Jörg Quoos ist ab 2013 neuer "Focus"-Chef

Es ist offiziell: Der "Bild"-Mann wechselt an die Spitze des Burda-Titels. Noch-Chefredakteur Uli Baur wird Herausgeber.

Text: Manuela Pauker

11. May. 2012

Es ist offiziell: "Focus" bekommt einen neuen Chefredakteur. Jörg Quoos, über den bereits in den vergangenen Tagen spekuliert wurde, übernimmt zum 1. Januar kommenden Jahres die Chefredaktion des Burda-Titels. "Focus"-Mitgründer Uli Baur, derzeit an der Spitze des Titels, übernimmt zum gleichen Zeitpunkt neben Helmut Markwort die Herausgeberschaft des Blattes. Quoos, bislang bei der Axel Springer AG Stellvertreter von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, war bei dem Blatt in erster Linie für die Bereiche Politik und Wirtschaft zuständig; von 1997 bis 2001 betreute er diese Bereiche als stellvertretender Chefredakteur.

Für die "Focus"-Redaktion selbst kommt die Personalie anscheinend etwas überraschend: Dem Vernehmen nach wurden ihr gegenüber Verhandlungen mit Quoos noch vor wenigen Tagen dementiert. Hinter den Kulissen lief die Geschichte aber schon länger - der Vertrag kam offenbar schon im Januar zustande. Dass das Ganze ein längerer Prozess war, legt auch das Zitat von Uli Baur in der offiziellen Mitteilung des Hauses nahe: "Ich habe mich bereits vor längerer Zeit entschlossen, die Chefredaktion abzugeben, weil meine persönliche Lebensplanung nach fast 35 Jahren im aktuellen Journalismus etwas anderes vorsieht", heißt es da. Dennoch sei er der Bitte des Vorstands nachgekommen, "Focus auch in den nächsten Jahren erhalten zu bleiben." Mit Quoos hat Baur dem Vernehmen nach selbst schon "mehrfach" über das Blatt gesprochen - vermutlich also auch über die Linie, die der Titel unter der neuen Leitung fahren soll. Angesichts der Tatsache, dass Quoos für Politik und Wirtschaft steht, ist eine Wendung hin zum Boulevard, wie in der Branche bereits spekuliert, also eher unwahrscheinlich.

Einfach wird die Aufgabe, die der 48-jährige Bild-Mann übernimmt, sicher nicht. Die Auflage des Titels ist weit von einstigen Glanzzeiten - in den Jahren 2001 bis 2003 wurde immer mal wieder die 800.000er-Marke geknackt - entfernt. Zum Vergleich: Zuletzt wurden im ersten Quartal laut IVW 541.295 Hefte verkauft, 10,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Diese Bilanz ist allerdings ein wenig verzerrt. Der Grund: In das erste Quartal 2011 fiel das "Focus"-Jubiläum; das Heft wurde zu diesem Anlass für einen Euro feilgeboten. Das Ergebnis:  Die verkaufte Auflage kletterte auf über 600.000 Exemplare. Mit der Entwicklung der letzten sechs Quartale sei man im Verlag insgesamt zufrieden, ist zu hören – auch wenn die großen Schwankungen im Einzelverkauf Anlass zur Sorge geben dürften. Insbesondere bei der Titelgestaltung, die den Einzelverkauf maßgeblich beeinflusst, wird Quoos wohl Hand anlegen müssen. Welche weiteren Veränderungen im Blatt anstehen - insbesondere auch personeller Art - ist derzeit noch offen.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit