Bilanz-Pressekonferenz :
Bertelsmann verdient so viel wie noch nie

Seit Jahren waren Umsatz und Ergebnis nicht so hoch: Bertelsmann hat das beste Bilanzjahr seit 2007 hingelegt. Das Konzernergebnis habe ein "Allzeithoch" erreicht, heißt es von dem Medienkonzern. RTL steuert mit wachsenden Werberlösen den größten Teil bei. Aber G+J verliert Umsatz.....

Text: Anja Janotta

Bertelsmann hat das beste Bilanzjahr seit 2007 hingelegt. Das Konzernergebnis habe ein "Allzeithoch" erreicht, heißt es in Gütersloh. Die strategische Transformation des Medienkonzerns zahle sich aus. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 2,8 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 16,7 Milliarden Euro) zu. Das Konzernergebnis stieg um mehr als 90 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 572 Millionen Euro) - ein Rekordwert.

Nicht nur die Wechselkurseffekte haben zu der glänzenden Bilanz beigetragen, sagt der Konzern, sondern vor allem auch der Digitalgeschäfte bei der RTL Group und Gruner + Jahr. Auch die TV-Aktivitäten in Deutschland und den Niederlanden entwickelten sich gut. Strukturell rückläufige Geschäfte seien weiter zurückgeführt worden.

Den größten Anteil trägt wieder das TV-Geschäft: Der Umsatz der RTL Group wuchs um 3,8 Prozent auf sechs Milliarden Euro (Vorjahr: 5,8 Milliarden Euro). Das Werbegeschäft in Europa habe sich gut entwickelt, heißt es. Besonders Deutschland verzeichnete Zuwächse, wobei die Mediengruppe RTL sich besser als der Gesamtmarkt entwickelt habe. Das Operating Ebitda legte im Berichtszeitraum um 1,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,3 Milliarden Euro) zu. Die RTL Group beschäftigte zum Jahresende 12.258 Mitarbeiter.

Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr dagegen verliert weiter an Umsatz. Das Hamburger Verlagshaus hat ein Minus von rund 12 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro verbucht (Vorjahr: 1,7 Milliarden Euro). Verantwortlich dafür seien Betriebsverkäufe im Ausland und sinkende Anzeigen-Erlöse. Bertelsmann hat 2014 die restlichen Anteile (25,1 Prozent) an dem Hamburger Verlag G+J übernommen und treibt seitdem den digitalen Umbau voran. Die hierfür nötigen Investitionskosten drückten den operativen Gewinn im vergangenen Jahr um knapp 23 Prozent auf 128 Millionen Euro.

Beim Buchverlag Penguin Random House lief es dagegen positiv: Der Umsatz liegt dank diverser Bestseller bei 3,7 Milliarden Euro (3,3 Milliarden Euro), der operative Gewinn bei 557 Millionen Euro (Vorjahr: 452 Millionen).

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, erklärte: "2015 war ein sehr gutes Jahr für Bertelsmann. Das erste Mal seit acht Jahren liegt unser Umsatz wieder bei über 17 Milliarden Euro, und beim Operating Ebitda haben wir einen der besten Werte der Bertelsmann-Geschichte erreicht. Seit 2012 treiben wir konsequent die Transformation von Bertelsmann voran – unter anderem durch Investitionen von insgesamt mehr als drei Milliarden Euro in Digital- und Wachstumsgeschäfte."

Rabe freut sich unter anderem auch über das wachsende Digitalgeschäft: Die Video-on-Demand-Angebote, Web-Produktionen und -Kanäle sowie Multichannel-Netzwerke der RTL Group verzeichneten 2015 insgesamt 105 Milliarden Onlinevideo-Abrufe – ein Zuwachs von 188 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Penguin Random House erweiterte sein E-Book-Angebot auf mehr als 110.000 Titel. Gruner + Jahr baute sowohl sein Portfolio an E-Magazinen, reichweitenstarken mobilen Angeboten und Apps als auch die digitale Werbevermarktung aus.

Die verschiedenen Unternehmen und Redaktionen von Bertelsmann erreichen nach Angaben des Konzerns mittlerweile über ihre Social-Media-Kanäle inzwischen kumuliert rund 1,2 Milliarden Follower auf Twitter, Facebook, Google+ und YouTube.Die Mitarbeiter werden an den erzielten Erfolgen beteiligt: Sie erhalten für das abgelaufene Geschäftsjahr Gewinn- und Erfolgsbeteiligungen in Höhe von insgesamt 95 Millionen Euro (Vorjahr: 85 Millionen. Euro).Thomas Rabe: "Bertelsmann wird seinen Expansionskurs auch im laufenden Jahr fortsetzen, um noch wachstumsstärker, digitaler und internationaler zu werden. Für 2016 rechnen wir mit einem höheren Umsatz und einer weiterhin hohen operativen Profitabilität." Mittlefristig peilt Rabe einen Umsatz von 20 Milliarden Euro an.

Künftig will Bertelsmann die Geschäfte in acht statt in fünf Geschäftsbereichen ausweisen. Zur RTL Group, Penguin Random House, Gruner + Jahr sowie BMG kommen drei weitere. Dienstleistungen bieten Arvato sowie die Bertelsmann Printing Group. Die Bertelsmann Education Group umfasst die Geschäfte im Segment Bildung. In der neuen Division Bertelsmann Investments werden die mehr als 100 Start-Up-Beteiligungen gebündelt. In dieser neuen Acht-Säulen-Struktur will Bertelsmann erstmals zum Halbjahr 2016 berichten.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.