die neue welle: Wie mit einer lokalen Medienmarke Geld verdient wird

Wer sich wundert, warum so viele Medienunternehmen stark auf lokale Medien setzen, findet hier eine Antwort: Radiosender wie die neue welle in Karlsruhe kommen bei Hörern und Werbern an. Eine Fallstudie von W&V Online.

Text: Petra Schwegler

20. Apr. 2012

Auch mit einer kleinen lokalen Medienmarke lässt sich Geld und Renommée verdienen. Das beweist der private Karlsruher Radiosender die neue welle. Dabei sind die ersten Jahre gar nicht gut gelaufen: Die Station wurde zwischen 2002 und 2006 mehrfach umbenannt und immer wieder neu positioniert. So hat der lokale Hörfunksender nach Gesellschafterwechseln und turbulenten Startjahren erst ab Herbst 2006 in ruhigere Bahnen gefunden, um sich am Markt zu etablieren zu können. Und damit fährt die neue welle gut.

Die Wienerin Andrea-Alexa Kuszák hat im Herbst 2006 die Geschäftsführung beim badischen Radiosender übernommen, dessen Reichweite damals gerade noch 10.000 Durchschnittsstundenhörer betrug. Für die Sendereigner Wolfgang Grenke, Oschmann, Burda, Studio Gong und Multimedia Röser kam damit die Wende: Der Name "die neue welle" – in Anlehnung an die Ursprünge als "Welle Fidelitas" – ist damals bewusst gewählt, das Team verstärkt und neu aufgestellt worden. Seither kann die Senderchefin die Marke nach wechselhaften Jahren konsequent pflegen – bei Hörern wie bei Werbeklientel. Mit Erfolg: Seit dem Jahr 2008 schreibt "die neue welle" schwarze Zahlen. Seit 2011 spricht Andrea-Alexa Kuszák von einer "kaufmännisch ordentlichen Rendite".

Seit einigen Wochen hat es die neue welle Schwarz auf Weiß, dass der Umbau richtig war - das Format "Gold Variety AC" wurde nach eingehender Marktforschung gewählt und setzt neben Aktuellem, den 70ern und 90ern einen musikalischen Schwerpunkt auf dem Jahrzehnt der 80er. Fünf Mal so viele Hörer wie im Jahr 2006 werden damit heute erreicht. Gegenüber der letzten Media Analyse im Sommer 2011 hat das Karlsruher Radio Anfang März bei der MA 2012 Radio I beachtliche 17,8 Prozent auf jetzt 50.000 Hörer in der beworbenen Durchschnittsstunde zugelegt – und gehört damit zu den Gewinnern der Frühjahrs-MA nach Prozenten. Für die Hörer gibt es ab sofort eine Neuerung – die neue welle hat die bekannte Radiostimme Tim Koschwitz angeheuert. Er steht für die neue Morgenshow des Karlsruher Privatradios hinter dem Mikro.

Kuszák führt die Zustimmung auf das klare Lokalkonzept zurück, das auch durch den Online-Auftritt des Senders abgerundet und vertieft wird. die neue welle hat sich unter anderem mit einem Studio in der Innenstadt von Karlsruhe und als Medienpartner von wichtigen Vereinen und Veranstaltungen- wie etwa des ortsansässigen Fußball-Zweitligisten KSC - in der Region verankert. Aus der nun wirtschaftlich soliden Situation heraus pflegt Senderchefin Kuszák das Image des Senders. So hat sie 2011 den Impulspreis für die Region Baden-Baden, Karlsruhe und Pforzheim ins Leben gerufen. Damit werden Menschen, Vereine oder auch Unternehmen geehrt, die sich um just diese Region verdient gemacht haben. ""Zugleich wollen wir mit diesem Preis selbst einen Impuls hinein in die Region senden, also jene würdigen, die sich herausragend für ihre Mitmenschen engagieren und so andere ermutigen, selbst etwas in der Region für die Region zu tun", betont Andrea-Alexa Kuszák. Erst vor wenigen Wochen sind zum zweiten Mal unter dem Label "die neue welle – Impulspreis" Freunde, Nachbarn oder Kollegen mit dem Preis ausgezeichnet worden. Das moderne Studio des Senders in der Innenstadt von Karlsruhe – eine Art Radio-Penthouse im 6. Stock – ist zum Treffpunkt in der badischen Region geworden. Hörer wie Kunden und Prominenz schauen regelmäßig bei Andrea-Alexa Kuszák und ihrem 40 Mann/Frau starken Team vorbei. Sie sind Teil eines Netzwerks, das die neue welle in der finanzstarken Region zwischen Mannheim und Baden-Baden gewoben hat. Dafür braucht es keinen großen Sender.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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