Streaming auf dem Vormarsch :
Netflix räumt bei Emmy-Nominierungen ab

Die Streaming-Anbieter Netflix, Hulu und Amazon machen den TV-Sendern in den USA das Leben zunehmend schwer. Nur NBC hält mit.

Text: Manuela Pauker

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"Saturday Night Live" bringt NBC Emmy-Rekord
"Saturday Night Live" bringt NBC Emmy-Rekord

Wenn am 17. September in Downtown Los Angeles im Microsoft Theater die Film- und Fernsehbranche zusammenkommt, um bei der Verleihung des TV-Preises Emmy dabei zu sein, ist jetzt schon klar, wer sich auf jeden Fall freuen darf: die Streaming-Anbieter. Denn Netflix, Amazon, Hulu und Co. lassen die etablierten TV-Networks in den USA bei der Anzahl der Nominierungen in diesem Jahr größtenteils ziemlich alt aussehen. Zwar liegt mit HBO (holte 110 Nominierungen) ein Pay-TV-Anbieter unangefochten an der Spitze. Und das, obwohl die sichere Bank "Game of Thrones" diesmal keine Preise holen kann – schlicht und ergreifend aus dem Grund, dass die im Rennen befindlichen Produktionen ihren Starttermin in der Zeit von 1. Juni 2016 bis 31. Mai 2017 haben müssen. Die nächste Staffel des Fantasy-Epos geht jedoch erst am 16. Juli an den Start – was bedeutet, dass sie erst bei den Emmys 2018 wieder dabei sind.

Gleich hinter HBO rangiert Netflix mit 91 Nominierungen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Hulu, 2016 noch mit nur zwei Nominierungen dabei, kann diesmal auf 18 Preise hoffen – in erster Linie dank der Produktion "A Handmaid’s Tale", die es im Alleingang auf 13 Nominierungen bringt.  Bei Amazon Instant sieht es zwar mit insgesamt 16 Nominierungen etwas mager aus. Was aber nicht bedeutet, dass hier weniger Qualität produziert wird: US-Branchenexperten sehen bei Amazon eine stärke Ausrichtung zu den Oscars hin – vor allem, nachdem der Konzern mit "Manchester by the Sea" in diesem Februar als erster Streaming-Anbieter die goldene Statuette einheimste. Die nächste Oscar-Hoffnung hat Amazon jedenfalls schon in der Pipeline: den Film "Wonderstruck", der bereits in Cannes vorgestellt wurde.

Für die klassischen TV-Networks wird es daher immer enger: NBC liegt mit 60 Nominierungen noch ganz ordentlich im Rennen, ABC kommt auf 34, CBS auf 29, Fox auf 21 Nominierungen. NBC hat immerhin eine der beiden Top-Shows im Köcher: Der Klassiker "Saturday Night Live" profitiert von der turbulenten Trump-Ära und holt nicht nur die besten Einschaltquoten seit 23 Jahren, sondern auch 22 Emmy-Nominierungen – so viele wie die HBO-Serie "Westworld". Weitere elf Nominierungen verdankt NBC der Serie "This is us". Die Schlußfolgerung: In Sachen Programmqualität sind die Streaming-Anbieter weiter dabei, die klassischen Networks zu überrunden. An guter TV-Ware dürfte es in den kommenden Jahren jedenfalls nicht mangeln.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



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