Gerüchte um "Focus"-Chefredaktion: Kommt "Bild"-Mann Quoos?

In der Branche wird spekuliert, ob Jörg Quoos, derzeit noch stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, in die Redaktionsspitze des Burda-Titels einzieht.

Text: Manuela Pauker

Unruhe in der "Focus"-Redaktion: Branchengerüchten zufolge soll mit Jörg Quoos ein neuer Kandidat für den Chefredakteursposten im Gespräch sein.

Der 48-jährige Quoos ist derzeit bei der Axel Springer AG noch Stellvertreter des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann. Springer hat aber bereits Anfang dieser Woche gemeldet, Quoos werde das Haus zum Jahresende nach acht Jahren auf eigenen Wunsch verlassen, „um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen“. Ob diese Herausforderung die redaktionelle "Focus"-Leitung sein wird, ist offen: Bei Burda will man sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Letztere dürften jedoch nicht von ungefähr kommen: Immerhin ist die Auflage des Titels seit einiger Zeit im Abwärtstrend. Zuletzt wurden im ersten Quartal laut IVW 541.295 Hefte verkauft, 10,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Diese Bilanz ist allerdings ein wenig verzerrt. Der Grund: In das erste Quartal 2011 fiel das "Focus"-Jubiläum; das Heft wurde zu diesem Anlass für einen Euro feilgeboten. Das Ergebnis:  Die verkaufte Auflage kletterte auf über 600.000 Exemplare. Mit der Entwicklung der letzten sechs Quartale sei man im Verlag insgesamt zufrieden, ist zu hören – auch wenn die großen Schwankungen im Einzelverkauf Anlass zur Sorge geben dürften.

Dennoch: Im Verlagsumfeld heißt es, der amtierende "Focus"-Chefredakteur Uli Baur genieße das Vertrauen der drei wichtigsten Entscheider in Sachen "Focus". Das sind Verlagsvorstand Philipp Welte, Burkhard Graßmann, Geschäftsführer der übergeordneten Burda News Group, sowie nicht zuletzt Verleger Hubert Burda. Denn Baur, zusammen mit Helmut Markwort Mitgründer des Magazins, hat dem Vernehmen nach maßgeblich dazu beigetragen, in die "Focus"-Redaktion nach dem zwiespältig aufgenommenen Gastspiel von Zwischenzeit-Chefredakteur Wolfram Weimer - er war ab Mitte 2010 rund ein Jahr an Bord - wieder Ruhe zu bringen.

Zudem, heißt es, sei das Anzeigengeschäft derzeit auf einem guten Kurs: Das erste Halbjahr zeige einen Trend von rund zehn Prozent plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies liege auch daran, dass das Heft inhaltlich insgesamt wieder besser werde, allen heftigen Auflagenschwankungen zum Trotz. Dass mit einem potenziellen "Focus"-Macher verhandelt wird, sei daher wohl nicht ausgeschlossen – aber dann sei Baur, dessen Vertrag erst kürzlich verlängert wurde, an dem Prozess sicher beteiligt. Eine eventuelle Konzeptveränderung in Richtung Boulevard, die unter einer möglichen Mitwirkung des "Bild"-Mannes Quoos in der Branche diskutiert wird, hält man im Verlagsumfeld jedenfalls für eher unwahrscheinlich: Das würde einfach keinen Sinn ergeben, so die Einschätzung. Auf jeden Fall würde beim Burda-Nachrichtenmagazin mal wieder eine neue Ära anbrechen.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde