Großbritannien :
Lokalzeitungen verlieren dramatisch an Auflage

Während die Print-Auflage der Regional- und Lokalpresse in den Keller geht, legt die Onlinenutzung stark zu.

Text: Franz Scheele

Wie dramatisch die Situation der britischen Lokal- und Regionalpresse ist, zeigen die aktuellen Zahlen des Auflagenkontrolleurs ABC für den Zeitraum von Juli bis Dezember 2017. Danach musste die Mehrzahl der Titel Verluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen – und dies bei einer ohnehin in den vergangenen Jahren erheblich zusammengeschmolzenen Print-Auflage. Selbst in den Großstädten und Metropolregionen wie Manchester, Liverpool oder Birmingham erreichen die Zeitungen nur noch eine verkaufte Auflage, die deutlich niedriger ist als die zahlreicher deutscher Lokalzeitungen in mittelgroßen Städten wie Karlsruhe, Passau oder Paderborn.

So kommt der Lokalzeitungstitel Press & Journal in Aberdeen nur noch auf gut 48.000 Exemplare – 7 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2016. Damit ist das Blatt aber bereits Auflagenspitzenreiter unter den britischen Lokal- und Regionalzeitungen – sieht man einmal von der Sonderstellung des London Evening Standard ab, der als Gratisblatt eine verteilte Auflage von 867.000 Exemplaren hat.

Auf Rang zwei der kostenpflichtigen lokalen Tageszeitungen liegt der Express & Star (West Midlands) mit 47.700 Exemplaren. Das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahr – und mehr als 9000 Exemplare werden davon kostenlos abgegeben. Auf den weiteren Plätzen folgen die Manchester Evening News (39.400 Exemplare, -16%, darunter 17.000 Freiexemplare), das Liverpool Echo (38.500, -13%) und der Belfast Telegraph (36.400, -9%, davon 7000 Freiexemplare). Größter Verlierer war die Yorkshire Evening Post in Leeds mit einem Minus von 29 Prozent auf nur noch 11.500 Exemplare.

Der britische Lokal- und Regionalzeitungsmarkt wird von den drei großen Medienkonzernen Trinity Mirror, Johnston Press und Newsquest Media beherrscht, die teilweise mehr als 200 Titel herausgeben. Während die Print-Ausgaben der Titel für die Verlage aber rapide an Bedeutung verlieren, investieren sie kräftig in ihre Digitalangebote.

Die erreichen teilweise enorme Nutzerzahlen. So verzeichnet beispielsweise die Manchester Evening News über 980.000 tägliche Nutzer ("Daily unique browsers"), das Liverpool Echo über 700.000 und die Birmingham Mail, deren Print-Auflage bei nur noch 16.600 Exemplaren dümpelt (-13%), über 400.000. Trinity Mirror führt neuerdings bei einigen Titeln die Onlineausgaben als eigenständige Business-Unit unter der Dachmarke "Live" – der Zeitungstitel verschwindet dabei von der Website (W&V Online berichtete).


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.