"heute“-Relaunch, Sex-Talk: So drückt Bellut der ZDF-Familie seinen Stempel auf

Das Flaggschiff "heute" will ZDF-Intendant Thomas Bellut dem modernen Nachrichtenkonsum anpassen. Inspirieren lässt sich der neue Lenker des Zweiten unter anderem vom Publikum...

Text: Petra Schwegler

Der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut drückt aufs Tempo bei seinem Vorhaben, das Zweite deutlich zu verjüngen und mit der Senderfamilie wieder mehr Zuschauer unter 60 Jahren zu erreichen. Ein wichtiger Part: die Säule Information. Der "Zeit“ verrät der frühere Programmdirektor des Zweiten, dass er Veränderungen bei den 19-Uhr-Nachrichten "heute“ plane. Das Flaggschiff des ZDF müsse sich „erneuern“. Grund dafür sei, dass die klassischen Tagesnachrichtensendungen „viel stärker in Konkurrenz zu den Internetanbietern“ stünden, so Bellut. Sie müssten beweisen, dass sie für die Zuschauer trotzdem wichtig bleiben würden. Nächste Woche wolle er in dieser Sache die Redaktion besuchen.  

Unzufrieden zeigt sich der Intendant mit dem Unterhaltungsprogramm des ZDF: Quizsendungen seien auch nicht mehr „auf der Höhe“, auf der sie einmal waren. Zur Zahl der Kochsendungen sagt Bellut der “Zeit“: „Die Grenze ist erreicht.“ Auch der Publikumsmagnet Volksmusik habe nachgelassen: Volksmusik sei einst „der größte Verein“ gewesen, „aber den gibt’s nicht mehr“.  In Sachen Show hat Thomas Bellut schon eínmal die Wende eingeleitet – und den bisherigen Eyeworks-Chef Oliver Fuchs als künftigen Unterhaltungsverantwortlichen nach Mainz geholt.

Überhaupt: Für Thomas Bellut steht das Programm im Zentrum seines Amtes. Er werde sich künftig wieder mehr ums Programm kümmern, verrät er der "Süddeutschen Zeitung".  Als Intendant falle es einem "schwerer, dicht am Programm zu bleiben", bedauert Bellut, der jetzt als Chef des Zweiten viel mehr unterwegs ist als zuvor als Programmdirektor. Thomas Bellut macht erneut seinen Bedenken Luft, wonach das Image des ZDF so altbacken und die Konkurrenz der Kommerzsender so groß sei: "Es wird schwieriger, die Akzeptanz (für das öffentlich-rechtliche Fernsehen) aufrechtzuerhalten, sagt er der „SZ“.  Und wie lautet sein Rezept? Bellut wolle mehr aufs Publikum hören. Er suche "nach neuen Formen, mit dem Publikum in einen Dialog zu treten“. Wohl helfen ihm seine Redaktionen dabei, die sich eifrig im Social Web tummeln und so in stetem Dialog zum Publikum stehen. Bellut braucht aber auch Visionen: "Ich muss erahnen, was in zehn Jahren sein wird", zitiert das Blatt den ZDF-Intendanten.

Mehr und mehr wirken die digitalen Ableger ZDFneo, ZDFkultur und ZDFinfo wie Testlabore für den Hauptsender auf dem Mainzer Lerchenberg. Dort werden neue Serien, neue Genres und neue Gesichter platziert. Neuester Versuch: "Im Bett mit Paula", ein Sex-Talk mit Autorin Paula Lambert auf ZDFkultur. Für Ihre sechsteilige Reihe, die der Sender von  8. Juli an immer sonntags um 22.00 Uhr präsentiert, lädt sie sich in jede Sendung zwei Männer in ihr Berliner Bett ein, um jedem auf den Zahn zu fühlen. Auch so etwas gibt es unter der Regentschaft Belluts.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.