FDP :
Autorisierungswahn: "taz" druckt Rösler-Interview ohne Antworten

Die FDP zog die Antworten ihres Parteichefs Philipp Rösler im Interview mit der "taz" zurück. Nun erscheint das "Gespräch" mit viel weißer Fläche.

Text: Petra Schwegler

- 6 Kommentare

Nicht zum ersten Mal meutert die "tageszeitung" (taz) gegen ein autorisiertes Interview. An diesem Dienstag erscheint ein Gespräch mit FDP-Chef Philipp Rösler – allerdings ohne seine Antworten. Der Politiker habe sich zwar ausführlich geäußert, versichert "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl der Nachrichtenagentur "dpa". Doch bei der Autorisierung habe FDP-Sprecher Peter Blechschmidt die Äußerungen so nicht mehr freigegeben. Blechschmidt bestätigt die Entscheidung. Rösler sei durchaus bereit, über Persönliches zu sprechen, sagt der Sprecher. Allerdings habe sich die Zeitung auf das Thema Hass konzentriert. Daraufhin habe die Parteizentrale entschieden: "In diesem Duktus sind wir mit dem Interview nicht einverstanden und geben es nicht frei."

Eine Stunde lang hätten zwei "taz"-Redakteurinnen mit dem Vizekanzler über Koalitionsstreit und Steuerpolitik, aber auch über Hassmails und Rassismus sowie Röslers asiatische Wurzeln gesprochen, heißt es im "taz"-Hausblog. Rösler habe auf alles geantwortet, doch bei der Zusendung zur Autorisierung hieß es Angaben zufolge seitens der FDP-Pressestelle, das Interview werde nicht freigegeben, weil Rösler sein asiatisches Äußeres im Wahlkampf nicht zum Thema machen wolle.

Die "taz" hat sich übrigens als erstes Blatt gegen die sich breit machende PR-Taktik gewehrt, nur noch autorisierte Interviews zu geben. 2003 ließ die Zeitung den damaligen SPD-Geschäftsführer Olaf Scholz auflaufen. Die von ihm frei gegebene Fassung enthält so viele Änderungswünsche, dass die "taz" das Interview kurzerhand mit geschwärzten Antworten druckt und es zum Aufmacher macht. Im Pressekodex heißt es seither zwar "Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt". Doch ändern kann das an der Praxis wenig. Die Proteste der Medien häufen sich zurzeit - hier eine Auflistung. Immer wieder haben Prominente aus Politik, Sport, Film und Fernsehen versucht, Interviews zu lenken oder bei Nichtgefallen zurückzuziehen.

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ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



6 Kommentare

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Anonymous User 17. September 2013

man müßte total Besoffen sein der Spaßpartei auch nur eine Leihstimme zu geben, gell?

Anonymous User 13. September 2013

http://www.wuv.de/medien/keine_glanzleistung_journalistenverband_rueffelt_taz_nach_roesler_zoff

http://blogs.taz.de/hausblog/2013/09/10/ich-waere-mitten-im-interview-rausgegangen/

Anonymous User 10. September 2013

@Thomas Komplett umgeschriebene und sinnentleerte Interviews aber auch nicht. Beide Seiten müssen den Mittelweg finden - was sie auch meist tun. Wir berichten hier über Extremfälle.

Anonymous User 10. September 2013

Deswegen denkt der US-Amerikaner auch erst dreimal nach, bevor er überhaupt ein Interview gibt. Deswegen sind beispielsweise bei Sportveranstaltungen alle Pressetermine streng organisiert und wesentlich regulierter. Eben weil nicht autorisiert wird. Das kann nun nicht das gewollte Ergebnis sein.

Anonymous User 10. September 2013

@Thomas Ich weiß nun nicht, ob Sie Journalist sind. Es geht hier um Extremfälle - auch wenn es sich eingespielt hat, dass Interviews IMMER abgenickt werden. Zuweilen werden dann die Fragen komplett neu beantwortet - in PR-Sprech. Tut sich der Interviewte mit Marketing-Hülsen wirklich einen Gefallen? In den USA wird nicht autorisiert und für die Befragten gilt die Regel: erst denken, dann sprechen.

Anonymous User 10. September 2013

Es ist doch vollkommen legitim sich nach einem Interview noch einmal zeigen zu lassen, was ein Journalist aus dem Geäußerten zusammen gebastelt hat und ob man sich richtig verstanden fühlt und der Kontext in dem man das Interview gegeben hat treffend beschrieben wird oder ob sich die Journalie Teile heraus pickt, um eine bessere Story zu haben. Ich halte das für vollkommen verständlich und die Aufregung der Medienvertreter für Heuchelei. Das hat nun gar nichts mit Lenkung zu tun Frau Schwegler!

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