß ist": Dieser Satz gehört heute bekanntlich - zumindest in LOHAS-Kreisen - zu denen, die man beim Essen am häufigsten hört. Zwar ist das Image des Zuckers bei Kindern - die mehrheitlich nach wie vor etwas weniger Wert auf einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil legen als ihre Eltern - immer noch recht hoch. Aber da in der westlichen Welt mittlerweile beinahe jeder so alt werden will wie Jopi Heesters (also mindestens 108) besteht für die deutsche Zuckerbranche zweifellos Handlungsbedarf.

Laut Verband geht es bei der Kampagne unter anderem darum, "der oft unreflektierten Kritik am Produkt Zucker mit ernährungswissenschaftlicher Aufklärung zu begegnen". W&V Online liegen bereits die Unterlagen zu der geplanten Kampagne und ihren einzelnen Bausteinen vor. Ziel ist es demnach, die Verbraucher weg vom angeblichen "Zwang zu ausgewogener gesunder Ernährung" zurück zur "Selbstbestimmung" zu führen. Die Verbraucher sollen beim Thema Zucker nicht mehr an "Sünde" denken, sondern positive Dinge mit dem Produkt assoziieren: wie etwa Energie tanken, Genussmomente, Lebensqualität.

Die geplante Kampagne umfasst sowohl Online- als auch Offlinemaßnahmen, aber auch klassische PR und Lobbying. Selbst an die Schulen und an Ernährungsberater will der Zuckerverband herantreten. Geplant ist auch eine Internetplattform "Sugar Your Life". (mw/fze/gl)


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit