Heftkritik Free Mans's World :
Der Traum von Freiheit: Burda schenkt Männern ein "Landlust"-Pendant

"Free Man's World": In einer Welt, in der Freiheit im Internet stattfindet und wir die Natur opfern für Sicherheit und Komfort, müssen Hochglanzmagazine die Sehnsucht nach Abenteuer und Draußensein stillen. Wie gut das dem neuen Burda-Männerheft "Die Welt des freien Mannes" gelingt, beschreibt W&V-Autorin Susanne Herrmann in ihrer Heftkritik.

Text: Susanne Herrmann

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In einer Welt, in der Freiheit im Internet stattfindet und wir immer mehr Natur opfern für Sicherheit und Komfort, müssen eben Hochglanzmagazine die Sehnsucht nach Abenteuer und Draußensein stillen. Frauen, die vom Leben auf dem Lande träumen, flüchten sich in "Landlust" und Konsorten. Männern bietet nun Burda das Reservat "Free Man's World" (FMW): Der optisch ansprechende, wenn auch nach bewährtem Muster gestaltete Titel lockt mit dem Motto "Abenteuer gibt es noch" und schwingt bereits mit den Schlagzeilen den Holzhammer: "Sei ein Kerl" - welcher Mann in unseren domestizierten und weichgespült gleichberechtigten Welt wünscht sich das nicht? "20 Routen in die Freiheit" scheint nicht einen, sondern gleich 20 Auswege zu bieten aus Alltag und "Räum deine Socken in den Wäschekorb"-Debatten. "Raus! Nicht reden, machen" schließlich prangt groß das Abenteuer-Rezept der Redaktion unten auf dem Cover. Auch das, so will es das Klischee, ein heimlicher Traum neuer Männer, speziell unserer Generation, die zwischen feministischen Müttern, berufstätigen Partnerinnen und hingebungsvollem Vatersein gefangen und zum Kommunizieren verdonnert sind.

Spaß beiseite, Eskapismus muss immer erlaubt sein, selbst wenn er so wenig subtil daherkommt wie mit dem neuen Männermagazin "FMW", das die Hamburger Burda News Group am 7. Juni in den Handel bringt (für 5,80 Euro). Nicht als neues Männermagazin genau genommen (keine Frauen, kein nackte Haut), sondern sehr sportlich sieht Burda den Titel als Eröffnung eines neuen Segments. Als Zielgruppe definiert der Verlag tatsächlich "Männer, die raus wollen, um Abenteuer zu erleben, um die Natur zu genießen und um den beruflichen Alltag hinter sich zu lassen." Den Titel entwickelten Lutz Carstens als Chefredakteur (früher "TV Spielfilm", "Fit for Fun") und Heico Forster, CD.

"Free Man's World" steht, so die Verlagsmitteilung, für eine "freiheitsliebende Lebenshaltung und gibt Anleitung für das Entkommen aus dem beruflichen Alltag". Dennoch sei die Zielgruppe höchst werberelevant, da "beruflich erfolgreich" - digital im Büro, analog in der Freizeit. Dann tauschen die Naturburschen Samsung Galaxy gegen Kompass und erobern neue Lebensräume. Diese Zielgruppe suchen offenbar einige Anzeigenkunden; in der Erstausgabe sind Audi, BMW, VW, Jeep, Mercedes und Peugeot ebenso großformatig vertreten wie Rolex, Hublot, Boss, Canon und Olympus.

"Zum Lesen verführen, zum Aufbrechen anstacheln" will Carstens laut Editorial. Dazu entführt ein neoklassisches, ruhiges Layout in vier schön schlichten Rubriken "Los!", "Raus", "Weiter" und "Halt!", nicht in Abschnitten, sondern lose über das Heft verteilt. Diese Gefäße beherbergen Tipps, Meldungen und Produkte ("Los!"), Erlebnisse in freier Wildbahn ("Raus"), etwa beim Gleitschirmfliegen, im Polareis oder der Wüste, unter und auf dem Wasser. "Weiter" widmet sich Körper und Geist, "Halt" schließlich Wissenswertem.

Wenig überraschend, aber liebevoll gemacht. Zwischen vielen Klischees verbergen sich interessante Texte und schöne Reportagen, die von der heimischen Couch aus in die weite Welt locken. Wir sind gespannt, ob das neue und einstweilen noch durchaus schmale Segment in Serie geht. Noch hat Burda nicht bekannt gegeben, in welchem Rhythmus der neue Titel erscheinen soll. "Free Man's World" (die Welt des freien Mannes) wird auf hochwertigem Papier (300 Gramm Umschlag, 90 Gramm Innenteil) gedruckt und erscheint in einer Auflage von 100.000 Exemplaren. Die erste Ausgabe wird mit Fernsehspots, Printanzeigen und Online-Bannern beworben. Auch eine Facebook-Fanseite gibt es schon.

In unserer Bildergalerie bekommen Sie einen ersten Eindruck des neuen Titels. Ganz unten: der Spot.

"FMW" ist nach den Sonderheften "Meet" und "Green" der dritte neue Burda-Titel innerhalb kurzer Zeit.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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Anonymous User 6. Juni 2013

Und warum SCHON WIEDER einen englischen Titel für ein Magazin, dass sich an eine deutschsprachige Zielgruppe richtet?? Warum kann man das nicht "Echte Kerle" oder "Freie Männer" oder so nennen?!

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