Bilanz :
17 Flops der TV-Saison 2015/16

Die zurückliegende Fernsehsaison von September bis Mai hatte Höhepunkte - aber diese 17 Formate gehörten definitiv nicht dazu.

Text: W&V Redaktion

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Zuschauerzahlen von an die 8 Millionen sind nett, für einen "Tatort" aber zu wenig. Til Schweiger als Nick Tschiller (ARD).
Zuschauerzahlen von an die 8 Millionen sind nett, für einen "Tatort" aber zu wenig. Til Schweiger als Nick Tschiller (ARD).

Die Hochsaison - von September bis Mai - ist vorüber. Angesichts dieser Sendungen freut man sich aber fast schon auf den Sommer der Wiederholungen, der nun beginnt. Und dann gibt es ja auch noch die Fußball-EM und Olympia. Vielleicht können sportliche Erfolge die Flops der vergangenen TV-Saison vergessen machen (die Gewinner gab es hier).

Zu den Enttäuschungen gehörten diese 17:

Die Flop-Fernsehformate 2015/16

Teil 2 der ARD-Spielfilmtrilogie zur NSU-Mordserie, der sich der Geschichte aus der Sicht der Opfer widmet. Foto: ARD/Julia Terjung

Teil 2 der ARD-Spielfilmtrilogie zur NSU-Mordserie, der sich der Geschichte aus der Sicht der Opfer widmet. Foto: ARD/Julia Terjung

1. Mitten in Deutschland: NSU

Der ARD-Dreiteiler war stimmig: Die Täter, die Opfer, die Ermittler - hochwertig inszenierte Filme. Nur: Das Publikum mied die große Filmkunst, enttäuschende Sehbeteiligung (unter 3 Mio.). Lieber schaute das Publikum "Aktenzeichen XY".

Läuft aus: "Stadlshow". Foto: BR/ORF/Thomas Ramstorfer

Läuft aus: "Stadlshow". Foto: BR/ORF/Thomas Ramstorfer

2. Die Stadlshow

Die ruckartige personelle Umbesetzung tat dem in die Jahre gekommenen Unterhaltungsklassiker der ARD nicht gut. Die ARD-Show startete schon im September 2015 schwach mit zur besten Sendezeit nur 2,46 Millionen Zuschauern (9,6 Prozent). Die runderneuerte Sendung mit den neuen Moderatoren - Sängerin Francine Jordi und Fernsehansager Alexander Mazza - läuft aus. Beim "Silvesterstadl" muss Allrounder Jörg Pilawa ran.

Til Schweiger als Nick Tschiller im "Tatort". Foto: NDR/ARD

Til Schweiger als Nick Tschiller im "Tatort". Foto: NDR/ARD

3. Til Schweiger und der "Tatort"

Seine beiden Fälle mit viel Werbung im Vorfeld und einer Überdosis Action verliefen enttäuschend, gemessen an der Quote der ARD an diesen Abenden. Im Januar wollten nur 7,69 Millionen Zuschauer (19,9 Prozent) die Folge sehen. Selbst der ZDF-"Bergdoktor" hielt da mit 7,04 Millionen fast mit. Dafür hatte Teil eins 2013 immerhin die meisten "Tatort"-Leichen bis dahin erzielt. Ein Nick-Tschiller-"Tatort" ("Off Duty") kam sogar ins Kino und blieb mit knapp 280.000 Zuschauern in einem Monat unter den Erwartungen. 2018 kommt er dann im Ersten. 

"Die Stadt und die Macht“, sechsteilige Drama-Serie mit Anna Loos. Foto: ARD/Frédéric Batier

"Die Stadt und die Macht“, sechsteilige Drama-Serie mit Anna Loos. Foto: ARD/Frédéric Batier

4. Die Stadt und die Macht

Anna Loos als Bürgermeisterin der Hauptstadt? Das schien dem TV-Publikum zu absurd. Die Politserie, an drei Abenden ausgestrahlt, konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Das deutsche "House of Cards", wie erhofft, wurde die Miniserie nicht. Obwohl Friedemann Fromm Regie führte, der zuvor mit drei Staffeln "Weissensee" (oben) einen Preis- und Quotenerfolg hatte.

"I can do that" - Steven Gätjen. Foto: ZDF/Johanna Brinckman

"I can do that" - Steven Gätjen. Foto: ZDF/Johanna Brinckman

5. Steven Gätjen

Er sollte die Verstärkung für die Primetime werden, wenn nicht gar der Retter der Samstagabendunterhaltung nach dem Aus von "Wetten, dass ...?". Doch die ZDF-Formate "Versteckte Kamera" und "I can do that" passten nicht zu ihm. Im Herbst kriegt Gätjen mit "4 geben alles!" eine dritte Chance.

Johannes B. Kerner. Foto: ZDF

Johannes B. Kerner. Foto: ZDF

6. Johannes B. Kerner

Sein bunter Abend im September im ZDF mit Flüchtlingen und Künstlern geriet angesichts des Durcheinanders und der damit verbundenen massiven öffentlichen Kritik zum Fiasko. Spiegel Online warf dem ZDF und der Spendengala gar "Die Verteddybärisierung der Flüchtlinge" vor. Gut gemeint und gut gemacht sind offenbar nach wie vor unvereinbar.

"Deutschland 83" blieb unter den Erwartungen. Foto: RTL/Ufa Fiction

"Deutschland 83" blieb unter den Erwartungen. Foto: RTL/Ufa Fiction

7. Deutschland 83

Die große RTL-Hoffnung der TV-Saison - das Publikum zeigte dem ambitionierten Achtteiler rund um Spionage und Liebe die kalte Schulter. Ein Rückschlag für das Thema deutsche Serie. An drei Ausstrahlungstagen Mitte Dezember kam RTL damit gerade mal auf Marktanteile von um die 5 Prozent. Zu wenig für den größten Privatkanal (9,8 Prozent Marktanteil im Mai). Immerhin kam "Deutschland 83" im Ausland an: Zuerst gab es die Serien in den USA, in Großbritannien legte die Eigenproduktion den besten Start einer fremdsprachigen Serie überhaupt hin.

"Stern Crime" setzte sich im Fernsehen nicht durch. Foto: RTL

"Stern Crime" setzte sich im Fernsehen nicht durch. Foto: RTL

8. Stern Crime

Kriminalfälle und ihre Storys - ein Printobjekt fürs RTL-Programm umgesetzt. Die Geschichte von "Stern TV" ist lang und erfolgreich. Die Geschichte von "Stern Crime" war kurz und erfolglos. Im Oktober startete das Format schwach mit 1,69 Millionen Sehern und 7,8 Prozent Marktanteil ab 22.15 Uhr. Gleich wieder abgesetzt.

"Stepping Out" 2015 mit gleicher Jury, aber anderen Quoten. Foto: RTL

"Stepping Out" 2015 mit gleicher Jury, aber anderen Quoten. Foto: RTL

9. Stepping out

Für eine zweite Tanzshow neben dem gut funktionierenden Dauerbrenner "Let's Dance" wird die Luft bei RTL deutlich dünner. Zwar nah dran, was Machart und Besetzung anging - aber nicht mal annähernd in Sachen Quote. Während "Let's Dance" zum Beispiel bis zu 4,77 Millionen Zuschauer (Spitzenwert von 18 Prozent) erreicht, waren es bei "Stepping Out" stets unter 3 Millionen und um die 10 Prozent.

"Mila" lief bei Sat.1 nur kurz. Foto: Sat.1/Claudius Pflug

"Mila" lief bei Sat.1 nur kurz. Foto: Sat.1/Claudius Pflug

10. "Mila", "Frauenherzen", "Unser Tag"

Eine Daily Soap, eine Abendserie, ein tägliches Vorabendmagazin bei Sat.1. Der Versuch, das TV im Stil der Jahrtausendwende neu aufzulegen, scheiterte kläglich. "Mila" mit Susan Sideropoulus (Foto) entwickelte sich rasch zum Problem, die ohnehin schlechten Quoten fielen in der zweiten Woche auf unter 700.000 Zuschauer, der Gesamtmarktanteil bewegte sich um die 3,5 Prozent - da schob Sat.1, das zunächst noch betont hatte, man werde dem Format eine Chance geben und stelle sich auf einen Marathon ein, die Daily zu Sixx. Beim Frauensender hatte man aber auch schnell genug- mit am ersten Abend gerade einmal 140.000 Zuschauern. Weichen musste bei Sat.1 auch "Frauenherzen", ebenfalls im September gestartet.

"Mordkommission Berlin 1" mit Friedrich Mücke. Foto: Sat.1/Jan Hromadko

"Mordkommission Berlin 1" mit Friedrich Mücke. Foto: Sat.1/Jan Hromadko

11. Mordkommission Berlin 1

Eine große Kulisse, große Ausstattung, gutes Ensemble bot Sat.1 hier auf. Der Krimi nach den Aufzeichnungen des Berliner Kommissars Ernst Gennat verlief jedoch zu banal. Der 20er-Jahre-Krimi wurde in sechs Kategorien für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, gewann am Ende zwei mit der besten Musik und Ausstattung. Von der Einschaltquote her aber eher eine Enttäuschung mit unter 2,5 Millionen Zusehern.

Mit "Wild Island" keinen Hit gelandet. Foto: ProSieben

Mit "Wild Island" keinen Hit gelandet. Foto: ProSieben

12. Wild Island

Die ProSieben-Inselshow stolperte schon zu Beginn ihrer Ausstrahlung über Proteste von Tierschützern. Der große Knaller wurde sie im Verlauf der Staffel dann auch nicht mehr. Gerade mal 1,21 Millionen wollten das Finale im November sehen. Auf Gibraléon, Panama, lebten 14 Menschen in der Ursprünglichkeit einer Trauminsel. Die Kandidaten im Alter zwischen 21 und 56 Jahren filmten sich dabei selbst und gegenseitig.

"Prankenstein" mit Lena Gercke. Foto: ProSieben

"Prankenstein" mit Lena Gercke. Foto: ProSieben

13. Die Zeit nach Raab

Lena Gercke ist nicht Stefan Raab. Palina Rojinski ist nicht Stefan Raab. Enissa Amani ist nicht Stefan Raab. Mit seinem Abgang probierte ProSieben viele Alternativen aus - aber gerade die Damen scheinen mit Raabs großen Fußstapfen überfordert. Die Quoten enttäuschten. Weiter geht's trotzdem.

Gar nicht so "ewige Helden": Britta Steffen, Thomas Häßler und Uschi Disl. Vox/Gero Breloer/die Sportmanufaktur/Odlo

Gar nicht so "ewige Helden": Britta Steffen, Thomas Häßler und Uschi Disl. Vox/Gero Breloer/die Sportmanufaktur/Odlo

14. Ewige Helden

Gute Idee, aber: Die Vox-Show mit vielen Weltmeistern, die unter sich einen Gesamtsieger ausmachten, bestand aus Kandidaten, die in den 90er-Jahren hip waren, aber heute nicht mehr. Am Dienstagabend, an dem Vox durchaus schon Erfolge gefeiert hatte, schleppte sich die erste Folge der Sportlershow gerade so auf Senderschnitt beim Werbepublikum, die zweite untebot den Marktanteil und kam nur noch auf 5,9 Prozent.

"Battle Creek" mit Dean Winters (l.) und Josh Duhamel. Foto: Vox/Sony /CBS

"Battle Creek" mit Dean Winters (l.) und Josh Duhamel. Foto: Vox/Sony /CBS

15. "Battle Creek", "The Night Shift"

Lauter an sich gute neue Serien aus Übersee, lauter Flops. Meist weniger als eine Million Zuschauer ist für Vox-Ansprüche am Hauptabend viel zu wenig. Das Klinik-Format "The Night Shift" holte zum Beispiel im April Werte zwischen 4,3 und 4,8 Prozent am Montagabend in der Primtetime - daraufhin wurde die Serie auf 22 Uhr verschoben. Trotzdem: nur 690.000 Zuschauer. Am Montagabend dafür "Battle Creek" - und obwohl von "Breaking Bad"-Macher Vince Gilligan im Free-TV eher ein Nischenformat für 2,6 Prozent des Publikums.

"Vom Spinner zum Gewinner"? Andreas Troger baut Hanf an - legal in Österreich. Foto: Kabel 1

"Vom Spinner zum Gewinner"? Andreas Troger baut Hanf an - legal in Österreich. Foto: Kabel 1

16. Vom Spinner zum Gewinner

Eine Unternehmensgründershow (nämlich "Die Höhle der Löwen" auf Vox) im deutschen TV reicht aus - jede weitere Kopie stößt wohl auf Desinteresse, so wie diese auf Kabel 1. Im Januar ging es los - mit 660.000 Zuschauern. Am Ende waren es noch 530.000.

Jochen Bendel moderierte "Big Brother". Foto: Sixx/Martin Saumweber

Jochen Bendel moderierte "Big Brother". Foto: Sixx/Martin Saumweber

17. Big Brother

Der erneute Versuch, die Containershow 15 Jahre nach der Erstausstrahlung zu reanimieren, zeigte, dass das Format nicht weiter strapazierbar ist, auch wenn die Quoten für Sixx nicht schlecht waren. Da freute man sich über 2,8 Prozent. (sh/dpa)


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W&V Redaktion
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