Erster Art Director beim "Spiegel": Uwe C. Beyer im W&V-Porträt

Mit Uwe C. Beyer bekommt der "Spiegel" den ersten offiziellen Art Director in seiner Geschichte. Der Blatt-Designer kennt das Haus gut: Vor 15 Jahren war er hier bereits Layout-Chef. Ein Porträt von Manuela Pauker.

Text: Manuela Pauker

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Mit Uwe C. Beyer bekommt der "Spiegel" den ersten offiziellen Art Director in seiner Geschichte. Der Blatt-Designer kennt das Haus gut: Vor 15 Jahren war er hier bereits Layout-Chef. Ein Porträt von Manuela Pauker.

Über den "Spiegel" hatte Uwe C. Beyer eigentlich bisher schon nur Gutes zu sagen:  Der Verlag sei "der mit Abstand netteste und kultivierteste" in Deutschland, und "die beste Kantine" habe er auch. Dass Beyer spätestens im Oktober diesen Jahres als Art Director zu dem Nachrichtenmagazin wechseln wird, dürfte er also zweifellos als Pluspunkt in seiner Vita verbuchen. Noch dazu, wo er der erste offizielle Art Director des Blattes überhaupt sein wird. Die Entscheidung, diese Position zu schaffen, hat Chefredakteur Georg Mascolo getroffen, an den Beyer künftig direkt berichtet: In Beyers Person sollen die Fäden rund um den Bereich Bild künftig noch stärker als bisher zusammenlaufen. Der 44-Jährige soll in seinem neuen Job, so Mascolos erklärtes Ziel, "den Spiegel in Bildsprache und Design weiter entwickeln." Dazu zählt nicht nur das Hauptblatt, sondern auch dessen Satelliten, wie etwa der Jugend-Ableger "Dein Spiegel" oder Specials wie "Spiegel Geschichte" und "Spiegel Wissen". Ein klassischer Relaunch sei allerdings nicht geplant, heißt es im Haus.

Dieses Haus kennt Beyer gut – und nicht nur die Kantine. Er war bereits zu Zeiten des damaligen Chefredakteurs Stefan Aust für die Optik des "Spiegel" zuständig – damals im Rang eines Layout-Chefs. In dieser Zeit, vor rund 15 Jahren, führte er den Look ein, mit dem das Heft nach wie vor erscheint. Und damit gegen eine der Haupt-Devisen des Blattmachers verstößt: Eigentlich, so findet er, sollte sich ein Magazin "alle 18 bis 20 Monate" verändern. Einschränkung: Das gelte in erster Linie für Lifestyle-Titel. Auch nach der "Spiegel"-Zeit gab es immer wieder Aufträge vom Verlag. Unter anderem arbeitete er an der Entwicklung der iPad-App mit. Außerdem feilte er am Online-Auftritt des "Spiegel", und auch für das Schwesterblatt "Manager Magazin" war er tätig.

Abseits des "Spiegel"-Dunstkreises hat der gelernte Verlagskaufmann – seine Lehre machte er bei Westermann, wo er schnell in der Grafik-Abteilung landete – ebenfalls jede Menge prestigeträchtiger Arbeiten abgeliefert: Als Art Director zeichnete das Gründungsmitglied der Ganske-Zeitung "Die Woche" unter anderem auch schon für den Kölner Privatsender RTL und das "Zeit Magazin" verantwortlich; beim Gruner + Jahr-Flaggschiff "Stern" betreute er als Ressortchef den Bereich Infografik und Illustration. Sein eigenes Unternehmen zog Beyer im Jahr 1997 auf: damals gründete er das Büro Freihafen Hamburg, längst eine bekannte Adresse für Zeitschriftendesign. Seit 2007 agiert er hier als Geschäftsführender Gesellschafter.

Neben Magazinen würde der in Braunschweig geborene Designer aber gerne auch mal etwas anderes gestalten. Und zwar so manches in seiner Heimatstadt, wie er in einem einige Jahre zurückliegenden Interview mit dem dortigen Stadtmagazin "Subway" – natürlich ebenfalls von ihm überarbeitet – verkündete. Zum einen sei das die Braunschweiger Zeitung: "Das Gelb muss weg". Und, dem erklärten Eintracht Braunschweig-Fan vielleicht fast noch wichtiger, das Wappen des Zweitligisten: "Die Raute muss weg".“ Beides ist noch immer vorhanden – vielleicht bekommt Beyer seine Chance noch. In nächster Zeit dürfte allerdings der Spiegel-Verlag seine Aufmerksamkeit etwas stärker beanspruchen. Braunschweig muss also vermutlich noch ein wenig warten.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



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