Diese veränderte Innovationskultur des Printlagers musste sich in den Köpfen erst mal verankern. Inzwischen ist das passiert. In vielen Häusern, etwa bei Bauer oder Gruner, gibt es eine Infrastruktur für Innovationen, die jeder, der will, nutzen kann. Das Scheitern eines Projekts wird nicht mehr als große Katastrophe gesehen, sondern als Chance, daraus zu lernen. Klar, kosten darf so eine Idee nicht allzu viel, und im Normalfall kommen die neuen Ideen von Mitarbeitern, die ohnehin schon mit ihren bestehenden Aufgaben ausgelastet sind. Aber das ist der Preis für schnelleres Agieren. Und Risikominimierung: Wer eine Idee hat, die nicht so gut läuft, steht dann nicht vor dem beruflichen Abgrund – sondern macht in den meisten Fällen eben das weiter, was er bisher schon betreut hat.

Einen gigantischen Magazinstart wie den der deutschen "Vanity Fair" im Jahr 2007 gibt es sicher nie wieder. Weder in Deutschland noch sonst irgendwo auf der Welt. Knapp 100 Mio. Euro hat die US-Mutter Condé Nast während des zwei Jahre dauernden Versuchs dem Vernehmen nach versenkt. Ein Verlust, der nicht nur das Haus lange zu lähmen schien, sondern die ganze Branche. Aber auch daraus haben die Verlage nach einer ersten Schockstarre gelernt. Nicht mehr alles auf eine Karte setzen! Das nimmt den Druck und macht den Kopf frei. Für neue Ideen. Die vielleicht nicht immer funktionieren. Aber manchmal eben doch.

Der Kommentar ist zuerst erschienen in W&V 25/2016. Kein Abo? Hier entlang.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde