Bundesligarechte beim Kartellamt :
Mehr Bundesliga-TV im Netz? Rummenigge lotet Vereinsweg aus

Der Chef des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, will nach Informationen der "SZ" eine eigenständigere Vermarktung der Bundesliga-TV-Rechte durch die Vereine erreichen.

Text: Petra Schwegler

FC-Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat laut einem Bericht der ”Süddeutschen Zeitung“ (Freitagsausgabe) beim Bundeskartellamt Möglichkeiten für eine andere Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte ausgelotet. Der Chef des deutschen Fußball-Rekordmeisters will nach Informationen der Zeitung eine eigenständigere Vermarktung der TV-Rechte durch die Vereine erreichen - einmal mehr. Bereits zu Kirch-Zeiten hatten die Münchner Sonderwege eingefordert, um mehr Erlöse aus den TV-Rechten zu erzielen.

Der Münchner Club hätte gern mehr Freiheiten, etwa bei der Vermarktung außerhalb Deutschlands und im Internet. ”Es wurde diskutiert, was für den FC Bayern möglich ist“, hieß es. Der Besuch habe vor gut drei Wochen stattgefunden. ”Im Laufe der Prüfung werden auch Gespräche mit einzelnen Marktteilnehmern geführt“, zitierte die ”SZ“ das Kartellamt.

Die Wettbewerbshüter in Bonn befassen sich derzeit mit dem Vergabeverfahren der Fernsehrechte, da die 36 Proficlubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga die Rechte über die Deutsche Fußball Liga (DFL) zentral vermarkten. Daher ist eine Prüfung der von der Liga geschnürten Pakete im Vorfeld notwendig. Anfang 2016 soll es zur Ausschreibung kommen, im April will die DFL um Geschäftsführer Christian Seifert die Rechte neu vergeben.

Der laufende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro endet 2017. In dieser Saison verteilt die DFL aus der zentralen Vermarktung insgesamt 850 Millionen Euro, von denen ein Großteil Sky stemmt. 170 Millionen davon - 20 Prozent - gehen an die 2. Liga.

Fußball-Zweitligist FC St. Pauli hat inzwischen seinen viel diskutierten Antrag zu den TV-Rechten in Deutschland auf seiner Internetseite verteidigt. Der Antrag ziele lediglich darauf ab, ob neben den rein sportlichen noch weitere geeignete Kriterien für die Verteilung des Fernsehgeldes in Bundesliga und 2. Bundesliga in Frage kämen, hieß es weiter. Mit diesem Antrag setze sich der Club für die Stärkung der 50+1-Regel ein. St. Pauli hatte mit seiner Forderung für den DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt ein großes Echo ausgelöst. Werksvereine wie Bayer Leverkusen reagierten mit scharfen Worten und hatten in Branchenprimus FC Bayern München einen Unterstützer.

Der Antrag richtet sich gegen alle Vereine, die sich aufgrund einer Ausnahmegenehmigung nicht an die so genannte 50+1-Regel über die Stimmenmehrheit bei deutschen Proficlubs halten müssen. Dies würde vor allem die Werksclubs Leverkusen und VfL Wolfsburg sowie 1899 Hoffenheim mit Mäzen Dietmar Hopp betreffen. Von 2017 an könnte auch Hannover 96 dazugehören.

Übrigens: Laut Deloitte ist die Bundesliga bereits in der laufenden Rechte-Periode nach Umsatz die zweitstärkste Liga in Europa. Nach dem Mega-Milliarden-Deal der Premier League in Großbritannien dürften die deutschen Fußball-Bosse indes nach noch mehr Erlösen gieren – wie ja auch am Rummenigge-Vorstoß zu erkennen ist.

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.