Lesetipp :
"It Ran": Das No-Content-Magazin

Kein Witz. In diesem Heft finden sich keine Inhalte, keine Geschichten, keine Nachrichten, keine Reportagefotos oder inszenierte Shootings. Das Magazin "It Ran" besteht zu 100 Prozent aus Werbung.

Text: Susanne Herrmann

Wenn sich Werber wirklich austoben dürfen - so ganz ohne Kunden - dann kommt Werbung wie in "It Ran" heraus.
Wenn sich Werber wirklich austoben dürfen - so ganz ohne Kunden - dann kommt Werbung wie in "It Ran" heraus.

Kein Witz. In diesem Heft finden sich keine Inhalte, keine Geschichten, keine Nachrichten, keine Reportagefotos oder inszenierte Shootings. Das kanadische Magazin "It Ran" besteht zu 100 Prozent aus Werbung. Und kommt natürlich von Werbern.

Die Kreativen der Agentur LG 2 bieten ihren Kollegen und Wettbewerben an, ihre verschmähten Arbeiten hier für 500 Dollar zu schalten. Das Geld geht an einen guten Zweck: LG 2 arbeitet mit der National Advertising Benevolent Society (NABS) zusammen,einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um die soziale Absicherung kanadischer Kreativer kümmert. Die bekommt die Einnahmen. Verkaufserlöse gibt es keine; LG 2 hat die Ausgaben gratis in kanadischen Agenturen verteilt.

Über "It Ran" berichtete WGSN Insider. Und ist voll des Lobes - nicht nur, weil die Erlöse Werbern in Not helfen, sondern auch ihren Kampagnen - Arbeiten, die sonst nie umgesetzt würden, weil sie zu schlau, zu krass, zu politisch oder einfach zu sexy sind. WGSN hat mit dem Kreativteam bei LG 2 gesprochen, das hinter "It Ran" steckt: Chris Hirsch und Nellie Kim. Denn das inhaltsfreie Heft ist keine Eintagsfliege, die Buchungsfrist für Ausgabe zwei ist im August.

Die Idee entstand, so die Macher, aufgrund des Gemurmels, das auf allen Preisverleihungen und im Anschluss immer losgeht: Diese Kampagne sei doch gar nicht gelaufen ("There’s no way that ran."). Da könne man sich mit "It Ran" einerseits ein wenig über die eigene Branche lustig machen - und andererseits den Kreativen die Möglichkeit geben, sich richtig auszutoben.

Dabei herausgekommen sind im ersten Anlauf Kampagnen wie "White Men cologne", die die unzureichende Heterogenität von Führungsetagen in der Werbung aufspißt, oder #LeftiesArePeopleToo, die sich über Hashtag-Kampagnen lustig macht, zu denen es oft gar keine wirklichen Kundenanliegen gibt.

Ein schöner Tipp, wie wir finden, für deutsche Kreative und Medienmacher. (sh/ccm)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.