Media-Umfrage und Trnd-Analyse :
Diese Print-Neustarts überzeugen Planer

Sie heißen "Frei", "Mein Land" oder auch "Allegra" und "FAZ Woche": Wie die Print-Neustarts bei Lesern und Planern ankommen, weiß W&V. 

Text: Manuela Pauker

"Allegra" kommt bei Käufern und Kunden an.
"Allegra" kommt bei Käufern und Kunden an.

In den vergangenen Monaten drängten reichlich neue Magazine in den Markt. Nicht allen geht es so wie Funkes Programmie-Versuch "TV Wissen", der jetzt nach nur rund einem halben Jahr wieder vom Markt genommen und mit dem Schwesterblatt "TV Direkt" zusammengelegt wird. Einige Titel haben gute Chancen zu bleiben - finden Mediaplaner in der aktuellen Printausgabe der W&V (EVT: 13.06.)

Beispiel "Allegra": Seit Ende März bringt Springer die Frauenzeitschrift, Ende der 90er-Jahre ein Top-Titel im Segment, wieder in den Kiosk. Sie ist nicht die einzige alte Bekannte, die plötzlich wieder im Zeitschriftenregal liegt: Auch Burdas "Freundin Wellfit" kehrte im März zurück. Im Gegensatz zur zweimonatlichen "Allegra" erstmal als One-Shot – aber immerhin.

Begleitet wurden die beiden Rückkehrer von einer Vielzahl weiterer Titel, die erstmals auf den Markt kamen. Ein ziemlich eindeutiges Indiz dafür, dass Print entgegen anders lautenden Stimmen nach wie vor ein ziemlich gutes Geschäft ist. Oder zumindest sein kann. Und weil die Verlage das erkennen, steigt auch der Mut zu Heftlaunches wieder.

Im ersten Halbjahr sorgte er unter anderem für den Start von eher vertriebsorientierten Titeln wie "Frei" (Gruner + Jahr), "Zeit für mich" (Funke Mediengruppe) oder "Test-Bild" (Axel Springer). Doch auch der Anzeigenmarkt wird beackert – neben "Allegra" oder "Wellfit" soll etwa Burdas "Super-Illu"-Ableger "Mein Land" für ein qualitativ hochwertiges redaktionelles Umfeld sorgen.

Irgendwo dazwischen ist die "Frankfurter Allgemeine Woche" angesiedelt, die die junge Elite mit einem kompakten Nachrichtenüberblick versorgen soll. Die Chancen, dass das mit der Jugend klappt, stehen ganz gut. Offizielle Verkaufszahlen gibt es zwar momentan noch nicht. Eine für W&V im April durchgeführte Umfrage des Marktforschungsportals Trnd zu neuen Titeln lässt allerdings vermuten, für welche der Newcomer es gut läuft und wer bislang weniger Aufmerksamkeit bekommt.

So warb Scholz & Friends für den Neustart "FAZ Woche" (FAZ/S&F).

So warb Scholz & Friends für den Neustart "FAZ Woche" (FAZ/S&F).

Die bisherige Bilanz: Die "FAZ Woche" und Springers "Allegra" wurden nach Angaben der rund 1600 Befragten bislang am häufigsten gekauft. Funkes "Zeit für mich" liegt mit rund 105.000 verkauften Heften ebenfalls gut im Rennen. "Frei" (Gruner + Jahr) findet dagegen im Käufermarkt bislang wenig Aufmerksamkeit. Die im Markt kolportierten Zahlen von rund 50.000 verkauften Heften pro Ausgabe werden von den Umfrageergebnissen nicht widerlegt – gerade mal ein Prozent der Interviewten hat das Blatt nach eigener Aussage erstanden.

Die Mediaplaner machen G+J auch nicht gerade Mut: Beim Blick in die letzten Ausgaben dränge sich die Frage auf, "wann der seidene Faden reißt, an dem das Heft schon jetzt baumelt", so Anne-Kathrin Bida, Leiterin Beratung Media bei Pilot. Allerdings macht man bei G+J auch keinen Hehl daraus, dass man "Frei" als Experiment sieht – und man sich völlig im Klaren darüber ist, dass solche Abenteuer auch schiefgehen können.

Gute Noten geben die Mediaexperten dagegen fast durchgehend "Allegra" und der "FAZ Woche". Das Springer-Frauenblatt biete Werbungtreibenden ein "interessantes Umfeld und eine hochwertige Leserschaft", so Guido Friebel, Director Print Zenith-Optimedia. Hinzu komme, dass die potenzielle Werbekundschaft (Beauty, Fashion) im Mediamix "stark auf Printmedien" setze. Susanne te Poel, stellvertretende Geschäftsführerin von Crossmedia, gibt der "FAZ Woche" die größten Chancen: Der Titel setze am steigenden Bedarf an komprimierter Information an.

Fazit: Es lohnt sich tatsächlich nach wie vor, neue Printtitel zu starten. Das Konzept muss aber durchdacht sein, ansonsten heißt es schnell: Außer Spesen nichts gewesen. "Der potenzielle Nutzer ist permanent Informationen ausgesetzt", so Friebel. Ein neues Magazin müsse da schon "gute Argumente liefern, um neue Leserschaften zu erschließen und sich am Markt zu etablieren".

Dass die Verlage das nicht versuchen, kann keiner behaupten. Der nächste Kandidat läuft sich schon warm: Am 24. Juni launcht G+J das Männermagazin "No Sports", in dem es um Sieger, Verlierer, Kämpfer und Visionäre gehen wird. Zu welchen "No Sports" zählen möchte, dürfte klar sein. 

Einen umfassenden Überblick über die bisherige Bilanz des Werbejahres 2016 finden Sie in der aktuellen Printausgabe der W&V. Abo?


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde