Programmstrategie :
Belluts Pläne mit dem ZDF 2017

Der Intendant des quotenstärksten Senders legt Wert auf die Qualität der journalistischen Arbeit. Und setzt weiter auf Jan Böhmermann.

Text: W&V Redaktion

Thomas Bellut ist seit 2012 Intendant des ZDF.
Thomas Bellut ist seit 2012 Intendant des ZDF.

Der Intendant des quotenstärksten Senders* legt Wert auf die Qualität der journalistischen Arbeit. Und setzt weiter auf Jan Böhmermann. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA sagte Thomas Bellut, was ihm wichtig ist. Und wie er zu Böhmis Plänen steht: Der hatte jüngst im DPA-Interview gesagt, "der Anspruch meines Teams und mir lautet: weg von Twitter, hin zu einer lustigen werktäglichen Unterhaltungsshow am späten Abend." Gern im ZDF-Hauptprogramm - "Alles andere ist mir zu unsicher. Nach diesem Jahr ist mir Risikominimierung ganz wichtig."

Dazu gibt sich Senderchef Bellut bedeckt: Zwar hat er Böhmermanns Vertrag verlängert und schließe ein Auftreten des ZDF-Neo-Moderators im ZDF nicht aus. "Aber da, wo er jetzt ist, erreicht er nahezu perfekt die jüngeren Zuschauer", sagte Bellut. "Er ist vor allem im Netz unglaublich erfolgreich. Ich würde ihm immer raten, sein klares Profil beizubehalten, das ist sein Markenzeichen und sein Erfolgsrezept."

Der Intendant würde sich aber freuen, wenn die Zusammenarbeit auch über die Vertragszeit hinausgehen würde: "Ein Satiriker wie Böhmermann braucht einen verlässlichen Sender und auch einen Intendanten, der zu ihm steht und ihm auch gelegentlich einen Ratschlag gibt."

Für das öffentlich-rechtliche ZDF formulierte Thomas Bellut seine wichtigsten Ziele - offenbar auch mit Blick auf die aktuelle Situation inklusive Fake-News und Lügenpresse-Debatten.

Thomas Bellut: "Transparenz und ein offener Umgang mit Fehlern werden noch wichtiger. Der Zuschauer muss verstehen, warum wir über bestimmte Dinge berichten. Er muss auch nachvollziehen können, wenn wir die Wahrheit noch nicht kennen. Ich plädiere immer dafür, das auch klar zu sagen. Wir müssen uns anstrengen, alle Gruppen dieser Gesellschaft zu erreichen, auch diejenigen, die eine gewisse Grundskepsis gegenüber unseren Nachrichten haben. Aber ein Aufweichen unserer Standards wird es nicht geben: Keine Diskriminierung von Minderheiten, Wahrhaftigkeit der Information. Rassistische Botschaften werden nicht unkommentiert in den ZDF-Kanälen gesendet, sondern verlangen eine journalistische Begleitung."

Die Zahlen seien stabil, die Umstrukturierung samt Stellenabbau werde auch 2017 weitergehen. Im kommenden Jahr liege ein journaliistscher Schwerpunkt auf den Wahlen. Bellut: "Wir wollen mit unseren Vor-Wahl-Sendungen stärker in die Primetime gehen, ungeachtet jeder Quoten-Überlegung. Ich vermute aber, dass diese Sendungen in der aufgeheizten innenpolitischen Atmosphäre ein großes Interesse finden werden."

Das Wahljahr wird sich auch bei Jan Böhmermann im "Neo Magazin Royale" finden. Wie der Satiriker der DPA sagte: "Wir hatten ja schon dieses Jahr viele Politiker zu Gast: Gregor Gysi, Cem Özdemir, Jens Spahn, Wolfgang Bosbach, Christopher Lauer. Und klar: Nächstes Jahr sind dann die Kanzlerkandidaten dran. Angela Merkel und Martin Schulz." Die Realität, erklärte er mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen wie die Wahl Trumps in den USA, er könne die Realität nicht ändern. "Irgendwann musst du anfangen zu grinsen und Witze zu machen." (W&V/dpa)

*) Im Jahresdurchschnitt liegt das ZDF unter den deutschen TV-Sendern aktuell mit einem Marktanteil von 13,0 Prozent vorn. Es folgt das Erste mit 12,2 Prozent vor dem privaten Marktführer RTL mit 9,8 Prozent. Dahinter liegen Sat.1 (7,3 Prozent), Vox (5,2 Prozent), ProSieben (5,1 Prozent), Kabel eins (3,8 Prozent), RTL II (3,5 Prozent) und Super RTL (1,8 Prozent).


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