"Nicht alles, was in sozialen Netzwerken verfügbar ist, darf auch ohne Einschränkung veröffentlicht werden. Die eigene Darstellung, zum Beispiel in einem Facebook-Profil, bedeutet nicht zwingend eine Medienöffentlichkeit."

Als zulässig hingegen bewertete der Ausschuss die Darstellung des Täters mit Name und Foto. Die Tat in München habe ein großes öffentliches Interesse ausgelöst und Fragen nach dem Motiv und nach den Hintergründen der Tat aufgeworfen, heißt es. Das öffentliche Interesse am Täter ist höher zu bewerten als der Schutz der Persönlichkeit.

"Unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt"

Noch ein Verstoß, noch eine Rüge für Bild Online: Der Beschwerdeausschuss des Presserats stuft die Veröffentlichung eines Videos einer Messer-Attacke in einem Dortmunder Kaufhaus als Verstoß gegen die Ziffer 11 des Pressekodex ein. Der Beitrag unter der Überschrift "Brutale Messerattacke auf Video aufgenommen" zeigt den Handymitschnitt eines Passanten, auf dem das Opfer zu sehen ist, wie es mit einem Messer im Rücken blutend auf dem Boden liegt. "Diese Passage wurde sogar mehrfach wiederholt. Im Hintergrund sind die Schreie einer Frau zu hören. Die Berichterstattung hält der Beschwerdeausschuss für eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt", so das Gremium.

Überhaupt: Neben der Berichterstattung über den Amoklauf in München galt es, Beschwerden zu den Terroranschlägen von Würzburg, Nizza, und Istanbul zu prüfen. So lagen dem Presserat auch gegen die Berichterstattung über den Anschlag am Flughafen in Istanbul zwei Beschwerden vor.

Missbilligt wurde in einem Fall die Online-Ausgabe einer Zeitung, weil sie zwei Aufnahmen zeigte, auf denen verletzte Kinder identifizierbar und in Nahaufnahme zu sehen waren. "Diese Fotos missachten den Opferschutz", meint der Presserat. Insgesamt spricht der Presserat 12 Missbilligungen aus, die sich größtenteils auf Berichte über den Amoklauf in München und die Terroranschläge von Würzburg, Istanbul und Nizza beziehen.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.