Bundesliga-Rechte: Medienwächter machen Front gegen Bieter Telekom

Kauft die Telekom wirklich alle Rechte an der Fußball-Bundesliga von der DFL, dann fürchtet der LMS-Direktor Gerd Bauer eine "Zusammenballung von technischer, ökonomischer und publizistischer Macht".

Text: Petra Schwegler

28. Mar. 2012

Die Deutsche Telekom bekommt immer mehr Gegenwind bei ihrem Ringen um die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga zu spüren. Jetzt meldet sich Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt des Saarlandes (LMS) zu Wort: Er lehnt einen umfangreichen Rechteerwerb durch den Bonner Konzern entschieden ab. Eine solche "Zusammenballung von technischer, ökonomischer und publizistischer Macht" stünde "im Widerspruch zu einer bestmöglichen Sicherung von Meinungsvielfalt". Das widerspriche nach Auffassung der LMS dem medienpolitischen Grundsatz der Trennung der technischen Infrastruktur von den angebotenen Inhalten. Bauer erinnert daran: "Die Trennung von Netzbetrieb und Rundfunkinhalten soll dazu beitragen, die Meinungsvielfalt zu sichern und zu verhindern, dass derjenige, der wesentliche Teile der technischen Infrastruktur betreibt und dadurch auch kontrolliert, gleichzeitig für die Inhalte zuständig ist, die hierüber transportiert werden."

Bauer führt ein Gutachten von Franz Jürgen Säcker von der FU Berlin an, wonach der deutsche Staat nach wie vor entscheidenden Einfluss auf die Deutsche Telekom besitze. Hier liege eine Gefahr für die im Rundfunkrecht besonders geforderte Staatsferne der Anbieter vor, moniert Bauer mit Blick auf die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Aus gutem Grund könne die Deutsche Telekom also keine Zulassung als Rundfunkanbieter erwerben.

Bauer fügt an: Die bisherige Lösung, wonach Constantin Medien die medienrechtliche Lizenzierung für die Telekom halte, sei angesichts des Komplettpaketes an Übertragungsrechten, die die Telekom von der DFL erwerben wolle, nicht einfach übertragbar und müsse im Lichte der Abhängigkeiten von der Telekom neu geprüft werden. Bauer nennt das aktuelle Modell, bei dem Constantin Medien als Sublizenznehmer der Telekom mit seinem Team um den eigenen Sender Sport1 und mit dem Produzenten Plazamedia die IPTV-Kanal Liga Total stemmt, "Umgehungsgeschäfte durch Produktionsaufträge an Dritte".

Bauer sieht auf Basis mehrerer Gutachten "langwierige Rechtstreitigkeiten voraus, wenn die DFL der Telekom auch die Satelliten-Live-Rechte oder gar alle ‚Broadcast-Rechte‘ (Satellit, Kabel, Terrestrik) ab 2013 verkaufen sollte".

Die DFL wird ab der kommenden Woche – Stichtag 2. April – Gebote von den 15 Interessenten annehmen, die von der Bundesliga zugelassen worden sind und zu denen Sky, die ARD, die Telekom, aber auch Kirchs Staathalter Dieter Hahn und Google zählen dürften. DFL-Chef Christian Seifert hat schon klar gemacht, dass er auf jeden Fall mehr Geld aus der neuen Rechterunde für die Bundesliga-Vereine ziehen möchte.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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