Burdas neue Struktur :
Playboy-Chef kehrt Bunnys nach 14 Jahren den Rücken

Vernon von Klitzing nimmt Abschied vom "Playboy". Der langjährige Verlagschef, der zuletzt als COO agierte, wird die Burda-Tochter voraussichtlich Ende Frühjahr verlassen. 

Text: Leif Pellikan

Vernon von Klitzing verlässt den "Playboy". Der langjährige Verlagschef und COO der Burda-Tochter geht nach W&V-Informationen im Frühjahr. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Ganz ohne vernünftige Übergabe will er sich von dem Lifestylemagazin nicht verabschieden. Nachdem er sich 14 Jahre lang um den "Playboy" gekümmert hat, liege ihm die Marke am Herzen. Klitzings Aufgaben übernimmt Alexander Grzegorzewski, der bei Burda seit vergangenem Dezember die Titel "Focus", "Focus Money", "Playboy", "Fit for Fun" und "Freemen's World" verantwortet. 

"Vernon von Klitzing hat sich nach erfolgreichem Abschluss der Neustrukturierung entschlossen, das Unternehmen zu verlassen, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen", heißt es im Verlag. Für ihn sei es "Zeit für etwas Neues". Ob er der Printbranche erhalten bleibt, will Klitzing nicht verraten. Er sieht sich viel mehr in der digitalen Welt zu Hause.

Bei Burda hatte er 1998 bei Focus Online angefangen, danach zog es ihn als Business-Development-Chef zu Focus Digital und im Anschluss baute er zusammen mit dem heutigen Plan-Net-Chef Manfred Klaus den Focus-Digital-Vermarkter Interactive Advertising Center (IAC) auf - den Vor-Vorläufer von Burdas heutiger Forward Ad Group.

Kurz nach der Fusion mit Tomorrow Internet zu Tomorrow Focus im Jahr 2002 wurde Vernon von Klitzing Objektleiter des "Playboy". Zuvor hatte er die Onlinelizenz für die Marke Playboy ergattert. Offenbar mit Erfolg, denn ab 2003 vergab der US-Konzern auch die Lizenz für den gedruckten "Playboy" an die Münchner. Beim Hamburger Bauer-Verlag, der das Männermagazin nach Deutschland gebracht hatte, hatte der "Playboy" zuletzt etwas angestaubt ausgesehen.

Seither ist das Männermagazin durchaus ein Vorreiter in vielen Bereichen. Klitzing hat "alle Medienspielarten ausgetestet - nur lineares TV nicht", wie er sagt. Sondertitel, Merchandising, Content-Marketing, frühzeitig Mobile und Video sowie E-Commerce - der Anteil der Umsätze aus dem Web liegen seit einigen Jahren bei etwa 20 Prozent.

Der "Playboy" war auch Pionier in Sachen Paid Content - etwa 15.000 Abonnenten zahlen für den digitalen und in der Regel nackten Mehrwert. Daneben verkaufen sich aber auch alte Printausgaben über das Web bestens. Grzegorzewski will diesen Weg der digitalen Transformation der Marke weitergehen und "die Vorreiterrolle mit weiteren Geschäftsmodellen ausbauen". Ob der "Playboy" seine Sonderstellung im Konzern behalten kann, ist fraglich. Denn zuvor war das Objekt weitgehend unabhängig von Verlagspolitik - als der "Playboy" zu Tomorrow Focus gehörte sowieso, und auch später, als 2010 Burda den Titel ganz übernahm.

Nur gegen die allgemeinen Auflagenschwund kann auch ein "Playboy" nicht ankämpfen. Obwohl sich die Verluste im Vergleich zu anderen Titeln in Grenzen halten, sank die verkaufte Auflage auf zuletzt 186.000 Exemplare (IVW, 4. Quartal). Zu besten Zeiten im Jahr 2005 verkaufte sich das Lifestyle- und Männermagazin 318.000-mal (IVW, 4. Quartal). Die Abos hingegen bleiben über all die Jahre erstaunlich stabil bei zuletzt 36.000 Exemplaren. 2007 lag der Wert bei 43.000.

Das Argument für den Einzelverkauf ist nach wie vor die Titelseite - schmückt eine besonders Prominente das Cover, steigt der Kioskverkauf. Am häufigsten verkauften sich in der Burda-Ära Kommissarin-Rex Elke Winkens (Nov. 2003), die Exfrau von Tennisspieler Michael StichJessica Stockmann (Nov. 2006) sowie die ehemalige "Tagesschau"-Moderatorin Susan Stahnke (Okt. 2003). In jüngerer Zeit sorgten Sila Sahin (Mai 2011), Sophia Thomalla (Apr. 2012) und Jenny Elvers (Feb. 2016) für Auflage - und kostenlose Werbung in der Presse.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.