KEF soll Rundfunkbeitrag erhöhen :
ARD fordert Gebührenausgleich für Werbeminus im WDR-Hörfunk

Weniger Werbeerlöse aus Funkwerbung beim WDR ab 2017: ARD-Intendantin Karola Wille fordert dafür von der KEF einen Ausgleich beim Rundfunkbeitrag.

Text: Petra Schwegler

NRW hat vergangene Woche ein stufenweises Werbeminus im WDR-Hörfunk verabschiedet. Die Retourkutsche der ARD kommt prompt: Die Intendanten wollen für den Erlöswegfall, der aus ihrer Sicht die gesamte Funkvermarktung durch die Werbetochter AS&S Radio touchiert, einen Ausgleich aus dem Gebührentopf haben. "Der Medienpolitik muss bewusst sein, dass jegliche Einschränkungen bei Werbemöglichkeiten nach dem Verfassungsgrundsatz der bedarfsgerechten Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Berechnung des Rundfunkbeitrags vollständig ausgeglichen werden müssen", wird die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille in einer Mitteilung vom Dienstag zitiert.

Wille weist auch auf die Auswirkungen auf das ARD-Konstrukt hin, wenn der WDR in der Endphase ab 2019 im Monatsschnitt nur mehr 60 Minuten täglich auf lediglich einer einzigen Welle werben darf. Das würde zum einen den Ausgleich von Nachfrageschwankungen in werbestarken und -schwächeren Monaten erschweren und habe zum anderen - wegen der überregionalen Zusammenarbeit bei der bundesweiten Vermarktung von Hörfunkwerbung - auch Auswirkungen auf die anderen ARD-Anstalten, rechnet Wille vor. "Wir haben die Veränderungen bei der Hörfunkwerbung gegenüber der KEF grundsätzlich angezeigt und erwarten eine Berücksichtigung im Rahmen des 20. KEF-Berichts", kündigt Wille mit Blick auf die anstehenden Berechnungen der Gebührenkommission zum Rundfunkbeitrag an.

Wie hoch nun der Obulus ausfallen könnte, den Wille und ihre Kollegen für den Werbebann beim WDR einfordert – das ist unklar. Die KEF hatte bereits in einem Sonderbericht 2014 entsprechende Berechnungen angestellt, als einmal mehr das komplette Aus der Werbung im öffentlich-rechtlichen Umfeld debattiert wurde. Danach würde nach den damals zugrunde gelegten Zahlen ein Verzicht auf Werbung und Sponsoring bei ARD und ZDF in der laufenden Beitragsperiode eine Anpassung des monatlichen Rundfunkbeitrags um 1,26 Euro erfordern.

Hintergrund: Das neue WDR-Gesetz sieht unter anderem vor, dass ab 2017 im Jahresschnitt nur noch 75 statt bislang 90 Minuten pro Tag Werbung im Hörfunk gesendet werden darf. Ab 2019 soll dieser Wert auf 60 Minuten täglich im Monatsschnitt sinken - nach dem NDR-Vorbild. Das Privatfunklager und die Verleger, die in der Regel als Gesellschafter hinter dem kommerziellen Funk stehen, applaudierten. Die ARD, die Werbetochter AS&S, Mediaplaner und Werbekunden zeigten sich entsetzt. Sie fürchten ein Abwandern frei werdender Budgets ins Digitale.

Die KEF will im Frühjahr im neuen Bericht die Höhe des künftigen Rundfunkbeitrages ab 2017 empfehlen. Darüber müssen dann die Länderparlamente bestimmen. Die ARD allein will 396 Millionen Euro mehr. Ein Entwurf des KEF-Berichts wird laut Wille in den nächsten Tagen erwartet, wie "dpa" meldet. Dazu wird es im Februar eine Anhörung mit den öffentlich-rechtlichen Sendern geben.

dem EM-Erfolg der deutschen Handballer sprach sich ARD-Chefin Wille übrigens dafür aus, die Handball-WM in die sogenannte TV-Schutzliste aufzunehmen. Sie sichert im Rundfunkstaatsvertrag, dass bestimmte gesellschaftlich bedeutsame Sportereignisse im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein müssen. Dazu zählen zum Beispiel Olympia sowie Fußball-Länderspiele, nicht aber die Handball-WM.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.