Wechsel zu DVB-T2 HD :
DVB-T weg, Bildschirm schwarz – was nun?

DVB-T2 HD ist ab sofort Standard für digitales Antennenfernsehen. Rund eine Million TV-Fans erwischt das Abschalten von DVB-T kalt - die Lösungen. 

Text: Petra Schwegler

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Netzbetreiber Media Broadcast informiert live über den Wechsel zu DVB-T2 HD.
Netzbetreiber Media Broadcast informiert live über den Wechsel zu DVB-T2 HD.

In der Nacht auf Mittwoch war es soweit: Seit Mitternacht wurde das terrestrische Fernsehsignal DVB-T in weiten Teilen Deutschlands abgeschaltet. Schritt für Schritt sollen die Sendeanlagen mit dem neuen DVB-T2-Standard für HD-Qualität in Betrieb genommen werden. Seit 12.00 Uhr sind die neuen Sendernetze in allen betroffenen Regionen aktiv. Seither leuchten markante Bauten in Frankfurt, Mannheim, Hamburg und Düsseldorf im typischen DVB-T2-Grün.

Anschließend werden nach Angaben des Plattformbetreibers Media Broadcast, der den Wechsel via Live-Blog begleitet, Hunderte Sender an 69 Standorten über Antenne in hoher Auflösung (HD) ausgestrahlt. Rund 3,4 Millionen Haushalte in Deutschland empfangen ihr Fernsehsignal über Antenne, weniger als die Hälfte davon ausschließlich auf diesem Weg. 

Laut Media Broadcast ist alles planmäßig gelaufen. Über 350 Sender sind in 60 Standorten auf das hochauflösende HD-Signal umgeschaltet worden.

Doch rund eine Million Haushalte können nach Angaben der Bundesregierung ab sofort kein TV mehr sehen, weil sie kein DVB-T2-fähiges Empfangsgerät besitzen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Grünen hervor, aus der die "Rheinische Post" zitiert. Bei ihnen bleibt der Bildschirm erst einmal schwarz. Sie können nun zwischen verschiedenen Alternativen wählen:

DVB-T2 HD

Dann muss ein neues TV-Gerät mit integriertem digitalen Antennenempfang oder ein neuer Receiver her. Zu den Gerätekosten kommt, möchte man künftig Privatfernsehen in HD gucken, die Jahresgebühr in Höhe von 69 Euro, die ab Juli fällig wird. Für die privaten Sender wird übrigens bei einem DVB-T2-fähigen TV-Gerät noch ein CI-Modul nötig. Kostenpunkt: rund 80 Euro.
Verwalten wird die Einnahmen das von Freenet übernommene Media Broadcast. Gezahlt werden soll der Beitrag – ähnlich bei wie HD+ über Satellit - über eine Guthabenkarte im Prepaid-Verfahren. Eine solche Karte kann wahlweise im stationären Handel oder über den Online-Shop von Freenet TV gekauft werden.
Dafür gibt es vom Start weg bis zu 20 Programme der öffentlich-rechtlichen TV-Anbieter und 19 Privatsender auf der Freenet-TV-Plattform. Hinzu kommen weitere 20 lineare Programme, Apps, On-Demand-Angebote und Mediatheken über Freenet TV Connect (HbbTV).

Kabel und Satellit

Funktioniert nicht überall und ist auch oft von der Wohnsituation abhängig, zumal nicht jeder Hauseigentümer Satellitenempfang duldet. Zudem wurden viele DVB-T-Empfänger für Zweitgeräte in Haushalten angeschafft, womit die Not für viele TV-Fans erst einmal gar nicht so groß ist. Bereits der DVB-T2-HD-Vorgänger positionierte sich stets als Alternative für TV-Haushalte, die Kabel- und Satellitenempfang nicht nutzen können oder wollen. 

Streaming

Immer mehr Verbraucher sehen über das Internet fern und nutzen so genannte Triple Play Tarife, bei den vor allem auch die Kabelnetzbetreiber wie Vodafone oder Unity Media mitmischen. Neben einer Flatrate für Internet und Telefon beinhalten solche Tarife auch den Empfang von HD-Fernsehen – wie etwa beim neuen Angebot Giga TV von Vodafone. Auch reine Streaminganbieter wie Amazon Prime oder Magine positionieren sich als Alternative zum "Fernsehen überall und jederzeit" und peppen ihre Offerten derzeit mit TV-Angeboten auf.

Apps

Wer's komplett mobil am liebsten hat – dem kommen Apps zu Hilfe. Lieblingssender können über einzelne Anwendungen wie etwa von ProSieben oder Sat.1 auf Tablets, Smartphones oder Smart-TV-Geräten abgerufen werden. Meistens sogar kostenlos. Das Vodafone-Angebot Giga TV liefert zusätzlich eine App für 9,99 Euro pro Monat, die Zugang zu TV, Mediatheken und Abrufofferten wie Maxdome bietet.

Verzicht

Nicht wirklich ernst gemeint. Dennoch: Glaubt man Kommentaren und Foren, so hat der erzwungene Wechsel des digitalen Antennensystems von DVB-T auf DVB-T2 HD viele verschreckt und Kritiker auf den Plan gerufen. Vielleicht haben ja nun doch ein paar die Nase voll vom Glotzen. Zumindest fürs Erste. 

Hier noch ein Überblick über die technische Entwicklung des Fernsehens - von Schwarz-Weiß zu DVB-T2 HD

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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