"InTouch"-Chef Affeld und der nackte Prinz Harry: "Warum moralische Bedenken?"

Bauers "InTouch" bringt am Donnerstag die Nacktfotos von Prinz Harry. Medien-Coup oder Peinlichkeit? W&V-Redakteurin Anja Janotta hat dazu "InTouch"-Chef Tim Affeld interviewt.

Text: Anja Janotta

29. Aug. 2012

An diesem Donnerstag erscheint Bauers "InTouch" deutschlandexklusiv mit den Nacktfotos des britischen Prinzen Harry, die in Großbritannien schon für Medienaufruhr gesorgt haben. In Großbritannien gingen bislang 4.000 Beschwerden beim Presserat Press Complaints Commission über die pikante Veröffentlichung in der "The Sun". Beim Berliner Presserat willl man nun erst einmal abwarten. Sprecherin Edda Kremer sagte, man wolle noch keinen Beschwerden vorgreifen, aber es sei grundsätzlich  "sicherlich diskussionswürdig", wenn ein Prominenter nackt abgebildet werde.

Chefredakteur Tim Affeld verteidigt gegenüber W&V Online die Veröffentlichung. Er erzählt, wie stark die Konkurrenz um die Bilder war, wie Werbekunden und Redaktion mit moralischen Bedenken umgehen. 300.000 Exemplare gehen - so ist es bislang geplant - mit dem nackten Prinzen auf dem Cover in den Verkauf.

W&V: Haben Sie die Rechte an den Bildern exklusiv erworben? War die Konkurrenz groß?

Tim Affeld: Ja, wir haben die Fotorechte exklusiv für Deutschland erworben. Die Konkurrenz war sehr groß. Kein Thema wurde in den vergangenen Tagen so heiß diskutiert, wie Prinz Harrys wilde Party-Nacht – da ist es klar, dass unsere Konkurrenztitel auch sehr an den Bildern interessiert waren.

Gab es in Ihrer Redaktion auch moralische Bedenken? Wie gehen Sie damit um?

Warum moralische Bedenken? Es geht hier doch nur um einen jungen Mann, der Spaß gehabt hat. Prinz Harry hat ja kein Verbrechen begangen. Trotzdem löste sein Verhalten einen Skandal aus, der massive Auswirkungen auf das britische Königshaus hat. Deshalb muss es auch erlaubt sein darüber zu berichten.

Wird Ihre Druckauflage extra erhöht?

Nein. Aber bei Geschichten wie dieser geht es uns nicht nur darum, die Auflage zu steigern. Man muss durch exklusive Geschichten und Fotos überzeugen.

Wie ist die Reaktion der Werbekunden? Wurden Sie verstärkt gebucht? Gab es auch Bedenken seitens der Werbekunden? Oder freuen sie sich über das zusätzliche Interesse?

Die meisten Anzeigenkunden reagieren nicht so kurzfristig auf News-Geschichten. Aber natürlich erregt man mit solchen Geschichten eine Aufmerksamkeit, die sich langfristig für die Marke "InTouch" auszahlt.

Wie werden Sie Werbung für die kommende Ausgabe machen? Gibt es besondere Aktionen?

Nein, wir werden keine TV-Spots schalten. Das müssen wir auch nicht. Im Internet verbreitet sich die Nachricht, dass InTouch die Harry-Fotos zeigt, unglaublich schnell.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



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