Im Rechtsstreit um Suhrkamp: Barlach will Verlag übernehmen

Hans Barlach, Minderheitgesellschafter des Suhrkamp-Verlags, will das Berliner Unternehmen komplett übernehmen. Der Verlag sei "wirtschaftlich gefährdet" sagte er der "Zeit" und gießt so neues Öl ins Feuer: Die Gesellschafter des Verlags bekriegen sich vor Gericht.

Text: Julia Kloft

- keine Kommentare

Hans Barlach, Minderheitgesellschafter des Suhrkamp-Verlags, will das Berliner Unternehmen komplett übernehmen. Der Verlag sei "wirtschaftlich gefährdet", sagte der Medienunternehmer der Wochenzeitung "Die Zeit" (EVT: 15. März). Er habe "am 7. März vor Gericht ernsthaft das Angebot gemacht, auch die 61 Prozent der Familienstiftung zu kaufen, weil wir daran glauben, dass wir diesen Verlag besser führen könnten". Die Mehrheitsgesellschafter um Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz haben das Angebot Barlach zufolge jedoch abgelehnt.

Das überrascht nicht: Die Suhrkamp-Gesellschafter sind seit Jahren zerstritten. Barlach, Enkel des Bildhauers Ernst Barlach, hält über seine Medienholding Winterthur 39 Prozent an dem Literaturverlag. Er hatte im Jahr 2006 die Anteile von Andreas Reinhart gekauft. Ulla Unseld-Berkéwicz, Witwe des Verlagsgründers Siegfried Unseld ist Geschäftsführerin und steht der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung vor, Mehrheitsgesellschafterin des Verlags.

Im Herbst 2011 zog Barlach gegen die Verlegerwitwe vor Gericht. Sein Vorwurf: Missmanagement und die Vermischung von geschäftlichen und privaten Interessen. Der Verlag habe "langjährige Flächen in der Villa seiner Geschäftsführerin für Events und Autorenübernachtungen" angemietet, zitiert "Die Zeit" Barlach. „Die Mietflächen in der Gerkrathstraße und die Aufwendungen, die vom Verlag getroffen wurden, dienen unseres Erachtens zum großen Teil der privaten Lebensführung von Frau Berkéwicz und den weiteren Hausbewohnern“. Das stelle „eine unzulässige Mischung von Geschäftlichem und Privatem dar“.

Von 2003 bis 2009 habe Suhrkamp Verluste gemacht, so Barlach in der "Zeit". Die "außerordentlichen Ergebnisse" im Jahr 2010 seien durch den Verkauf von "nicht betriebsnotwendigem Anlagevermögen" entstanden. Barlach verlangt die Absetzung von Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin. Das Landgericht Berlin soll das Urteil am 9. Mai fällen.


0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit