Außenwerbung :
So lief für Ströer das erste Halbjahr

Ströer-Marketingchef Robert Bosch spricht im Interview mit W&V über die gewandelten Anforderungen der Kunden und Agenturen im Mediamarkt.

Text: Katrin Otto

Robert Bosch, CMO der Ströer SE: "Es ist Zeit, sich von diesem Silodenken der Medien-Welt zu lösen."
Robert Bosch, CMO der Ströer SE: "Es ist Zeit, sich von diesem Silodenken der Medien-Welt zu lösen."

Außenwerbung boomt. Knapp 767 Millionen Euro Bruttowerbeerlöse, so die Nielsen-Bilanz. Das ist ein Plus von fünf Prozent. Robert Bosch, CMO der Ströer SE über den Wandel der Mediaindustrie und aktuelle Trends im Markt.

Herr Bosch, wie hat sich für Ströer der Werbemarkt im ersten Halbjahr entwickelt?

Ströer hat einen sehr positiven Start in das Geschäftsjahr 2017 hingelegt. Unser Segment OOH Deutschland hat die gute Performance aus den Vorjahren fortgesetzt und stellt nach wie vor das Fundament für unser Geschäft dar. Sowohl unsere nationale als auch unsere regionale Vertriebsmannschaft trugen zur insgesamt positiven Entwicklung bei.

Die Nachfrage nach Bewegtbild ist deutlich gestiegen, vor allem seitens der Kunden, die ihre Kampagnen auch in Richtung Public Video verlängern wollen. In den vergangenen Monaten konnten wir unter anderem sehr erfolgreich Kunden aus dem Bereich Lebensmitteleinzelhandel hinzugewinnen. Im regionalen Bereich funktioniert die Kombination aus digitalen und analogen Angeboten sehr gut.

Wird sich das im zweiten Halbjahr fortsetzen?

Betrachtet man die Entwicklung der Netto-Werbeumsätze der vergangenen zehn Jahre aufgeschlüsselt nach Gattungen, zeigen sich tektonische Verschiebungen zu Lasten von Print. Die mit Abstand größten Gewinner im Wettbewerb der Gattungen sind Digital und Out-of-Home und damit genau die Gattungen, auf die Ströer sich fokussiert.

In diesem Zusammenhang steigt auch die Nachfrage nach Multi-Screen-Lösungen, Public Video, Desktop, Mobile, wie sie in dieser Form nur von der Ströer Gruppe angeboten werden. Insgesamt sind wir durch unsere Angebote in der Außenwerbung und im Onlinebereich gut aufgestellt, um unsere Kunden vor dem Hintergrund der anhaltenden Megatrends Digitalisierung, Urbanisierung und steigende Mobilität der Bevölkerung ein optimales Angebot bieten zu können.

Profitiert Außenwerbung dabei von den Verlusten in anderen Medien wie Print? 

Es ist Zeit, sich von diesem Silodenken der Medien-Welt zu lösen. Kunden und Agenturen planen Kampagnen vermehrt aus der Sicht der Kunden, gerne Return on Investment optimiert. Auch wir als Vermarkter forcieren den Wandel ganz massiv und rücken den Kunden in den Fokus. Customer Journey ist ein relevantes Thema.

Unser großes und innovatives Portfolio ist in dieser Hinsicht sehr interessant und hilft dabei, dass wir frühzeitig mit Werbungtreibenden und Agenturen in Dialog treten. Wichtiger Erfolgsfaktor ist sicherlich auch die Qualität der Standorte und bei den digitalen Screens zusätzlich die Qualität der Inhalte.

Welche Trends prägen das zweite Halbjahr?

Wir müssen akzeptieren, dass sich unser Geschäft nie mehr so langsam verändern wird wie heute. Die Mediaindustrie wird sich in Zukunft weiter wandeln, noch komplexer werden. Ich sehe hier drei große Trends, die die nächsten Monate weiter prägen werden. Die Kunden beschäftigen sich stark mit der Frage, wie die Customer Journey aussieht. Bei der Attribution und Customer Journey haben alle inzwischen verstanden, dass es nicht auf den Last Click ankommt.

Dann Reichweite und Daten, weil ein effektives und effizientes Zielgruppen-Targeting einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren zukünftiger Werbung ist. Ströer hat seine Datenquantität und Datenqualität unter anderem durch die Kooperation mit der Otto Group Media gesteigert, um noch bessere datenbasierte Produkte anbieten zu können. Mit Beacons, die in einen großen Teil der OOH-Werbeträger integriert wurden, ermöglichen wir zudem mittelfristig die Bereitstellung anonymisierter raumbezogener Frequenzdaten, die wir beispielsweise bei der Ausweisung von Reichweiten unseres Public Video Systems als Grundlage programmatischer Vermarktung brauchen.

Und drittens die Digitalisierung und die Vernetzung von Online beziehungsweise Mobile und Out-of-Home sind Themen, die unsere Kunden beschäftigen. Die Branche generell setzt sich mit Programmatic auseinander, sprich der Automatisierung der Online-Vermarktung sowie Real-Time Optimierung. Die Budgets werden immer flexibler und Performance spielt eine immer größere Rolle.

Mehr zur Halbjahresbilanz von Print, TV, Radio und OOH lesen Sie in der aktuellen Printausgabe W&V 30.


Autor:

Katrin Otto
Katrin Otto

ist Redakteurin im Medienressort. Sie schreibt über Radio, Außenwerbung, Kino und Film und freut sich über Empfehlungen für die Bücherseite. Wenn sie nicht in der Redaktion ist, ist sie auf Konzerten, im Kino oder im Wasser.