Nielsen-Zahlen: So bringt der Mai einseitig Schwung in den Werbemarkt

Print verliert durch die Bank, Internet, TV und Radio wachsen: Nielsen Media Research belegt mit den Zahlen für den Bruttowerbemarkt bis Mai, wie sich die Rabattpolitik im TV auswirkt.

Text: Petra Schwegler

12. Jun. 2012

Nielsen Media Research verbreitet Optimismus – nachdem der Wonnemonat Mai seinem Namen gerecht wird und dem Bruttowerbemarkt (nach einer Flaute in den Vormonaten) ein Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat beschert. Aber das Plus ist sehr einseitig und zeigt, wie hart sich die Printbranche nach der Kampfansage der Tv-Unternehmen im Markt tun: Wachstum kommt nur aus den Gattungen Internet, TV und Radio. Das Team um Nielsen-Chef Ludger Wibbelt blickt dennoch zuversichtlich auf den bisherigen Verlauf des Werbejahres: Von Januar bis Mai sind 2,3 Prozent mehr an Bruttoerlösen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zusammengekommen. 10,5 Milliarden Euro haben die klassischen Medien bisher in diesem Jahr brutto erlöst. Wo die Reise hingeht – dazu mag sich Nielsen Media Research bei den aktuellen Zahlen für Mai nicht äußern.

Im Detail: Nach den ersten fünf Monaten hat sich der Bruttowerbedruck in den klassischen Medien um 2,3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gesteigert. Knapp 10,5 Milliarden haben die Above-the-line-Medien bisher brutto an Werbung umgesetzt; seit 2010 zählt auch der Boom-Sektor Internet dazu. Die Mediengattungen aus dem Printsektor tragen allerdings nicht zum Wachstum bei – sie verlieren durch die Bank. 

Am dicksten ist das Minus bei den Tageszeitungen. Sie melden mit minus 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen saftigen Erdrutsch. Sie haben bisher 2,06 Milliarden Euro an Bruttowerbeumsätzen erlöst. Auch die Publikumszeitschriften kommen nicht zum Zuge – sie verlieren 3,7 Prozent gegenüber den Erlösen aus dem Zeitraum Januar bis Mai des Vorjahres. Knapp 1,5 Milliarden Euro sind bisher brutto umgesetzt worden. Auch die Fachzeitschriften liegen nach fünf Monaten mit 2,4 Prozent Verlust im Minus – bei bisher 176 Millionen Euro an Brutto-Erlösen.

Audiovisuelle Medien dagegen können sich behaupten – zwar nicht so stark wie das Internet, das mit 16,4 Prozent plus gegenüber den ersten fünf Monaten des Vorjahres den stärksten Zuwachs verzeichnet. 1,08 Milliarden Euro sind hier in diesem Jahr laut Nielsen bereits umgesetzt worden. Stark im Rennen liegt das reichweitenstarke Medium Fernsehen. 6,3 Prozent mehr Bruttoumsatz als im Vorjahreszeitraum werden laut Nielsen mit TV-Werbung umgesetzt, mehr als 4,6 Milliarden Euro sind bisher brutto erlöst worden. An diesen Zahlen wird deutlich, dass die Kampfansage der TV-Branche an Print und eine entsprechende, schon länger wirksame Rabattpolitik 2012 auf die Erlöse durchschlägt: Fernsehen brummt, während Print kämpft. Nielsen gibt zudem für den Hörfunk bis Ende Mai ein Plus von 5,2 Prozent auf bisher gut 603 Millionen Euro Bruttowerbeumsatz aus. Damit gehört das Radio zu den Wachstumsbranchen des Jahres 2012.

Ebenfalls im Minus: Out of Home, die Gattung, unter der Nielsen seit Januar Plakat, Transport Media und At-Retail-Media zusammenfasst. Hier melden die Forscher einen Rückgang der Bruttoerlöse um 3,2 Prozent auf 499 Millionen Euro. Das Kino braucht wohl mehr Top-Filme – denn die Performance-basierte Abrechnung (die Kunden bezahlen seit 2010 die Besucher, die in den gebuchten Filmen oder Kinostandorten über die Kasse erfasst worden sind) zeigt, dass Besucher fehlen. Die Bilanz für Lichtspielhäuser bis Ende Mai: minus 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bisher knapp 32 Millionen Euro an Bruttowerbeumsätzen.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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