Alte-Leute-Sender: Böses Urteil bei ZDF-Umfrage

Das ZDF sei kein Familienprogramm mehr, sondern "ein Sender für alte Zuschauer". Unter 50-Jährige fühlen sich "über weite Strecken ausgegrenzt". Dies sind die Kern-Ergebnisse einer ZDF-Publikumsbefragung. Auch die blassen Moderatoren sind ein heikles Thema.

Text: Anja Janotta

Das ZDF sei kein Familienprogramm mehr, sondern "ein Sender für alte Zuschauer". Unter 50-Jährige fühlen sich "über weite Strecken ausgegrenzt". Dies sind die Kern-Ergebnisse einer ZDF-Publikumsbefragung, die der "Spiegel" vorliegen hat.

Große Namen wie Thomas Gottschalk gehörten im ZDF-Programm der Vergangenheit an, die neuen Modertoren hätten kaum Strahlkraft, so die Studie außerdem. Der Talk von Markus Lanz laufe "so spät, dass er im Gefühl der Zuschauer kaum existiert", heißt es in der Untersuchung. Die Shows von Jörg Pilawa würden "(noch) nicht als Highlight erlebt". Befragt worden seien sowohl die vorwiegend älteren Stammgucker als auch Jüngere, die das Zweite kaum einschalten. Das Informationsangebot wird als "zu weit weg vom Zuschauer" sowie als "steif, trocken, künstlich" bezeichnet, die Tonalität der fiktionalen Programme sei "nicht modern genug".

Gelobt werden hingegen einige Neuentwicklungen weg: wie zum Beispiel die "heute-show" mit Oliver Welke. Der "Fernsehgarten" wird als "ZDF-Anker mit positiver Strahlkraft" gesehen, gute Noten bekommt auch die Dokumentationsreihe "Terra X".

Ein ZDF-Sprecher bestätigte gegenüber dpa die Angaben und fügte an: "Es ist eine von mehreren Untersuchungen unterschiedlichen Zuschnitts, die wir regelmäßig durchführen, um Stärken und Schwächen fokussiert zu analysieren." Die Untersuchung zeige, dass das ZDF starke Marken, Formate und Köpfe, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit biete, aber es gebe auch Baustellen. Die vorliegende Untersuchung zeige kritische Wahrnehmungen bei jüngeren Zuschauern und bei solchen, die eher selten das ZDF einschalteten, sagte der Sprecher weiter. Nun sollen die Ergebnisse in die redaktionelle und planerische Strategie eingebunden werden.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.