Live-Bericht: Gute Stimmung auf der MipTV

Die Stimmung ist - wie das Wetter - gut in Cannes. Die deutschen Produzenten und Lizenzhändler hoffen auf gute Geschäfte und zeigen sich zuversichtlich. Doch der Trend ist: Video-on-Demand via Web.

Text: Sebastian Feuß

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„Sunny Cannes“ hat seinem Namen gestern wieder alle Ehre gemacht: Sonne und strahlend blauer Himmel zum Auftakt der internationalen Fernsehmesse Mip TV an der südfranzösischen Croisette. Wetter gut, Stimmung gut: Fernsehproduzenten, Einkäufer und Verleiher machten gestern einen insgesamt aufgeräumten Eindruck. Euro-Krise?

Zumindest die großen deutschen Produzenten und Lizenzhändler begegnen ihr, so scheint es, vergleichsweise gelassen. Ganz anders sieht das bei den Spaniern, Italienern und Griechen aus. Sie zeigen in diesem Jahr deutlich weniger Präsenz. "Der spanische Produktionsmarkt liegt praktisch brach. Für die Produzenten dort ist das natürlich eine Katastrophe – für uns Lizenzhändler wiederum gut“, war nicht nur einmal zu hören.

Insgesamt hat sich die Zahl der Produktionsfirmen, die sich auf fünf Stockwerken im Palais des Festival und in der Riviera Hall nebenan präsentieren, um 25 Prozent erhöht – hieß es im Vorfeld. "Wir erwarten mehr als 11.500 Branchenvertreter aus mehr als 100 Ländern“, sagte Laurine Garaude, Fernsehdirektorin beim Messe-Organisator Reed Midem vor Beginn der Messe. Mindestens 70 neue Ausstellungsflächen seien dazugekommen. Auch die großen US-Majors sind im Gegensatz zu den Vorjahren offenbar wieder vertreten.

Aus Deutschland sind die wichtigen Player mit dabei und zeigen ihr Portfolio. Die Oberhachinger Beta Film etwa ist mit einem 200-Stunden-Paket internationaler Produktionen angereist. Die Highlights zeigt Beta Film an diesem Montag beim traditionellen Brunch in der Lobby des Hotel Majestic: Besonders feiert man Serien wie Tom Fontanas "Copper“, "Arctic Air“ und "Grand Hotel“ sowie preisgekrönte Spielfilme wie "Hell“ oder "In Darkness“, das für einen Oscar nominiert war. Zu den gut ein Dutzend TV-Movies im Beta Film-Lineup gehören "München 72“ und "Das Wunder von Bern“.

Im Mittelpunkt der zahlreichen Vorträge und Veranstaltungen im Palais stehen in diesem Jahr die Themen Branded Entertainment, 3D-Fernsehen, Smart-TV und die neuen Player im Markt: Online-Video-on-Demand-Plattformen wie Netflix und Amazons Leih- und Streaming-Portal Lovefilm. Zwei Millionen Abonnenten habe man in Großbritannen, den skandinavischen Ländern und Deutschland, sagte Amazons Vice President Anthony Bay gestern in seiner Keynote im Grand Auditorium. Inzwischen übertreffe das Streaming-Angebot das Leihgeschäft.

In exklusive Inhalte wolle man jedoch nicht investieren, so Bay. Konkurrent Netflix hatte dies im vergangenen Jahr mit der Serie „Lilyhammer“ getan. Amazon setzt auf den neuen Dienst „Amazon Studios“, der offenbar nach dem Crowdsourcing-Prinzip funktioniert.


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